Die Verbandsversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes des Landkreises Holzminden fand Ende April in Deensen statt. Vorsitzender Ralf Knocke konnte hierzu mehr als 100 Delegierte und Gäste begrüßen. Ein besonderer Gruß galt dem Spielmannszug der Feuerwehr Holzminden, der für die musikalische Umrahmung sorgte, sowie der Ortsfeuerwehr Deensen, die die Bewirtung sowie den Auf- und Abbau der Veranstaltung übernahm.
In seinem Jahresbericht stellte Knocke das Jahresmotto 2025 „Wichtiger denn je – deine Feuerwehr“ in den Mittelpunkt. Dabei machte er deutlich, dass dieses Motto bewusst Fragen aufwirft und zum Nachdenken anregen soll. Die Bedeutung der Feuerwehr habe in den vergangenen Jahren weiter zugenommen – nicht zuletzt durch veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen, steigende Anforderungen im Brand-, Katastrophen- und Zivilschutz sowie eine insgesamt komplexere Gefahrenlage.
Gleichzeitig sprach Knocke zentrale Herausforderungen an. Besonders die Personalentwicklung bereite Sorgen, da im Krisenfall die Doppelmitgliedschaften der Feuerwehrangehörigen in anderen BOS-Einheiten, berufliche Einschränkungen oder als Reservisten Personalprobleme bereiten könne. Zudem stellte er die Frage, ob Feuerwehren ausreichend in Planungen eingebunden werden und ob neben der Beschaffung von Fahrzeugen und Geräten auch Themen wie Ausbildung, Personal und Infrastruktur berücksichtigt werden.
Auch die Rolle des Kreisfeuerwehrverbandes wurde kritisch beleuchtet. Knocke machte deutlich, dass der Verband mehr sein müsse als ein reiner Verwalter oder Organisator von Ehrungen. Vielmehr gelte es, aktiv Perspektiven zu entwickeln und neue Möglichkeiten zur Unterstützung der Feuerwehren im Landkreis zu schaffen. Da finanzielle Spielräume begrenzt seien, kündigte er einen Ideenworkshop mit Feuerwehrvertretern an, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.
Zum Jahresende 2025 gehörten dem Kreisfeuerwehrverband 2.521 Mitglieder in 62 freiwilligen Feuerwehren, fünf Werkfeuerwehren sowie fünf Musik- und Spielmannszügen an, ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Knocke hob insbesondere die Bedeutung der Kinder- und Jugendfeuerwehren hervor, die eine zentrale Rolle für die Zukunftssicherung spielen. Sein Dank galt daher allen Betreuerinnen und Betreuern für ihr Engagement.
Kreisbrandmeister Michael Eisenbeis berichtete, dass sich in den 62 freiwilligen Feuerwehren des Landkreises derzeit 2.139 Feuerwehrfrauen und -männer engagieren. Im Jahr 2025 wurden die Feuerwehren zu insgesamt 1.427 Einsätzen alarmiert. Diese gliederten sich in 242 Brandeinsätze, 877 Hilfeleistungen sowie 308 Fehlalarme. Hinzu kamen 153 Dienstleistungen und 101 Brandsicherheitswachen. Die Einsatzzahl ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken, was insbesondere auf das Ausbleiben größerer Unwetterlagen zurückzuführen ist.
Dennoch gab es herausfordernde Einsätze, darunter der Brand eines Entsorgungsbetriebes in Eschershausen sowie eine Serie von Brandstiftungen im Bereich Hellental. Ein besonderes Augenmerk legte Eisenbeis auf die Tagesverfügbarkeit der Einsatzkräfte, da ein erheblicher Teil der Einsätze zwischen 6 und 18 Uhr stattfindet. In diesem Zusammenhang sprach er den Arbeitgebern seinen ausdrücklichen Dank für die Freistellung der Feuerwehrangehörigen aus.
Im Bereich der Ausstattung wurden im Jahr 2025 unter anderem ein LF-KatS des Landes Niedersachsen bei der Ortsfeuerwehr Halle stationiert, drei Module zur mobilen Deichsicherung in Eschershausen bereitgestellt sowie ein neuer CBRN-Erkundungskraftwagen des Bundes bei der Ortsfeuerwehr Hehlen in Dienst gestellt. Für das Jahr 2026 kündigte Eisenbeis weitere Beschaffungen an.
Kreisbereitschaftsführer Adrian Teiwes berichtete über die Aktivitäten der Kreisfeuerwehrbereitschaft. Das Jahr verlief im Vergleich zum Vorjahr ohne größere Hochwasserlagen, dennoch waren zahlreiche Einsätze und Übungen zu bewältigen. Bereits im Januar wurde die Führungsgruppe zu einem Wohnhausbrand in Bodenwerder alarmiert, weitere Einsätze folgten unter anderem in Holzminden. Neben den Einsätzen wurden auch regelmäßige Dienstabende und Übungen durchgeführt.
