Nicht einmal die KI weiß, wie oft der Roman “Der Graf von Monte Christo” schon verfilmt worden ist. Sie schätzt die Zahl auf 40 bis 50 Adaptionen. Die bekannteste ist sicherlich die Fernseh-Verfilmung mit Richard Chamberlain von 1975. Viele erinnern sich auch noch an den Vierteiler von 1999 mit Gérard Depardieu. “Weihnachten vor drei Jahren lief eine Wiederholung und ich dachte, am Fernseher festzukleben”, sagte eine Besucherin. Die Geschichte über zerplatzte Träume, Missgunst, Verrat und Rache übt immer wieder aufs Neue eine besondere Faszination aus.
Jetzt stand der Graf von Monte Christo in einer Adaption des Münchener Theaterlust-Ensembles auf der Bühne der Beverunger Stadthalle und zog rund 500 Besucherinnen und Besucher in den Bann. “Diese Bühnenversion hat mich sogar noch mehr mitgerissen als der neue Kinofilm”, lobte ein Theater-Abonnent. Mit rund 45 Millionen Euro ist diese neueste Verfilmung aus dem letzten Jahr eine der teuersten jemals produzierten französischen Kinofilme überhaupt gewesen. Gleichzeitig ist es die Version, die am ehesten mit der Theaterlust-Bühnenfassung vergleichbar ist.
Natürlich sind Film und Bühne zwei Kunstformen, die nicht wirklich vergleichbar sind. Und doch war das, was dort in Beverungen auf der Bühne stand, von Theaterregisseur Thomas Luft ähnlich schnörkellos und handlungsorientiert in Szene gesetzt wie der opulente Streifen des Filmemacher-Duos Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière. Oder vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass Theaterlust-Hauptdarsteller Johannes Schön (45) dem französischen Kinostar Pierre Niney (36) so unverschämt ähnlich sieht. Was die Inszenierung in Beverungen vor allem auszeichnete war ihr radikales Timing. Beinah wie in einer Ballettproduktion flossen die Szenen in einem geradezu cineastischen Flow ineinander über. Keine Pause bis zur Pause. Geradezu atemlos wurde die Story erzählt, wie ein Buch, das man nicht aus der Hand legt.
Ein dickes Buch. Der Graf von Monte Christo hat ungekürzt als Taschenbuch 1.500 Seiten. 1844 ursprünglich als Fortsetzungsroman in einer Zeitung erschienen, hat sich der Graf von Monte Christo von Alexandre Dumas zu einem regelrechten Nationalheiligtum entwickelt.
Das bekommen weder der Film noch die Bühne wirklich abgedeckt. Trotzdem gelang es der Theaterlust-Inszenierung die Faszination an der Geschichte wachzuhalten. Vor allem auch die treibende Live-Musik von Percussionist Arne Dewitz, die auch das gesamte Ensemble mit einbindet, hat sehr zum Spannungsgefüge der Inszenierung beigetragen. Unbedingt erwähnenswert ist hier auch die Leistung von Ensemblemitglied Oliver Mirwaldt (29), der in diese Inszenierung auch sein Talent als Gitarrist mit eingebracht hat. Mit seinen coolen Americana-Riffs auf der Telecaster bereicherte er die Inszenierung mit einem Sound, den er sich direkt beim Beverunger Orange-Blossom-Musikfestival abgeholt zu haben schien.
Im erneut sehr hochkarätigen Abo-Programm der Kulturgemeinschaft geht es weiter am Donnerstag, 26. März, mit dem von der Kritik hochgelobten Ein-Personen-Drama “Prima Facie” von Suzie Miller. Die vielfach ausgezeichnete TV- und Kinodarstellerin Katharina Schüttler (46), spielt darin eine erfolgreiche Rechtsanwältin, die sich als Missbrauchsopfer in einer ganz anderen Rolle vor Gericht wiederfindet. Für diese Darstellung war Schüttler 2024 der Theaterpreis Hamburg verliehen worden. Auch für dieses Abo-Stück gibt es Karten im freien Verkauf. Weitere Infos und Karten sind im Kulturbüro Beverungen erhältlich und unter Tel. 0 52 73 – 392 223 sowie online (kulturgemeinschaft-beverungen.de).