Mit einem stillen Protest haben Mitarbeitende, Eltern und Kinder der Katholischen Kindertageseinrichtung St. Nikolaus Natzungen ein Zeichen gegen die geplante Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) gesetzt.
Die Mitarbeitenden und Eltern sind angesichts des im Landtag befindlichen Gesetzentwurfes für das überarbeitete Kinderbildungsgesetz (KiBiz) sprachlos. Diese Sprachlosigkeit symbolisierten sie bei einer Protestaktion vor der Sporthalle Natzungen nun durch gemeinsames Schweigen. „Kleine Einrichtungen auf den Dörfern müssen um ihre Existenz bangen. Gerade im Stadtgebiet Borgentreich und im Kreis Höxter gibt es viele Kitas mit nur ein oder zwei Gruppen“, erklärt Simone Kremper, Leiterin der Kindertageseinrichtung in Natzungen.
Nachdem das System der katholischen Kindertageseinrichtungen bisher oft auf laute und kreative Art auf Missstände beim Kinderbildungsgesetz aufmerksam gemacht hat, wird es nun still um die Kitas. Denn der aktuell im Landtag beratende Gesetzentwurf macht die Betroffenen sprachlos. Die Mitarbeitervertretungen und Träger der katholischen Kindertageseinrichtungen im Erzbistum luden daher alle Kita-Teams und Eltern zu einer Beteiligung an einer Kampagnenwoche ein. Bei der Protestaktion in Natzungen erläuterten Simone Kremper und ihr Team, welche Folgen die Reform für die Kindertageseinrichtungen haben könnten. „Mit der KiBiz-Reform wird die Kita als Betreuungseinrichtung gesehen – wir verabschieden uns von der Kita als Bildungseinrichtung für unsere Kinder“, warnt Simone Kremper. Auch die Vorbereitung auf die Schule käme zu kurz. „Wenn die frühkindliche Bildung geschwächt wird, starten Kinder mit schlechteren Voraussetzungen in die Schule – das ist die eigentliche Folge der KiBiz Reform“, erläutert sie weiter.
Die Teilnehmenden der Protestaktion forderten insbesondere:
Gute Bindung statt wechselnden Personals: Das Land will die Öffnungszeiten in „Kernzeiten“ und „Randzeiten“ aufteilen. Das klingt flexibel, bedeutet aber oft: Die Kinder haben über den Tag verteilt ständig wechselnde Ansprechpersonen. Die kath. Kindertageseinrichtungen glauben: Gerade kleine Kinder brauchen feste, vertraute Gesichter, um sich sicher zu fühlen.
Zeit für Gespräche: Durch die neuen Zeit-Regeln befürchten die Träger und Mitarbeitenden, dass weniger Zeit für die wichtigen „Tür-und-Angel-Gespräche“ beim Bringen und Abholen bleibt. Der Austausch mit den Eltern ist aber sehr wichtig für die Entwicklung der Kinder.
Kitas in der Nähe: Das aktuelle Geld-System reicht nicht aus. Besonders kleine Kitas mit nur ein oder zwei Gruppen haben es sehr schwer, zu überleben. Die Kita gem. GmbHs möchten aber, dass die Kitas als Treffpunkt in den Dörfern und Stadtteilen erhalten bleiben.
Bildung statt nur Betreuung: Kita ist für mehr als nur ein Ort, an dem Kinder „aufgehoben“ sind. Die Träger und Mitarbeitenden möchten Kindern Werte vermitteln, sie fördern und ihnen einen guten Start ins Leben ermöglichen. Der neue Gesetzentwurf achtet zu wenig auf diese pädagogische Qualität.
Steigende Preise und die Kitagebäude: Alles wird teurer: Energie und Reparaturen. Die Zuschüsse des Landes halten mit diesen Preissteigerungen nicht Schritt. Das führt dazu, dass das Geld für die Instandhaltung der Gebäude und für die Ausstattung nicht mehr reicht. Die Protestteilnehmenden fordern eine Finanzierung, die die wirklichen Kosten abdeckt, damit die Kitas sichere und schöne Orte bleiben.