Große Träume, große Gefühle – großer Schwindel? | OWZ zum Sonntag

Veröffentlicht am 02.07.2026 10:51

Große Träume, große Gefühle – großer Schwindel?

In Der große Gatsby erlebt der Zuschauer eine schillernde Welt, doch was ist die helle Fassade am Ende wert? (Foto: Marc Otto)
In Der große Gatsby erlebt der Zuschauer eine schillernde Welt, doch was ist die helle Fassade am Ende wert? (Foto: Marc Otto)
In Der große Gatsby erlebt der Zuschauer eine schillernde Welt, doch was ist die helle Fassade am Ende wert? (Foto: Marc Otto)
In Der große Gatsby erlebt der Zuschauer eine schillernde Welt, doch was ist die helle Fassade am Ende wert? (Foto: Marc Otto)
In Der große Gatsby erlebt der Zuschauer eine schillernde Welt, doch was ist die helle Fassade am Ende wert? (Foto: Marc Otto)

Eine Welt aus Pracht und Protz: Die Freilichtbühne Bökendorf reist mit ihrem Erwachsenenstück in die Goldenen Zwanziger und springt über den Großen Teich in die USA. Der große Gatsby lud ein zur Premiere im Hasenholz, in der Schwüle einer Hitzewelle und vor ausverkauften Rängen. Im Publikum fanden sich natürlich auch zahlreiche Vertreter der lokalen Politik und Kultur. So sprach auch der stellvertretende Landrat Werner Dürdot ein Grußwort und würdigte das Tun der Freilichtbühne, nicht zuletzt für den ehrenamtlichen Einsatz, der dieses Stück auf die Bühne brachte.

Während vor kurzem noch das Familienstück „Shrek – das Musical“ in die Welt schräger Märchen führte, lud Der große Gatsby ebenfalls in eine Märchenwelt ein – allerdings voller Risse in der Fassade aus Zuckerguss und Reichtum. Der Zuschauer begleitet nicht den Namensgeber des Stückes, sondern lauscht den erzählerischen Gedanken von Nick Carraway, der wie das Publikum selbst neu ist in der Stadt. Zusammen beobachtet man, wie die Geschichte ihren Lauf nimmt.

Die Darsteller brachten erneut eine erstklassige Premiere auf die Bühne, in authentischen Kostümen und manchmal tanzend zu zeitgenössischer Musik. Auch die Requisite verstand es, diese Welt des schönen Scheins fantasievoll dem Zuschauer darzulegen – so dominierte Gatsbys prachtvolles Heim etwa ein lebensgroßer Kronleuchter. Die Kulisse, nie überladen, fing doch stets genau ein, wo man sich gerade befand – ob in einer Hotel-Suite, in einem italienischen Restaurant oder an einer schmutzigen Tankstelle.

War es nun Komödie? Tragödie? Gerade die erste Hälfte, da dominiert der schöne Schein und spielen sich seltsame Szenen ab, wenn die reiche Oberschicht sich, wie man neudeutsch sagen würde, mit ihren „First World Problems“ befasst und sich eigentlich alles nur um Klatsch, Tratsch und die nächste Party dreht, auf der man den Gastgeber gar nicht unbedingt treffen oder überhaupt kennen muss. Doch je mehr der goldene Putz abblättert, je mehr Einblicke in die Vergangenheit geworfen werden, umso mehr kommen auch die echten Gefühle der Figuren empor und spitzt sich die Lage zu, um dramatisch zu enden.

Die Welt wirkt fremd, überzeichnet. Andererseits, so weit es auch zurückliegt, kann man sich dem Eindruck doch nicht erwehren, dass das Gesehene relevanter ist als je zuvor. Auch in der heutigen Welt findet sich so manche goldene Fassade.

Der Theatersommer hat natürlich gerade erst begonnen. Tickets und Infos zu weiteren Vorstellungen finden sich unter freilichtbuehne-boekendorf.de.

Die Freilichtbühne Bökendorf bringt den großen Gatsby ins Hasenholz. (Foto: Marc Otto)
Die Freilichtbühne Bökendorf bringt den großen Gatsby ins Hasenholz. (Foto: Marc Otto)

Geheimnisvolle Nachbarn, rauschende Partys - und die ganz große Lüge

Zwischen dem großen Geld und Partys, zwischen Traum und Illusion: Die Freilichtbühne Bökendorf wirft im „großen Gatsby” einen Blick unter die zuckrige Oberfläche einer Gesellschaft.
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