Figurentheater mit Livemusik in Beverungen war berührend | OWZ zum Sonntag

Veröffentlicht am 14.04.2026 21:29

Figurentheater mit Livemusik in Beverungen war berührend

Gero John (li. im Bild) und Sebastian Kautz mit den Partygästen auf der Bühne der Stadthalle Beverungen. (Foto: Kulturgemeinschaft)
Gero John (li. im Bild) und Sebastian Kautz mit den Partygästen auf der Bühne der Stadthalle Beverungen. (Foto: Kulturgemeinschaft)
Gero John (li. im Bild) und Sebastian Kautz mit den Partygästen auf der Bühne der Stadthalle Beverungen. (Foto: Kulturgemeinschaft)
Gero John (li. im Bild) und Sebastian Kautz mit den Partygästen auf der Bühne der Stadthalle Beverungen. (Foto: Kulturgemeinschaft)
Gero John (li. im Bild) und Sebastian Kautz mit den Partygästen auf der Bühne der Stadthalle Beverungen. (Foto: Kulturgemeinschaft)

Kann Figurentheater auch ein erwachsenes Publikum fesseln? Dass dies eindrucksvoll gelingt, bewies die Bühne Cipolla mit Sebastian Kautz (Regie und Puppenspiel) und Gero John (Live-Musik) zum Abo-Saisonabschluss der Kulturgemeinschaft in der Stadthalle Beverungen.
In ihrer zehnten Produktion adaptierten sie ein weniger bekanntes Werk des renommierten Autors Graham Greene („Der dritte Mann“) für die Bühne: „Dr. Fischer aus Genf oder Die Bombenparty“. Im Zentrum steht der Milliardär Dr. Fischer, ein zynischer Menschenverächter, der seinesgleichen zu grotesken Gesellschaftsspielen einlädt. Bei diesen Partys stellt er die Gier seiner Gäste auf immer extremere Proben und belohnt deren Erniedrigung mit kostbaren Geschenken – Demütigung wird dabei zum Prinzip.
Parallel entfaltet sich die zweite Erzählebene um Fischers Tochter Anna, die sich bewusst von ihrem Vater abgrenzt. Sie verliebt sich in den mittellosen Alfred, der zudem körperlich beeinträchtigt ist. Die Liebesgeschichte steht im starken Kontrast zur kalten Welt Fischers. Als Anna und Alfred heiraten wollen, prallen beide Welten aufeinander: Alfred nimmt an einer der berüchtigten Partys teil und widersteht den Versuchungen. Doch ein tragischer Skiunfall reißt Anna aus dem Leben und stürzt Alfred in tiefe Verzweiflung.

Liebe und Drama

Im dramatischen Finale steigert Dr. Fischer sein perfides Spiel: Er verteilt sein Vermögen in Form von Schecks, versteckt in Knallbonbons – mit der Behauptung, eines enthalte eine Bombe. Alfred, der keinen Lebenssinn mehr sieht, versucht verzweifelt, dieses vermeintliche „Todesgeschenk“ zu erhalten. Am Ende zeigt sich jedoch, dass die Bombe nie existierte, während Dr. Fischer selbst den Freitod wählt – getrieben von seiner eigenen Verachtung.
Eine besondere Leistung gelang Sebastian Kautz, der in insgesamt acht Rollen schlüpfte. Als Alfred agierte er selbst auf der Bühne, während er zugleich sieben Halbtorso-Puppen führte. Mit großer Präzision und Ausdruckskraft verlieh er jeder Figur eine eigene Persönlichkeit.
Die Inszenierung überzeugte durch das Wechselspiel der Emotionen: beklemmende Abscheu in den Szenen um Dr. Fischer und berührende Intensität in der Liebesgeschichte. Getragen wurde diese dichte Atmosphäre von der eindringlichen Musik von Gero John am Cello und Keyboard, den ausdrucksstarken Puppen von Melanie Kuhl sowie stimmungsvollen Lichteffekten.
Das Ergebnis war ein geschlossenes, eindrucksvolles Gesamtbild, das das Publikum mit langanhaltendem Applaus honorierte.

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