Gute Nachrichten für die berufliche Bildung im Kreis Höxter: Die nordrhein-westfälische Schulministerin Dorothee Feller hat jetzt den Weg für eine fünfjährige Erprobung zur weiteren Flexibilisierung der Mindestklassengrößen in dualen Ausbildungsgängen an den Berufskollegs des Kreises Höxter freigemacht. „Diese Entscheidung ist ein wichtiger Schritt zur Sicherung der wohnortnahen Fachkräfteausbildung und ein starkes Signal für unseren mittelständisch geprägten Wirtschaftsstandort“, begrüßte Landrat Michael Stickeln die Genehmigung der Ministerin.
Aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte steht der ländliche Raum vor besonderen Herausforderungen, begründet das NRW-Schulministerium den Auftakt einer zunächst fünfjährigen „Laborphase” im Kreis Höxter. Schulministerin Feller verspricht sich davon neue Erkenntnisse zur nachhaltigen Entwicklung auch in anderen Regionen. Hierfür wird gemeinsam mit dem Ministerium ein innovatives Konzept zur Einrichtung und Sicherung von Fachklassen entwickelt und erprobt, das den Erfordernissen ländlicher Regionen stärker Rechnung tragen soll. „Damit leisten wir in enger Abstimmung mit dem Schulministerium Pionierarbeit für die Sicherung der wohnortnahen Beschulung von Auszubildenden im dualen System im ländlichen Raum“, so Landrat Stickeln.
Derzeit gelten in Nordrhein-Westfalen Mindestgrößen für den Erhalt von Fachklassen im dualen Ausbildungssystem. Wird der Mindestwert von 16 Schülerinnen und Schülern drei Jahre hintereinander unterschritten, droht der Fachklasse am Berufskolleg und damit der wohnortnahen Beschulung von Auszubildenden das Aus. „Aufgrund der veränderten Bevölkerungsstruktur sind deshalb schon heute wichtige Ausbildungsberufe gefährdet. Dazu gehören zum Beispiel das Maurer- und Friseurhandwerk sowie zahnmedizinische Fachangestellte“, erklärte der Schulleiter des Berufskollegs Kreis Höxter, Michael Urhahne.
Die hohen Hürden bei der Neueinrichtung von dualen Bildungsgängen, insbesondere die geforderte Mindestzahl von 22 Schülerinnen und Schülern, erschweren eine Weiterentwicklung der beruflichen Bildung, die an den wirtschaftlichen Bedarfen ausgerichtet ist, erheblich. „Unter diesen Voraussetzungen ist eine flexible und passgenaue berufliche Bildung in unserer ländlichen Region kaum noch realisierbar“, betonte Urhahne.
Trotz der hohen Ausbildungsbereitschaft der heimischen Unternehmen seien die absoluten Zahlen an Auszubildenden in einzelnen Berufen in ländlichen Regionen oft zu gering, um die Vorgaben des Landes zu erfüllen. Die Folge: Bildungsgänge vor Ort stehen auf dem Spiel, obwohl der Bedarf vorhanden ist.
„Landesweite Regelungen wirken aus strukturellen Gründen in Ballungsgebieten häufig anders als im ländlichen Raum. Das kann zu Benachteiligungen der regionalen Entwicklungschancen führen“, sagte Landrat Stickeln. Deshalb hat er sich gemeinsam mit den Schulleitungen der kreiseigenen Berufskollegs, Vertretern der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg und der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Höxter in Düsseldorf für innovative Wege eingesetzt, die bisher starren Vorgaben flexibel an die Gegebenheiten vor Ort anpassen zu können.
„Die geographische Lage des Kreises Höxter im Dreiländereck stellt uns im Bereich der beruflichen Bildung durch die unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen und die differenzierten Strategien der jeweiligen Landesregierungen vor zusätzliche Herausforderungen. Der jetzt vom Land NRW genehmigte fünfjährige Laborversuch verschafft uns Möglichkeiten, zu einer besseren Abstimmung im Sinne der beruflichen Bildung für junge Fachkräfte und der regional ausbildenden Unternehmen“, erläutert der Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Höxter, Michael Stolte. Die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung wird die Prozessmoderation zwischen den Akteuren aus dem Kreis Höxter und dem Ministerium übernehmen.
Landrat Michael Stickeln dankte der Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen für die Genehmigung der Erprobung neuer Wege zur Fachkräftesicherung. „Die flexibleren Regelungen geben uns die Chance, auch hier im ländlichen Raum weiterhin vielfältige Ausbildungen zu ermöglichen“, so Stickeln. „Damit sichern wir nicht nur wohnortnahe Ausbildungsmöglichkeiten, sondern auch die Zukunft unserer Betriebe. Wer Fachkräfte halten will, muss Ausbildung vor Ort ermöglichen – und genau dafür schaffen wir jetzt die richtigen Rahmenbedingungen.“