Wenn eine Großschadenslage eintritt, müssen viele Zahnräder ineinandergreifen. Genau das wurde bei der Übung „DIEMELSTURM.HX26“ des Kreises Höxter am vergangenen Wochenende auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik in Warburg unter realitätsnahen Bedingungen erprobt. Rund 1.200 Einsatzkräfte und weitere Beteiligte aus ganz Ostwestfalen-Lippe waren gefordert, innerhalb kürzester Zeit auf eine dynamische Lage zu reagieren und die Zusammenarbeit über Organisationsgrenzen hinweg zu koordinieren.
Die Organisatoren ziehen ein erstes positives Fazit. „Die im Kreis Höxter in den vergangenen Monaten und Jahren neu eingeführten und intensiv geschulten Führungsstrukturen im Abschnitt Medizinische Rettung haben sich bewährt“, beschreibt Stefan Nostitz, Kreisbrandmeister und Leiter der Abteilung Feuer-, Zivil- und Katastrophenschutz des Kreises Höxter. „Auch die Standard-Einsatzregeln für einen Massenanfall von Verletzten haben gegriffen. Die überörtlichen Einheiten konnten zügig in die Bereitstellungsräume geführt, dort registriert und bedarfsgerecht eingesetzt werden.“
Durch die gute Zusammenarbeit auf allen Ebenen der Einsatzleitung konnte schnell ein gemeinsames Lagebild erstellt werden. Ein großes Lob richtet die Übungsleitung an alle Darstellerinnen und Darsteller, die mit ihrem Einsatz für eine besonders realitätsnahe Übungsdarstellung sorgten. „Alle haben ihre Rollen überzeugend ausgefüllt und die Szenarien sehr realitätsnah durchgespielt. Damit haben sie entscheidend zum Erfolg der Übung beigetragen“, sagt David Kriwet, der als Mitglied des Organisationsteams diesen Bereich verantwortete. „Dafür danken wir den DLRG-Einheiten aus Brakel, Goch und Verl, dem DRK, dem KHWE-Bildungszentrum Weser-Egge, dem Schützenverein Warburg, dem Theresia-Gerhardinger-Berufskolleg und allen, die sich im Bereich der Realistischen Unfalldarstellung so erstklassig eingebracht haben.“
Auch die Leitstelle für Feuerschutz und Rettungsdienst des Kreises Höxter in Brakel war in die Übung eingebunden. Dafür wurde eigens ein zusätzliches Disponenten-Team mit eigenem Übungslagedienst eingerichtet, damit der reguläre Betrieb für die Bürgerinnen und Bürger sichergestellt werden konnte. Innerhalb einer halben Stunde mussten die Disponenten 36 „Notrufe“ von Darstellerinnen und Darstellern der Übung entgegennehmen, ein Lagebild erstellen und die notwendigen Kräfte alarmieren. „Die Übungs-Anrufe waren sehr realistisch. Ein Disponent musste während der Übung sogar eine Reanimation anleiten, die anschließend vor Ort durch Rollenspieler durchgeführt wurde“, berichtet Übungsorganisator Sören Krelaus vom Kreis Höxter.
Verbesserungsbedarf zeigte sich bei der Großübung insbesondere bei der Organisation des Patiententransports zum Behandlungsplatz und bei der Dokumentation der Patienten. „In Ostwestfalen werden derzeit noch unterschiedliche Verfahren genutzt. Manche Einheiten führen papiergestützte Listen, andere arbeiten bereits mit einer digitalen Anwendung. Das erschwert die Zusammenarbeit“, sagt Krelaus. Hier arbeiten die Kreise bereits an einem einheitlichen Vorgehen.
Besonders wichtig bei einer derartigen Lage ist die Kommunikation über Funk. „Es hat sich gezeigt, dass das Funknetz grundsätzlich sehr leistungsfähig ist. Ein Szenario dieser Größenordnung kann es aber dennoch an seine Leistungsgrenze bringen. Zeitweise waren nach unserer Einschätzung mehr als 600 Funkgeräte im Betrieb, wodurch es zu Beeinträchtigungen der Funkkommunikation kam. Dazu stehen wir bereits mit den zuständigen Stellen auf Landesebene in Kontakt. Auch hier erwarten wir in den nächsten Wochen eine detaillierte Auswertung“, so Übungsorganisator Krelaus.
