Einblick in experimentale Fotografie | OWZ zum Sonntag

Veröffentlicht am 12.06.2026 15:39

Einblick in experimentale Fotografie

Woher kommen eigentlich die Bilder, die uns umgeben? Die ab 12. Juli in der Burg Dringenberg gezeigte Ausstellung der Paderborner Gruppe „Fotoprojekt“ zeigt Fotografie als bewusst gestaltendes Medium.

Die Auseinandersetzung mit einem Medium, das allzu oft als selbstverständlicher Teil unserer Alltagskultur kaum noch hinterfragt wird, verfolgt die Ausstellung „Ver-rückte Perspektiven“.

Dabei werden sowohl die alte Technik mit Film und Fotopapier wie digitale Aufnahme- und Bildbearbeitungsverfahren ausgelotet und gestalterisch eingesetzt.

Einmal monatlich samstags trifft sich die Paderborner Gruppe zum Fotografieren und einmal mittwochs abends dann zum Austausch über die Ergebnisse, wobei Klaus Wehner als künstlerischer Leiter Denkanstöße geben kann und neue Ideen aus dem Gespräch entstehen. Ganz gut, wenn die gewohnten Perspektiven dabei mal „ver-rückt“ werden!

Die kleine Gruppe, die sich ausschließlich mit der analogen Schwarz-/Weißfotografie beschäftigt, hat die meist kleineren Formate inzwischen in Handarbeit im Dunkelkammer-Labor entwickelt und vergrößert. Die analoge Fotografie wird auch experimentell eingesetzt, zum Beispiel wird mit selbst gebauten Lochkameras fotografiert.

Tanja Stadtkowski und Karola Brandenburger lassen in Dringenberg mit der Cyanotypie eine der ältesten fotografischen Edeldruckverfahren der Welt wieder aufleben. Dabei entsteht durch die Lösung zweier Salze (Kaliumhexacyanid und Ammoniumeisen(III)citrat) in Wasser zunächst eine lichtempfindliche Emulsion, mit der Aquarellpapier beschichtet wird. Nach dem Auflegen eines Negativs wird dieses unter UV-Licht oder bei intensiver Sonne direkt belichtet. Anschließend wird der Druck ausgewaschen; die vorher abgedeckten Stellen bleiben weiß. Die belichteten Flächen zeigen sich dagegen in einem dunklen Preußisch Blau, weswegen die Technik auch als „Blueprint” bezeichnet wird. Nach dem Trocknen kann der Druck individuell weiter bearbeitet werden. Auch so können Ver-rückte Perspektiven entstehen.

Perspektivwechsel also auch durch die Konfrontation technischer Möglichkeiten – wobei die eigene und besondere Perspektive das Zentrum bildet. Fotografie soll mit dem Fotoprojekt Paderborn das herkömmliche Sehen von der Selbstverständlichkeit des Klischees befreien. Fotografie, sonst Medium der Reproduktion der Wirklichkeit, kann gerade auch das sonst selbstverständlich Wirkliche infrage stellen. Eben mit ver-rückten Perspektiven.

Zur Eröffnung und zum Fotografengespräch sind alle an Kunst und Fotografie Interessierten am Sonntag, 12.Juli, um 11.30 Uhr in den Rittersaal der Burg Dringenberg eingeladen. Im Anschluss wird im Historischen Rathaus Dringenberg „Grafik trifft Montagen“ von Hubertus Bordfeld und Gustavo Amaro eröffnet.

Die Ausstellung in der Burg ist noch bis zum 6. September freitags und samstags von 14 bis 17 Uhr und an Sonn-und Feiertagen von 11 bis 17.30 geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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