Vom schnurgeraden Graben zum naturnahen Bachlauf, der sich nun idyllisch durch die Landschaft schlängelt: Der Kreis Höxter hat in den vergangenen Monaten im Bereich des Grundbachs in Nieheim-Holzhausen ein weiteres umfangreiches Renaturierungsprojekt im Rahmen des Gewässerentwicklungsprojekts umgesetzt. Nun konnten die Arbeiten erfolgreich abgeschlossen werden.
Im Zuge der Maßnahme wurde ein rund 300 Meter langer Teil des Grundbachs sowie ein seitlicher Zufluss auf einer landwirtschaftlichen Nutzfläche aufgeweitet und teilweise verlegt. „Altarme wurden angelegt sowie Weidengeflechte zur natürlichen, lebenden Ufersicherung in das Gewässer eingebracht, damit möglichst viele Tier- und Pflanzenarten hier einen geeigneten Lebensraum finden“, erklärt Projektleiter Matthias Beckmann vom Kreis Höxter.
Das Nebengewässer des Grundbachs hat im betreffenden Abschnitt einen naturnahen, kurvenreichen Verlauf erhalten, der die natürliche Dynamik des Gewässers fördert. Totholz, Wurzeln und Störsteine im neuen Bachbett sorgen nun für eine abwechslungsreiche Strömungsvielfalt. Eine bestehende Verrohrung wurde entfernt, sodass insbesondere Fische und Wasserinsekten den Bach nun ungehindert besiedeln können. Der Weg zwischen den angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Flächen wird durch eine naturnahe Furt (Bachquerung) ermöglicht – ohne Beeinträchtigung der Gewässerökologie.
„Das Ergebnis ist wirklich beeindruckend. Einmal mehr konnten wir durch unser Gewässerentwicklungsprojekt einen wichtigen Mehrwert für die Natur schaffen. Insbesondere vor dem Hintergrund der klimatischen Veränderungen und anhaltender Trockenphasen müssen wir unsere Fließgewässer als naturnahen Lebensraum erhalten und stärken“, erklärt Landrat Michael Stickeln.
Auch Nieheims Bürgermeister Johannes Schlütz lobte die Arbeit der Mitarbeiter des Gewässerentwicklungsprojekts: „Diese Maßnahme hat absoluten Vorbildcharakter. Der Grundbach ist für Holzhausen ein sehr wichtiges Gewässer. Dank der Renaturierung wird er als Lebensraum maßgeblich aufgewertet und der Hochwasserschutz für die Gemeinde verbessert.“
Besonders hoben Landrat und Bürgermeister dabei auch das Engagement des Grundstückseigentümers Heinz-Josef Böddeker und seiner Familie hervor. Sie stellten das Grundstück, auf dem sich die Gewässer befinden, für die Renaturierung zur Verfügung, ohne hierfür einen finanziellen Ausgleich zu erhalten. „Dank der Familie Böddeker ist die Maßnahme in diesem Umfang überhaupt möglich geworden“, lobten Stickeln und Schlütz.
Die Arbeiten wurden von Langzeitarbeitslosen ausgeführt, die im Rahmen des Gewässerentwicklungsprojekts des Kreises Höxter im Rahmen von Arbeitsgelegenheiten beschäftigt sind. „Unter Anleitung von Fachkräften führten sie garten- und landschaftsbautypische Arbeiten aus“, erklärt Projektleiter Beckmann. Und Thomas Stock vom Jobcenter ergänzt: „Die Teilnehmenden dürfen stolz auf die erbrachte Leistung sein. Sie konnten wertvolle Qualifikationen für den ersten Arbeitsmarkt erwerben.“
Mit dem Gewässerentwicklungsprojekt setzt der Kreis Höxter bereits seit 2008 städteübergreifend die Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie um. Dazu gehören die Wiederherstellung natürlicher Lebensräume, die Förderung der Biodiversität sowie der Schutz der Wasserqualität. Die Renaturierungsmaßnahmen des Kreises Höxter tragen neben der ökologischen Aufwertung von Lebensräumen zur Attraktivitätssteigerung der Naherholung bei und erhöhen so die Lebensqualität der Menschen vor Ort.