Mit dem Taxi von Südfrankreich aus bis nach Höxter: Rund 50.000 winzige Glasaale legten eine beeindruckende Strecke zurück, um im Weserbogen bei Corvey und weiteren Stellen in ihre neue Heimat entlassen zu werden. Wobei man sagen muss: Ihr Weg, der sie überhaupt erst bis an die Küste Frankreichs führte, ist auch schon beeindruckend, schließlich kommen sie aus der Sagassosee östlich von Florida. Von dort aus waren sie als Larven rund drei Jahre lang im Golfstrom unterwegs, um es über „den Großen Teich“ zu schaffen.
Der natürliche Weg der Glasaale führt die Tiere über die Nordsee. Dann würden sie die Flüsse hinauf schwimmen. In der Weser jedoch stehen ihnen sieben Staustufen sowie Wasserkraftwerke im Weg. Auch Kormorane fordern ihren Tribut. Selbst ein illegaler Handel mit dem Glasaal an den Küsten Europas macht sich zunehmend bemerkbar. Und so braucht es die Unterstützung seitens der Weserfischereigenossenschaft, will man dem europäischen Aal, einst Brot- und Butterfisch der heimischen Fischer, auch weiterhin begegnen. Die Vertreter mehrerer hiesiger Fischereivereine fanden sich ein, um das „Aal-Taxi“ in Empfang zu nehmen.
Der Glasaal lässt sich nicht nachzüchten, und so wird er mit kleinen Booten und feinen Netzen an der französischen Küste aufgefischt, um in gekühlten Styroporkisten die Reise an die Weser anzutreten. Das Aal-Taxi schafft die Strecke in rund 24 Stunden.
Insgesamt 15,5 kg wimmelnde Glasaale wurden auf der 40 km langen Strecke zwischen Bad Karlshafen und Holzminden freigelassen. Die Besatzmaßnahme, die hauptsächlich aus den Pachtanteilen der Fischereivereine aufgebracht wird, trägt maßgeblich zum Erhalt der bedrohten Fischart bei. Die Kosten liegen bei 5.500 Euro. Das Land NRW beteiligt sich mit einer Förderung von rund 600 Euro. Auch diese Mittel werden von den Anglern finanziert, nämlich über die sogenannte Fischereiabgabe.