Am Sonntagmorgen sah in Neuhaus noch alles nach einem nassen Vergnügen aus. Doch passend zum Stelldichein rissen die Wolken auf, zeitweise zeigte sich sogar die Sonne. Erst nach dem Halali und der Belohnung der Hunde setzte der Regen wieder ein. So konnten Reiter wie Zuschauer die 61. Hubertus-Reitjagd einigermaßen trocken genießen.
Auf der Pfarramtswiese am Haus des Gastes herrschte vor dem Abritt dichtes Gedränge. Pferde schnaubten ungeduldig, Jagdhörner ertönten und die 21 Foxhounds der Niedersachsenmeute bellten ungeduldig. Zahlreiche Besucher säumten die Wiese und erlebten das bunte Bild aus Reitern, Pferden und Hunden aus nächster Nähe. Wer hinhörte, vernahm Hufschlag, Hundegeläut und Hornsignale zu einem Klangteppich verschmelzen, der diesen Herbsttag unverwechselbar machte.
Nach den Begrüßungen ging es los: Die Schleppenreiterinnen legten die nach Anis duftende Spur, der die Meute folgte, dahinter jagten die Jagdfelder her, darunter ein Feld ohne Sprünge für Reiter, die die Jagd nur begleiten wollten.
Der anspruchsvolle Kurs über die Ahlewiese und dann Richtung Silberborn hatte es in sich: Die Landschaft rund um Neuhaus macht diese Reitjagd alljährlich zu einer anspruchsvollen Veranstaltung. Hunde, Pferde und Reiter mussten über ansteigende, in diesem Jahr vom Regen durchnässte Wiesen, über historische Steinmauern und Hindernisse aus Eichenstämmen. Entlang der Rad- und Wanderwegen verfolgten hunderte Zuschauer die imposanten Sprünge. An der Grillhütte in Silberborn gab es gegen 13 Uhr eine Pause für Mensch und Tier, ehe es dann wieder zurück nach Neuhaus ging.
Dort wurde am Ende der Jagd das „Halali“ geblasen. Die Hunde bekamen als traditionelle Belohnung Pansen, und bellten vernehmlich zufrieden. Die Reiter erhielten als Zeichen der Anerkennung den traditionellen Bruch (einen Eichenzweig, Anm. d. Red.) und waren dann zum Schüsseltreiben geladen.
Im Haus des Gastes und auf dem Innenhof sorgten Kaffee, Kuchen, und deftige Köstlichkeiten für das leibliche Wohl, Handwerks- und Infostände sowie die Jagdhornbläser rundeten das Rahmenprogramm ab.
Eine besondere Note erhielt der Tag durch einen Wechsel an der Spitze der Hubertusjagd in Neuhaus: Torsten Koßmann gab das „Kommando“ als Jagdherr nach 25 Jahren an Anna-Kathrin von der Goltz ab, die künftig die Reitjagd als Jagdherrin anführt. Koßmann hat die traditionsreiche Veranstaltung über mehrere Jahrzehnte geprägt. Holzmindens Bürgermeister Christian Belke würdigte dafür mit einer Urkunde der Stadt Holzminden, die die Reitjagd traditionell ausrichtet.