Kreisjugendfeuerwehrwartin Aline Schwannecke berichtete von aktuell 706 Kindern und Jugendlichen in den Nachwuchsabteilungen, davon 440 in Jugendfeuerwehren und 266 in Kinderfeuerwehren. Während diese Zahlen leicht rückläufig sind, konnten gleichzeitig 17 neue Betreuerinnen und Betreuer gewonnen werden. Zahlreiche Veranstaltungen, Wettbewerbe und Abnahmen prägten das Jahr 2025. Schwannecke betonte, dass die Kinder- und Jugendfeuerwehren weit mehr als eine Freizeitbeschäftigung seien: Sie bilden das Fundament für die Zukunft der Einsatzabteilungen und leisten einen wichtigen Beitrag zur persönlichen Entwicklung junger Menschen. Sie richtete einen eindringlichen Appell an alle Führungsebenen, die Nachwuchsarbeit weiterhin aktiv zu unterstützen.
Kreisbrandschutzerzieher Stefan Rinsche berichtete von 54 aktiven Brandschutzerziehern, die im vergangenen Jahr 38 Brandschutzerziehungen sowie fünf Aus- und Fortbildungen mit einem Umfang von über 450 Stunden durchgeführt haben.
Kreisausbildungsleiter Matthias Kunz zog eine positive Bilanz der Ausbildung. Auf Kreisebene wurden 17 Lehrgänge mit rund 342 Teilnehmern durchgeführt. Zudem absolvierten 422 Atemschutzgeräteträger ihren jährlichen Leistungsnachweis. Auf Landesebene wurden 148 Lehrgänge besucht.
Die stellvertretende Kreisfrauensprecherin Anita Teßmer berichtete über die Aktivitäten der Kreisfeuerwehrfrauen. Kreisfrauensprecherin Kerstin Siefarth war im vergangenen Jahr auf zahlreichen Veranstaltungen und Sitzungen aktiv. Der Frauenanteil in der Feuerwehr ist weiter gestiegen – sowohl auf Landes- als auch auf Kreisebene. Im Landkreis Holzminden wurden Kerstin Siefarth und ihre Stellvertreterin Anita Tessmer erneut gewählt. Ein Highlight war das Workshopwochenende in Emden mit vielfältigen fachlichen Themen. Zudem wächst das politische Interesse am Thema „Frauen in der Feuerwehr“, insbesondere hinsichtlich Förderung und Kinderbetreuung. Weitere Treffen und Fortbildungen, unter anderem in der FTZ und auf Landesebene, rundeten das Jahr ab. Auch für 2026 sind bereits Veranstaltungen und Schulungen geplant.
In Vertretung des Kreisstabführers berichtete Jens Heinemeyer über die Aktivitäten der Musik- und Spielmannszüge im Landkreis. Zum 31.12.2025 zählen die fünf Züge insgesamt 176 Mitglieder. Im vergangenen Jahr wurden 112 Auftritte absolviert, davon 18 im feuerwehrdienstlichen Bereich und 94 zur Brauchtumspflege. Für 2026 ist unter anderem ein gemeinsamer musikalischer Frühschoppen geplant. Zudem wird die neue Dienstgradverordnung für Diskussionen sorgen, da viele erfahrene Musiker aufgrund fehlender Lehrgänge künftig schlechter eingestuft werden könnten. Das sorge bei den Musikerinnen und Musikern für Unmut.
Jens Heinemeyer wurde von der Versammlung zum neuen Kreisstabführer ernannt, nachdem Dieter Hesser zuvor das Amt des Kreisstabführers im Vorfeld zur Verfügung gestellt hatte. Ralf Knocke dankte Dieter Hesse für seinen Einsatz im Sinne der Feuerwehrmusik.
Wichtiger Teil der Versammlung waren zudem zahlreiche Ehrungen verdienter Feuerwehrmitglieder. Die Bandschnalle des Kreisfeuerwehrverbandes erhielten Karla Weißfinge, Andreas Damrau, Frank Teiwes, Dieter Hesse und Klaus-Peter Grote. Mit der Ehrennadel des Landesfeuerwehrverbandes in Silber wurde Markus Glamm ausgezeichnet. Das Deutsche Feuerwehrehrenkreuz in Silber erhielten Jens Siebeneicher und Christian Puschendorf, während Gerald Gömann mit dem Feuerwehrehrenkreuz in Gold geehrt wurde. Die Niedersächsische Feuerwehrehrenmedaille wurde an Maren Urban verliehen.
In ihren Grußworten würdigten Landrat Michael Schünemann, der Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes Klaus-Peter Grote sowie Regierungsbrandmeister Dascho Wehner die Arbeit der Feuerwehrangehörigen und betonten deren große Bedeutung für die Sicherheit der Bevölkerung.
Das Schlusswort sprach der stellvertretende Verbandsvorsitzende Dirk Siefarth. Er dankte allen Einsatzkräften für ihren unermüdlichen Einsatz sowie den Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung für die Unterstützung. Gleichzeitig gratulierte er Jens Heinemeyer zu seiner Wahl als Kreisstabsführer und wünschte ihm viel Erfolg für seine neue Aufgabe.