Die Gemeinde Boffzen lädt alle Bürgerinnen und Bürger zur Gedenkveranstaltung anlässlich der Reichspogromnacht ein. Sie beginnt am Montag, 9. November 2026, um 18 Uhr am Gedenkstein für Frieda und Hermann Kleeberg vor dem Verwaltungsgebäude der Samtgemeinde Boffzen in der Heinrich-Ohm-Straße 22. Eingeladen sind die Menschen aus der gesamten Samtgemeinde sowie Vertreter der Vereine, Kirchen und kommunalen Gremien.
Im Mittelpunkt steht die Erinnerung an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die einst selbstverständlich zum Leben in Boffzen gehörten und unter der nationalsozialistischen Herrschaft ausgegrenzt, entrechtet, vertrieben und ermordet wurden. Ihr Schicksal wird am Beispiel der Familie Kleeberg besonders greifbar.
Hermann Kleeberg, 1873 in Boffzen geboren, betrieb gemeinsam mit seiner Frau Frieda, geborene Weißenklee, eine Metzgerei mit Viehhandel. Die Familie war fest im Dorf verwurzelt. Hermann gehörte zu den Mitbegründern des Männerturnvereins Boffzen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde dieses Leben Schritt für Schritt zerstört: Das Ehepaar musste sein Geschäft aufgeben, sein Haus verkaufen und Boffzen verlassen. Die beiden zogen zu ihrem Sohn Erich nach Hannover.Am 15. Dezember 1941 wurden Frieda und Hermann Kleeberg gemeinsam mit ihrer Schwiegertochter Martha Kleeberg, geborene Heimbach, in das Ghetto Riga deportiert. Die genauen Umstände ihres Todes sind bis heute nicht bekannt. Ihr Schicksal steht für das Leid jüdischer Familien, deren Lebenswege durch die nationalsozialistische Verfolgung gewaltsam beendet wurden.
Im Jahr 2006 wurde in Absprache mit ihrer Enkelin Ruth Gröne, geborene Kleeberg, die den Holocaust überlebte, der Gedenkstein vor der Gemeindeverwaltung errichtet. Er erinnert an die Familie Kleeberg und an alle jüdischen Mitbürger, die aus Boffzen vertrieben und ermordet wurden.
Die Gedenkrede am 9. November hält Bürgermeisterin Gudrun Rassmann. Die Singgemeinschaft Boffzen - Fürstenberg übernimmt die musikalische Umrahmung. Zum Abschluss spricht Pastorin Bertha Bolte-Wittchen ein Gebet. Anschließend gehen alle Teilnehmenden in Stille auseinander.
Der Gemeinderat hat 2025 einstimmig beschlossen, den 9. November mit einer jährlichen öffentlichen Gedenkveranstaltung als Tag des Erinnerns in Boffzen zu verankern. Das gemeinsame Gedenken soll die Opfer vor dem Vergessen bewahren und zugleich mahnen: Die nationalsozialistischen Verbrechen begannen mit Entrechtung und Ausgrenzung, begleitet von Schweigen und Wegsehen.
Mit ihrer Teilnahme können die Bürgerinnen und Bürger ein sichtbares Zeichen gegen Antisemitismus, Hass und Ausgrenzung setzen – und dafür, dass die Erinnerung an die einstigen jüdischen Nachbarn lebendig bleibt.