Es war ein Moment voller Würde, Geschichte und tiefer Verbundenheit zur Heimat: In der Aula des Kreishauses verlieh Landrat Michael Stickeln in einem feierlichen Festakt zu Beginn der Kreistagssitzung das Verdienstwappen des Kreises Höxter in Gold an den aus Herstelle stammenden Journalisten, Schriftsteller, Chronisten und Literaten Hermann Multhaupt. Als einen „erstklassigen Botschafter unserer Region und unseres Heimatkreises“, bezeichnete Michael Stickeln den rüstigen 88-Jährigen in seiner Laudatio.
„Nach der Ehrenordnung des Kreises würdigt die hohe Auszeichnung langjährige herausragende Leistungen und Verdienste im gemeinnützigen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich“, berichtete der Landrat. „Das Verdienstwappen in Gold ist die höchste Auszeichnung, die der Kreis Höxter zu vergeben hat – in der Geschichte unseres Kreises wird diese Ehre erst zum fünften Mal vergeben.“
Obwohl Hermann Multhaupt gemeinsam mit seiner Ehefrau Traute bereits seit Jahrzehnten in Paderborn lebt, ist seine Verbindung zu seinem Geburtsort Herstelle niemals abgerissen. „Wer einmal den Blick von der Burg oder dem Kloster Herstelle über das wunderschöne Weserdorf schweifen ließ, der wird erahnen können, warum Herstelle für Hermann Multhaupt immer eine große und weitreichende Bedeutung hatte“, hob Michael Stickeln in seiner Laudatio hervor.
Von seinen beruflichen Anfängen im Süden und Südwesten Deutschlands, in denen der junge Journalist aus dem Weserbergland Größen wie Konrad Adenauer und Franz Josef Strauß begleitete, bis hin zu seiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Chefredakteur des Bistumsmagazins „Der Dom“ und Redaktionsmitglied der Heimatzeitschrift „Die Warte“ – der Hersteller blieb seinen Wurzeln stets treu.
1937 in Beverungen geboren, waren die Kindheit und Jugendjahre von Hermann Multhaupt in seinem Heimatdorf Herstelle von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs und später der Nachkriegszeit gekennzeichnet.
Viele diese Erinnerungen finden auch in einigen Werken seiner bisher 83 veröffentlichten Bücher Berücksichtigung. In diesen stellt der Schriftsteller und Autor Hermann Multhaupt das kulturelle Gut der Region, aber auch Eindrücke, die er auf seinen Weltreisen gemacht hat, eindrucksvoll heraus. Ob Biografien über Luise Hensel und Annette von Droste-Hülshoff oder seine Reisetagebücher aus Südamerika: „Heimatliebe mit Weltoffenheit spiegeln sich in den Werken von Hermann Multhaupt wider“, stellte Michael Stickeln in seiner Rede heraus.
Ein besonderer Meilenstein war seine Wiederentdeckung der irischen Segenswünsche, die mit einer Auflage von über 500.000 Exemplaren sogar die persönliche Anerkennung der ehemaligen irischen Präsidentin Mary McAleese fanden.
„Ihre journalistische und schriftstellerische Schreib- und Schaffenskraft, ihre Kreativität und ihr schier unendlich erscheinender Wille treiben Sie immer wieder zu außergewöhnlichen Werken an“, beschrieb Michael Stickeln den Geehrten. Der besondere Dank des Landrats galt dabei Ehefrau Traute Multhaupt, die seit 63 Jahren der verlässliche Rückhalt an der Seite Hermann Multhaupts ist.
Festlich umrahmt vom Kinder-Streichensemble der Musikschule Höxter unter Leitung von Musikschulleiterin Klaudia Knapp, fand der Festakt einen weiteren emotionalen Höhepunkt in der Dankesrede des neuen Verdienstwappenträgers. Hermann Multhaupt bewies dabei seinen feinen Humor und seine tiefe Bescheidenheit. Der Journalist und Schriftsteller griff ein berühmtes Bonmot von Theodor Heuss auf und zeigte damit, wie gerührt er war: „Ich bin zutiefst ‚erschüddert‘.“ Diesen Satz, berichtete der Geehrte, habe unser erster Bundespräsident bei stimmungsvollen Ereignissen immer wieder gern gesagt.
„Diese Auszeichnung ist eine besondere Wertschätzung, für die ich sehr dankbar bin.“
Hermann Multhaupt erinnerte in seiner Rede an die „historischen Gaben“ des Kreises Höxter und schilderte bewegende Kindheitserinnerungen aus den Kriegsjahren in Herstelle, die ihn bis heute antreiben, die Geschichte für kommende Generationen lebendig zu halten.
Mit stehenden Ovationen bedachten die Mitglieder des Kreistags und die zahlreichen Gäste, unter ihnen auch der erste Metropolit der koptisch-orthodoxen Kirche Deutschlands, Bischof Anba Damian, den neuen Träger des Verdienstwappens in Gold des Kreises Höxter.
„Es war ein wunderbarer Festakt. Die Würdigung mit dem Verdienstwappen des Kreises Höxter bedeutet mir sehr viel. Ich bin unendlich dankbar“, sagte Hermann Multhaupt beim anschließenden Sektempfang im Foyer vor der Aula des Kreishauses.