Erst der große Applaus im Hörsaal der Universität Bielefeld, dann das Blitzlicht im Fernsehstudio und nun ein gemeinsames Frühstück mit der Schulleitung: Am Berufskolleg Kreis Höxter wurde in diesen Tagen ein Erfolg gefeiert, der weit über die Schule hinausreicht. Das Berufliche Gymnasium mit dem Schwerpunkt Erziehung hat bei der Pädagogik-Olympiade 2026 den ersten Platz in der Kategorie „Spiel und Gaming“ gewonnen – unter mehr als 130 eingereichten Beiträgen.
Beim Empfang im Schulgebäude würdigten Schulleitung, Michael Urhahne, und Abteilungsleitung des Beruflichen Gymnasiums, Gerhard Antoni, gemeinsam mit der betreuenden Lehrkraft des Leistungskurses Erziehungswissenschaften, Jana Löhr, die Leistung der Schülerinnen und Schüler. In lockerer Atmosphäre präsentierten die Jugendlichen ihr Projekt, ebenso wie weitere Wettbewerbsbeiträge, die zwar nicht prämiert wurden, aber ebenfalls Anerkennung erhielten. Lob und Wertschätzung sowie ein Austausch über die Lernkultur am Berufskolleg Kreis Höxter standen im Mittelpunkt.
Ausgezeichnet wurde ein digitaler Escape Room, der zentrale Inhalte der kognitiven Entwicklungstheorie von Jean Piaget spielerisch umsetzt. Vier virtuelle Räume müssen durchlaufen werden, in denen unterschiedliche Aufgabenformate warten: Quizfragen, Zuordnungen, das Ordnen von Entwicklungsstufen oder das Entschlüsseln von Begriffen. Entwickelt wurde das Lernspiel für die gymnasiale Oberstufe, insbesondere für Schülerinnen und Schüler im Fach Pädagogik beziehungsweise Erziehungswissenschaften.
Dass sich die Arbeit gelohnt hat, zeigte sich nicht nur bei der Preisverleihung. Noch am selben Tag stellte die Schülerin Emma Holdreich das Projekt live im Studio des WDR in Bielefeld vor. „Es war ein schönes Gefühl“, sagte sie im Fernsehbeitrag. Die Gruppe habe aber nicht mit diesem Erfolg gerechnet.
Die Pädagogik-Olympiade 2026 stand unter dem Motto „Wie wollen wir lernen?“. Im Mittelpunkt standen Fragen, die derzeit bundesweit diskutiert werden: Wie muss Schule gestaltet sein, damit sie junge Menschen stärkt? Wie können Selbstwirksamkeit, demokratische Beteiligung und Verantwortungsübernahme gefördert werden?
Impulse lieferten renommierte Bildungsforscher wie Klaus Hurrelmann und Ullrich Bauer. Diskutiert wurde unter anderem, wie Schule als Raum „produktiver Realitätsverarbeitung“ funktionieren kann, gerade vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Krisen, Digitalisierung und wachsender Anforderungen an junge Menschen.
Dass ein Schülerteam aus einem Berufskolleg diesen Diskurs mit einem praxisnahen, digitalen Format bereichert, passt in den aktuellen bildungspolitischen Kontext. Auch am Berufskolleg Kreis Höxter spielt das Thema Lernkultur eine zentrale Rolle. Offen mit Glaswänden gestaltete Lernräume wie das schuleigene „DigiLab“ stehen exemplarisch für den Anspruch, Unterricht nicht nur als Wissensvermittlung, sondern als gestaltbaren Prozess zu verstehen.
Der aktuelle Sieg setzt eine bemerkenswerte Reihe fort: Bereits 2024 erreichte eine Schülerin den zweiten Platz im musisch-ästhetischen Bereich, 2025 folgte ein weiterer zweiter Platz in der Kategorie „Podcast + Print“. Mit dem ersten Platz 2026 gelingt nun der bislang größte Erfolg. Hinter den Erfolgen steht mit Jana Löhr eine Lehrkraft, die bei den Jugendlichen Begeisterung für Pädagogik und forschendes Lernen weckt.
Für die Schülerinnen und Schüler dürfte neben der Auszeichnung vor allem eine Erfahrung bleiben: Pädagogische Theorien sind kein abstrakter Stoff für Klausuren, sondern können in kreative, wirksame Formate übersetzt werden.
Das gemeinsame Frühstück machte deutlich, dass dieser Einsatz gesehen wird – und dass die Frage „Wie wir lernen wollen“ am Berufskolleg nicht nur diskutiert, sondern praktisch beantwortet wird.