Uferschwalben gehören in NRW zu den stark gefährdeten Vogelarten und sich nach Bundenaturschutzgesetzt streng geschützt. Die Zugvögel brüten in Niströhren, die sie in Lehm-Steilwände graben. Diese kommen in der Natur an den Prallhängen von Flüssen vor und bilden sich durch Hochwässer immer wieder neu. Durch den Ausbau der Flüsse zu schiffbaren „Kanälen“ sind Steilwände in den Flussauen selten geworden und mit ihnen die Uferschwalben.
Naturschützer und Vogelkundler Hajo Kobialka konnte 2025 auf dem Gelände der Schaperdot Erdbau in Beverungen sechs Brutröhren der Uferschwalbe beobachten und schlug dem Eigentümer Jens Schaperdot geeignete Maßnahmen vor, um eine Lehm-Steilwand für die Vögel zu erweitern. Die Zustimmung kam spontan und aus der Idee wurde ein erfolgreiches, gemeinsames Naturschutzprojekt. Mit dem Bagger wurde an einer momentan nicht genutzten Stelle im Kiesabbaugebiet eine 4 Meter hohe Steilwand von knapp 70 Metern Länge geschaffen.
Das Projekt war schon im ersten Jahr sehr erfolgreich. Die aus dem Überwinterungsgebiet südlich der Sahara zurückkehrenden Uferschwalben besiedelten die neu geschaffene Steilwand. Kaum eine Handbreit liegt zwischen den einzelnen Bruthöhlen, die die kleinen Vögel innerhalb von wenigen Tagen etwa 80 cm Tief in den Steilhang graben. Die Uferschwalbenkolonie in Beverungen hat sich innerhalb eines Jahrens um das dreißigfache vermehrt. Die künstliche Steilwand ist hoch genug, dass Raubtiere wie Waschbär oder Fuchs nicht an die Nester herankommen, was einen Bruterfolg der Vögel begünstigt. Die beiden Projektpartner sind hocherfreut über den Erfolg und Jens Schaperdot will den Kiesabbau so planen, dass auf Dauer Lehm-Steilwände auf seinen Betriebsgelände für die Uferschwalben zur Verfügung stehen. Die Arbeit beim Kiesabbau in der Nachbarschaft stören die Vögel nicht, die sich von Mücken- und Insekten ernähren. Das Projekt zeigt, wie sich wirtschaftliche Nutzung und praktischer Naturschutz miteinander verbinden lassen, wenn geeignete Flächen, Fachwissen und die Bereitschaft zur Umsetzung zusammenkommen.
Neben der erfolgreichen Uferschwalben-Steilwand wurde von den beiden Projektpartnern und Mitarbeiter der Firma Schaperdot ein spezielles Brutfloß für Flussseeschwalben geschaffen. Die Art zieht regelmäßig mit einzelnen Tieren durch das Gebiet. Auch die Flussseeschwalbe ist selten, denn sie brütet auf Kiesbänken in natürlichen Flusslandschaften, die es in Deutschland kaum noch gibt. Bei Rintel brüten aber noch drei Paare der Flussseeschwalbe. Das 15 Quadratmeter große Floß ist in der Mitte des Rochel-Sees mit freundlicher Genehmigung von Eigentümerin Anne Lehmann fest verankert. Auf der Oberfläche wurde mit Kies und Totholz das natürliche Bruthabitat der Flussseeschwalbe nachgeahmt. Dachziegeln bieten den Küken Unterschlupf gegen Raubvögel. Ein Zaun um das Floß verhindert, dass die Küken ins Wasser fallen können.
„Das ist ein Feldversuch“, sagt Vogelkundler Hajo Kobialka „ob die Flussseeschwalben das neue Angebot tatsächlich als Brutplatz annehmen werden, bleibt abzuwarten. Das Floß bietet jedoch auch anderen Vogelarten einen zusätzlichen geschützten Lebensraum.“
Beide Naturschutzprojekte sind vom Radweg bei Beverungen aus mit dem Fernglas gut zu beobachten. Die kaum 12 cm kleinen Schwalben fliegen dicht über der Wasseroberfläche, jagen dort Insekten und können 50 km/h schnell werden. Ab April kommen die Uferschwalben aus Afrika zurück und die Flussseeschwalben suchen einen Brutplatz, vielleicht auch auf dem Floß.