108 Kilo verloren, neues Leben gewonnen | OWZ zum Sonntag

Veröffentlicht am 03.03.2026 10:14

108 Kilo verloren, neues Leben gewonnen

Chefarzt Dr. Florian Dietl (links) und Harry Feist (leitender Oberarzt und Zentrumschirurg) freuen sich über die erfolgreiche Behandlung von Henrik Seltenheim (Mitte). (Foto: KHWE)
Chefarzt Dr. Florian Dietl (links) und Harry Feist (leitender Oberarzt und Zentrumschirurg) freuen sich über die erfolgreiche Behandlung von Henrik Seltenheim (Mitte). (Foto: KHWE)
Chefarzt Dr. Florian Dietl (links) und Harry Feist (leitender Oberarzt und Zentrumschirurg) freuen sich über die erfolgreiche Behandlung von Henrik Seltenheim (Mitte). (Foto: KHWE)
Chefarzt Dr. Florian Dietl (links) und Harry Feist (leitender Oberarzt und Zentrumschirurg) freuen sich über die erfolgreiche Behandlung von Henrik Seltenheim (Mitte). (Foto: KHWE)
Chefarzt Dr. Florian Dietl (links) und Harry Feist (leitender Oberarzt und Zentrumschirurg) freuen sich über die erfolgreiche Behandlung von Henrik Seltenheim (Mitte). (Foto: KHWE)

Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die weit über starkes Übergewicht hinausgeht. Sie beeinflusst Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität. Wie wichtig eine frühzeitige, professionelle und ganzheitliche Behandlung ist, zeigt die Geschichte von Henrik Seltenheim. Der heute 48-Jährige aus Bielefeld wird seit knapp einem Jahr im Referenzzentrum Adipositas Hochstift betreut – mit beeindruckendem Erfolg.

Vor Beginn der Behandlung wog Henrik Seltenheim rund 230 Kilogramm. Seit seiner Jugend, etwa ab dem 13. Lebensjahr, kämpfte er mit starkem Übergewicht. Über viele Jahre hinweg erlebte er ein wiederkehrendes Auf und Ab: Phasen deutlicher Gewichtszunahme wechselten sich mit Zeiten ab, in denen er wieder einen Teil abnahm, nur um anschließend erneut zuzunehmen. Mehrere Einschnitte in seinem Leben verstärkten die Entwicklung zusätzlich: Die Corona-Pandemie, Homeoffice, der Verlust seines Arbeitsplatzes als Maschinenbauingenieur durch eine Insolvenz sowie der zunehmende Rückzug aus sozialen Kontakten. „Ich bin nach und nach immer antriebsloser geworden“, beschreibt er rückblickend. Alleinlebend und ohne Motivation zu kochen, griff er häufig auf Lieferservices zurück – oft mit größeren Bestellmengen als nötig. Schließlich verließ er seine Wohnung kaum noch, selbst Treppen wurden zur kaum überwindbaren Hürde. Auch alltägliche Dinge wie Körperhygiene waren nur noch eingeschränkt möglich.

Den entscheidenden Impuls, sich Hilfe zu holen, erhielt Henrik Seltenheim aus dem familiären Umfeld. Auf Empfehlung seines Schwagers stellte er sich im Adipositaszentrum des St. Josef Hospitals der KHWE vor. „Erst auf der Fahrt ins Krankenhaus ist mir richtig bewusstgeworden, wie schlecht es mir ging“, sagt er heute. Besonders überzeugte ihn, dass im Krankenhaus alle notwendigen Schritte von den Voruntersuchungen bis zur Operation unter einem Dach erfolgen können.

Wegen der Dringlichkeit erhielt der Bielefelder kurzfristig einen Termin für eine Schlauchmagen-Operation. Die Zeit vor dem Eingriff war von Nervosität aber auch Hoffnung geprägt. Sein Wunsch: wieder schmerzfrei laufen, selbstständig mobil sein, einen neuen Job finden und Dinge tun, die für andere selbstverständlich sind. Auch Reisen standen wieder auf seiner persönlichen Wunschliste.

Die Mobilisation begann später als geplant, doch bereits vier Wochen nach dem Eingriff hatte Henrik Seltenheim 35 Kilogramm abgenommen. „Ich spüre jeden Tag Verbesserungen. Es macht Spaß, den Erfolg zu sehen“, berichtete er. Schritt für Schritt kehrt Bewegung in seinen Alltag zurück, begleitet von Physiotherapie und einer klar strukturierten Ernährungsumstellung.

Die Entwicklung setzt sich kontinuierlich fort: Im Sommer waren es bereits 55 Kilogramm weniger, im November sogar 91 Kilogramm. Er konnte wieder selbst Auto fahren, ging täglich rund 2,5 Kilometer spazieren und integrierte leichte körperliche Aktivitäten fest in seinen Alltag. Auch gesundheitlich zeigten sich deutliche Verbesserungen: Zwar hatte er bislang keine Diabetes-Medikamente benötigt, doch ohne die Gewichtsreduktion wären diese perspektivisch erforderlich geworden. Durch die erfolgreiche Therapie konnten entsprechende Behandlungen abgewendet werden.

Parallel dazu veränderte sich sein Verhältnis zum Essen grundlegend. Der bewusste Umgang mit Eiweiß, neue Essensstrukturen und der Verzicht auf zugesetzten Zucker gehören inzwischen selbstverständlich dazu. „Aromen schmecken heute viel intensiver. Früher war ich durch das sehr fettige Essen vor allem salzige und süße Geschmacksrichtungen gewohnt – das hat vieles überdeckt“, sagt Henrik Seltenheim.

Beim jüngsten Kontrolltermin zeigt die Waage 122 Kilogramm – insgesamt 108 Kilogramm weniger als zu Beginn der Behandlung. Um den langfristigen Erfolg weiter zu sichern, ist ein zusätzlicher operativer Schritt in Form eines Magenbypasses geplant.

„Die Geschichte von Henrik Seltenheim macht deutlich, dass Adipositas eine ernstzunehmende Erkrankung ist, die professionelle Unterstützung erfordert“, betont Dr. Florian Dietl, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. „Mit einem interdisziplinären Behandlungskonzept, enger Begleitung und der Motivation der Betroffenen lassen sich nachhaltige Veränderungen erreichen.“

Über das Referenzzentrum Adipositas Hochstift

Bereits vor 16 Jahren hat das St. Josef Hospital in Bad Driburg mit der umfassenden Behandlung der Adipositas-Erkrankung begonnen. 2018 wurde die Klinik erstmals als Kompetenzzentrum zertifiziert, 2025 erfolgte die erneute Zertifizierung als eines von 20 Referenzzentren deutschlandweit. Jährlich werden hier mehr als 2000 Patienten auf ihrem Weg begleitet – von der konservativen Therapie über Ernährungs- und Bewegungskonzepte bis hin zu chirurgischen Eingriffen wie Schlauchmagen- oder Magenbypass-Operationen sowie der anschließenden Wiederherstellungschirurgie. Das interdisziplinäre Team legt großen Wert auf eine individuelle und langfristige Betreuung der Patienten, um eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen.

north