Naturwaldreservat Weserhänge: Urwald von morgen - wenn der Mensch sich zurückzieht | OWZ zum Sonntag

Veröffentlicht am 05.10.2023 14:28

Naturwaldreservat Weserhänge: Urwald von morgen - wenn der Mensch sich zurückzieht

Am Wegesrand tummeln sich die Schmetterlinge. (Foto: Julia Sürder)
Am Wegesrand tummeln sich die Schmetterlinge. (Foto: Julia Sürder)
Am Wegesrand tummeln sich die Schmetterlinge. (Foto: Julia Sürder)
Am Wegesrand tummeln sich die Schmetterlinge. (Foto: Julia Sürder)
Am Wegesrand tummeln sich die Schmetterlinge. (Foto: Julia Sürder)

Im östlichen Bereich des Naturparks Reinhardswald befindet sich das Naturwaldreservat Weserhänge. Nordwestlich des Ortes Veckerhagen wurde 1997 ein 78 Hektar großes Waldstück seiner natürlichen Entwicklung überlassen. Auch als „Urwald von morgen” bezeichnet, sollen ohne menschlichen Eingriff oder Bewirtschaftung urwaldähnliche Strukturen entstehen.

Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt untersucht die Entwicklung und vergleicht mit benachbarten Wirtschaftswäldern. Die Vergleichsfläche ist 96 Hektar groß. Förster Klemens Kahle aus dem Forstamt Reinhardshagen erklärt: „Der Kulturwald wird seit Jahrhunderten beeinflusst durch den Menschen und die Bewirtschaftung. Hier soll untersucht werden, was passiert, wenn das nicht mehr stattfindet.”

78 Hektar für die Forschung

Durch die verschiedenen Bodenarten und die verschiedenen Höhenstufen im Naturwaldreservat war dieses Gebiet besonders interessant für die Forschung. Untersucht werden die Bestände der Artenvorkommen vom Kleinstlebewesen über Vögel oder Hirsche, Rehe und Füchse. „Es ist wichtig für alle, zu sehen, wie sich der Wald entwickelt”, betonte Kahle. 2013 fand eine intensive Untersuchung der Fledermausvorkommen im Gebiet statt: elf verschiedene Arten wurden nachgeweisen.

Lange, bewegte Geschichte

Das Waldgebiet hat eine lange, bewegte Geschichte mit intensiver Nutzung: als Hutewald, als Jagdgebiet und als Wirtschaftswald und Holzlieferant für die früher ansässigen Glas- und Eisenhütten. Auch Holzkohle wurde hier früher hergestellt. Die Sababurg war seit ihrem Bau im 15. Jahrhundert Mittelpunkt des Jagdbetriebes für die Landgrafen in Hessen-Kassel und das Waldgebiet Teil davon.

Forstmeisterrunde und Fichtenklumpse

Die Nutzung als Hutewald hat Spuren hinterlassen: die alleeartigen Triftwege wurden für den Viehtrieb genutzt. Die beeindruckende Eichenallee nahe dem Naturwaldreservat ist Zeuge dieser Vergangenheit.

Ein Wanderweg führt durch das Gebiet, ausgewiesen mit der Nummer 3. Die Forstmeisterrunde ist sieben Kilometer lang und führt an der Quelle der Holzape entlang und um den Staufenberg herum. Wanderer können einen Abstecher machen zur Eichenallee, die auch durch den Friedwald Reinhardswald führt. In der Nähe der Route sind auch die Fichtenklumpse zu finden - weitere Zeugen der Vergangenheit des Reinhardwaldes. Im 19. Jahrhundert wurde dort ein Gräbensystem angelegt. Der Aushub wurde als Pflanzhügel benutzt, mehrere Tausend Eichen, Buchen und Fichten wurden eingesetzt. Die heutigen Klumpse wurden in den 1960ern gepflanzt und sind in ihrer Art einmalig.

Rücksicht ist gefragt!

Wanderer sind aufgefordert, zur eigenen Sicherheit die ausgewiesenen Wege nicht zu verlassen, da durch herabfallende Äste oder umstürzende Bäume Unfallgefahr besteht. Förster Kahle betont: „Der Wald ist keine reine Freizeitfläche.” Kahle weist auch darauf hin, dass das Wegegebot einzuhalten ist. Mountainbiken ist im Naturwaldreservat ausdrücklich untersagt. Rücksicht und Respekt für die Natur sollten Wanderer mitbringen.

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