Die systematische Auswertung der Übung wird noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Erste detaillierte Ergebnis- und Beurteilungsberichte der Übungsbeobachter liegen bereits vor und werden nun gemeinsam mit den weiteren Rückmeldungen ausgewertet. „Die Übung hat die Leistungsfähigkeit der bestehenden Strukturen gezeigt und konkrete Ansatzpunkte für deren Weiterentwicklung geliefert. Somit können wir sagen: DIEMELSTURM.HX26 war ein voller Erfolg“, zieht auch Landrat Michael Stickeln ein Resümee. „Ich danke allen Menschen von Herzen, die daran einen Anteil haben.“
Im Rahmen der Katastrophenschutzübung „DIEMELSTURM.HX26“ wurden das St. Ansgar Krankenhaus in Höxter und das Helios Klinikum Warburg aktiv in das Übungsgeschehen eingebunden, um die rettungsdienstliche Versorgungskette realitätsnah darzustellen und zu erproben.
„Die Übung hat gezeigt, wie gut unsere Teams auch unter hoher Belastung zusammenarbeiten“, blickt Viola Titze von der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge zurück. „Rund 40 freiwillige medizinische Mitarbeiter versorgten in zwei Wellen 17 dargestellte Verletzte im St. Ansgar Krankenhaus in Höxter, darunter acht mit lebensbedrohlichen Verletzungen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Zentraler Notaufnahme, chirurgischen Abteilungen und Anästhesie lief ruhig und koordiniert ab. Zugleich konnten wir Kommunikationswege, Übergaben und die Krankenhaus-Einsatzleitung erproben. Dank der räumlichen Trennung und Organisation innerhalb des Krankenhauses konnte der Übungsbetrieb vom regulären Klinikalltag getrennt werden. Der Regelbetrieb der Notaufnahme blieb dabei uneingeschränkt aufrechterhalten.“
Eine Übung in dieser Größenordnung war auch für das Helios Klinikum Warburg eine Premiere. „Rund 40 Mitarbeitende aus den Bereichen der Pflege, Technik, Reinigung, Ärzteschaft und Krankenhausbetriebsleitung stellten die Versorgung von 46 hervorragenden realistischen Unfalldarstellern sicher. Von den 46 sind neun kritisch verletzte Patienten, 14 als schwer betroffene Patienten und 23 Patienten als leichter Verletzte gesichtet und behandelt worden“, sagt Dr. Miriam Tillmann, Chefärztin der Zentralen Notaufnahme am Helios Klinikum Warburg. „Die Übung umfasste für uns die Sichtung und digitale Registrierung der Darsteller, die Versorgung in den Schockräumen sowie den entsprechenden Behandlungsbereichen, die Funktionseinheit der Radiologie und die Entscheidungsfindung über den Verbleib des Patienten nach dessen Stabilisierung und Behandlung. Alle Mitarbeitenden haben die Übung mit großem Engagement und Leidenschaft mitgetragen und nur so erfolgreich werden lassen. Eine absolute Teamleistung! Gleichwohl sollten gemeinsame Übungen zwischen den Institutionen wie Behörden, Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei und anderen als feste Vereinbarung regelmäßig stattfinden. In solchen Momenten – sei es auch ein Übungsmoment – merkt man erst, zu welcher absolut exzellenten Leistung man als Team gemeinsam fähig ist. Die Zusammenarbeit im Vorfeld mit den Übungsverantwortlichen vom Kreis Höxter – namentlich möchte ich hier die Herren Hendrik Fastenrath und Sören Krelaus nennen – war hervorragend und hat sehr viel Freude gemacht. In jeder Minute merkte man, mit wie viel Herzblut und Engagement sie bei der Sache waren.“
Bei einer Übung dieser Größenordnung hätte es natürlich auch vorkommen können, dass sich eine Darstellerin, ein Darsteller oder eine Einsatzkraft tatsächlich verletzt oder ein realer medizinischer Notfall eintritt. „Für diesen Fall gab es während der Übung das ausgegebene Codewort ‚Oklahoma‘. Damit hätte im Ernstfall alle sofort gewusst: Das hier gerade ist keine Übung, sondern ein echter Notfall“, erläutert Sören Krelaus vom Kreis Höxter. Um reale medizinische Notfälle schnell abarbeiten zu können, stand eigens ein Rettungswagen und ein Notarzt zur Verfügung. „Fünf Darstellerinnen und Darsteller haben während der Übung aufgrund von Hitze Kreislaufprobleme wie Schwindel oder ähnliches bekommen, die dann natürlich sofort ambulant durch den Notarzt versorgt werden konnten.“