20 Jahre Glasmacherdenkmal erinnern an die Glastradition | OWZ zum Sonntag

Veröffentlicht am 08.10.2026 15:12

20 Jahre Glasmacherdenkmal erinnern an die Glastradition

Das Glasmacherdenkmal. (Foto: Doris Dietrich)
Das Glasmacherdenkmal. (Foto: Doris Dietrich)
Das Glasmacherdenkmal. (Foto: Doris Dietrich)
Das Glasmacherdenkmal. (Foto: Doris Dietrich)
Das Glasmacherdenkmal. (Foto: Doris Dietrich)

Seit 20 Jahren sitzt er da – auf seinem Meisterstuhl, mitten in Bad Driburg. Der Glasmacher ist längst zu einem festen Bestandteil des Stadtbildes geworden und erinnert an eine Zeit, in der Feuer, Glas und schwere körperliche Arbeit die Region prägten. Am 14. Oktober 2006 wurde das Denkmal feierlich eingeweiht. Zum 20. Geburtstag im Oktober 2026 lohnt sich deshalb nicht nur ein Blick auf die Geschichte der Figur, sondern auch auf den Künstler, den Bildhauer und Restaurator Raphael J. Strauch.

Glasmacher und Glashütten prägten über Jahrhunderte Bad Driburg und die umliegende Region. Die Glasherstellung war ein wichtiger Wirtschaftszweig und sicherte vielen Menschen Arbeit und Einkommen. Das Denkmal hält die Erinnerung an diese Menschen und ihre schwere Arbeit bis heute im Stadtbild lebendig.

Dargestellt ist ein Glasmachermeister auf seinem Meisterstuhl. Die lebensgroße Figur zeigt ihn in typischer Kleidung: mit aufgeknöpftem Hemd, hochgekrempelten Ärmeln und offenem Schuhwerk – eine verständliche Besonderheit angesichts der großen Hitze in den Glashütten.

Die Idee für das Denkmal entstand bereits 2004. Mitglieder des Stammtisches der Glasmacher und Glasveredler fassten damals den Beschluss, ein Denkmal anfertigen zu lassen. Die Finanzierung wurde zu einer Gemeinschaftsleistung: Innerhalb von nur zweieinhalb Jahren kamen insgesamt 45.000 Euro an Spenden zusammen.

Für die Umsetzung wurde der Bildhauer und Restaurator Raphael J. Strauch aus Helmern, einem Ortsteil von Willebadessen, gewonnen. Gemeinsam wurde über die Gestaltung beraten. Am 14. Oktober 2006 war es dann soweit: Das Glasmacherdenkmal wurde feierlich enthüllt. Heribert Meiners, damals Sprecher des Förderkreises Glasstadt Bad Driburg, zeigte sich damals über die große Unterstützung erfreut und dankte den zahlreichen Unterstützern und Sponsoren.

Ursprünglich stand das Denkmal in der Nähe der Pfarrkirche St. Peter und Paul. Heute befindet es sich vor der Moorerlebniswelt und der Tourist-Information. Von dort weist er in Richtung Glasmuseum in der Schulstraße.

Längst ist der Glasmacher nicht nur ein Erinnerungszeichen, sondern auch ein beliebtes Fotomotiv. Immer wieder wird die Figur passend zur Jahreszeit oder zu besonderen Anlässen „eingekleidet“: Zu Karneval bekommt sie schon einmal eine Karnevalskappe, während sie in der Corona-Zeit mit einer Maske zu sehen war. Im Winter sorgt eine Pudelmütze für ein besonderes Bild.

Auch bei Kindern weckt der Glasmacher Interesse. So manches Kind hat schon versucht, die Werkzeuge des Glasmachers in die Hand zu nehmen. Viel Erfolg hatte dabei allerdings niemand – die Werkzeuge sind fest mit dem Meisterstuhl verbunden und können nicht abgenommen werden.

Zum 20. Jahrestag des Denkmals wurde der Bildhauer in seiner Werkstatt besucht. Raphael J. Strauch gab Einblicke in seine Arbeit und erinnerte sich an die Entstehung des Glasmachers. Seit 1993 befindet sich seine Werkstatt in Helmern. Sein Tätigkeitsfeld reicht von freien künstlerischen Skulpturen und Denkmälern für den öffentlichen Raum bis zu bildhauerischen Rekonstruktionen für die Denkmalpflege. Auch am Wiederaufbau des 19,80 Meter hohen Hochaltars der Marktkirche in Paderborn war er maßgeblich beteiligt. Bekannt ist auch sein „Demonstrationszug der Tiere“ mit signalroten Skulpturen als Erlebnispfad des Zweckverbandes Teutoburger Wald/Eggegebirge.

Beim Besuch in der Werkstatt wurden die Erinnerungen an das Bad Driburger Denkmal wieder lebendig. Die damaligen Initiatoren hatten Strauch nach Siebenstern eingeladen. Gemeinsam wurde über die Gestaltung beraten.

„Für mich ist es nach 20 Jahren eine besondere Freude, dass an das Denkmal und damit auch an meine Arbeit erinnert wird“, äußerte Strauch. „Zum 20. Geburtstag gehört allerdings auch der Blick auf die Zukunft. Das Holz des Glasmacherstuhls und das ganze Denkmal benötigen Pflege. Schließlich soll die Figur noch viele weitere Jahre ihren Platz im Stadtbild behalten.“

Das Denkmal ist Eigentum der Stadt Bad Driburg, die damit auch für die Verkehrssicherheit und Pflege verantwortlich ist. Eine fachgerechte Pflege zum Erhalt des Holzes ist wichtig, damit der Glasmacher auch künftig an die Menschen erinnert, deren Arbeit die Region über Jahrhunderte geprägt hat.

Eine weitere wichtige Adresse der Bad Driburger Glasgeschichte ist das Glasmuseum im Heinz-Koch-Haus in der Schulstraße 7 seit inzwischen 20 Jahren. Ein engagiertes Team und der Vorstand kümmern sich darum, dieses Erbe zu erhalten und Besuchern näherzubringen. Während des diesjährigen Glasstadtfestes im September konnte ein Besucherrekord von 664 Interessierten verzeichnet werden.

So verbindet sich zum 20. Geburtstag des Denkmals die Vergangenheit mit der Gegenwart: Der Glasmachermeister auf seinem Meisterstuhl erinnert mitten in Bad Driburg an die lange Tradition der Glasherstellung. Der Besuch beim Künstler Raphael J. Strauch 20 Jahre nach der Einweihung machte zugleich deutlich, dass hinter dieser Figur nicht nur ein Stück Stadtgeschichte, sondern auch viel handwerkliches Können und ganz persönliche Geschichten stehen.

north