Mit dem neuen Projekt „WindMusicLab“ entsteht in Höxter weit mehr als ein weiteres Konzertprojekt. Hinter der Initiative steht die Vision eines Blasmusikzentrums Höxter (BMZ), das Amateurmusik, Bildung, Wissenschaft und kulturelles Engagement dauerhaft miteinander verbinden soll. Das im Mai gestartete Vorhaben markiert einen wichtigen Schritt auf dem Weg von der Idee zur Realität.
Seit Mai probt am Hochschulstandort Höxter der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe ein eigens gegründetes Projektorchester mit rund 35 Musikerinnen und Musikern. Gefördert wird das Vorhaben vom Landesmusikrat Nordrhein-Westfalen mit rund 10.000 Euro. Die Besetzung ist bewusst kompakt angelegt und orientiert sich gezielt am ausgewählten Repertoire: Im Mittelpunkt stehen die beiden Suiten für Blasorchester von Gustav Holst. Die musikalische Leitung übernimmt Björn Zimmermann, während Projektinitiator und Musikinformatiker Dr.-Ing. Stefan Balke die Organisation und wissenschaftliche Begleitung verantwortet.
Der öffentliche Höhepunkt wird das Abschlusskonzert am Samstag, 12. Juli, um 11 Uhr im Mauergarten des Botanischen Gartens Höxter sein. Das dort angelegte Atrium bietet dafür einen besonderen Rahmen. Im Anschluss an das Konzert ist eine kleine wissenschaftliche Ausstellung geplant. Neben Einblicken in die Musikinformatik sind auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Hochschulstandorts Höxter eingeladen, ihre Arbeit vorzustellen. Bei Kaffee und Kuchen sowie Führungen durch den Botanischen Garten soll Raum für Begegnung und Austausch entstehen.
Besonders ist dabei die Verbindung von musikalischer Praxis und aktueller Forschung. Während der Proben wird ein mobiles Projektstudio mit mehr als zwanzig Mikrofonen eingerichtet, um Teile der musikalischen Arbeit aufzuzeichnen. Ziel ist der Aufbau eines umfangreichen Datensatzes für die Musikinformatik.
Die Forschungsarbeiten knüpfen an frühere Projekte von Stefan Balke an, darunter das Projekt „ChoraleBricks“, das gemeinsam mit den AudioLabs der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg entwickelt wurde und primär mit Musikern aus der Region aufgenommen wurde. Nun soll ein ähnlicher Ansatz erstmals auf sinfonische Blasmusik übertragen werden. Die Aufnahmen sollen langfristig neue Erkenntnisse über das Zusammenspiel im Orchester sowie über die Analyse und Verarbeitung geblasener Musik ermöglichen. Unterstützt wird das Projekt dabei maßgeblich von Prof. Dr. Meinard Müller von den AudioLabs Erlangen, einem international renommierten Forscher im Bereich der Musikinformatik.
Für Stefan Balke hat das Vorhaben jedoch nicht nur wissenschaftliche Bedeutung. Gerade in ländlich geprägten Regionen wie dem Kreis Höxter spiele die Amateurmusik eine zentrale Rolle im kulturellen Leben vieler Ortschaften. Sie stärke Gemeinschaft, Ehrenamt und Nachwuchsförderung. Balke kennt diese Strukturen aus eigener Erfahrung: Seit seiner Jugend spielt er Trompete im Weserberglandorchester Bödexen und leitet das Blasorchester seit 2021 als musikalischer Leiter. Mit dem geplanten Blasmusikzentrum Höxter und Projekten wie dem „WindMusicLab“ sollen diese gewachsenen musikalischen Strukturen langfristig gestärkt und zugleich neue Perspektiven eröffnet werden.