Seit 50 Jahren steht die Klinik für Orthopädie am St. Vincenz Hospital der KHWE in Brakel für die Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparates. Aus den Anfängen vor einem halben Jahrhundert hat sich eine hoch spezialisierte Fachklinik im Kreis Höxter entwickelt, die heute als Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung zertifiziert ist und zu den größten Zentren für Gelenkersatz in der Region zählt.
Dieses besondere Jubiläum stand im Mittelpunkt der 47. Brakeler Fortbildungstagung für Orthopädie im Gräflichen Park Health & Balance Resort in Bad Driburg.
In fünf Jahrzehnten haben medizinischer Fortschritt, neue Operationsverfahren und die zunehmende Spezialisierung die Behandlungsmöglichkeiten grundlegend verändert. „Geblieben ist der Anspruch, Patienten eine qualitativ hochwertige und individuell auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Versorgung zu bieten“, sagt der Chefarzt der Klinik, Dr. Dragan Jeremić.
Eine besondere Bedeutung hat heute die Endoprothetik. Allein im vergangenen Jahr wurden am St. Vincenz Hospital fast 1700 Gelenkimplantationen vorgenommen – so viele wie in keinem anderen Krankenhaus in Ostwestfalen-Lippe. Rund 770 Patienten erhielten ein künstliches Hüftgelenk, mehr als 800 einen vollständigen oder teilweisen Kniegelenkersatz. Die Patienten kommen dabei nicht nur aus der Region, sondern auch aus anderen Teilen Nordrhein-Westfalens sowie aus Niedersachsen und Hessen.
Die Klinik ist als Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung zertifiziert. Neben der erstmaligen Versorgung mit einem künstlichen Gelenk gehören deshalb auch besonders anspruchsvolle Eingriffe zum Leistungsspektrum. Dazu zählen Wechseloperationen, bei denen bereits implantierte Gelenkprothesen ganz oder teilweise ersetzt werden müssen. „Nach den Vorgaben des Landeskrankenhausplans gehören wir zu den wenigen Standorten in der Region, die Revisionseingriffe machen dürfen“, so Dr. Jeremić und betont: „50 Jahre Orthopädie in Brakel stehen für eine kontinuierliche medizinische Weiterentwicklung. Operationsverfahren und Implantate haben sich in dieser Zeit enorm verändert. Entscheidend ist für uns, diese Möglichkeiten so einzusetzen, dass jeder Patient die für ihn bestmögliche Versorgung erhält.“
Wie eng langjährige Erfahrung und medizinischer Fortschritt miteinander verbunden sind, zeigt ein weiteres Jubiläum: Seit 20 Jahren setzt die Klinik bei Hüftoperationen auf die AMIS-Methode (Anterior Minimally Invasive Surgery). Bei diesem minimalinvasiven Zugang wird das künstliche Hüftgelenk über einen kleinen Schnitt eingesetzt, ohne Muskeln und Sehnen zu durchtrennen. Dadurch können Patienten früher mobilisiert werden und schneller in ihren Alltag zurückkehren. Die langjährige Erfahrung mit diesem Verfahren ist heute ein fester Bestandteil des orthopädischen Profils in Brakel.
Auch darüber hinaus hat sich die Versorgung stetig weiterentwickelt. Bei geeigneten Patienten können beispielsweise am Knie Teilprothesen eingesetzt werden, sodass möglichst viel gesundes Gewebe erhalten bleibt. Gleichzeitig gewinnt mit der wachsenden Zahl eingesetzter künstlicher Gelenke die komplexe Revisionschirurgie an Bedeutung. Sämtliche Eingriffe und verwendeten Prothesen werden an das Endoprothesenregister und das Implantatregister gemeldet und ermöglichen damit eine kontinuierliche Qualitätskontrolle.
Die 47. Brakeler Fortbildungstagung greift die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte unter dem Leitthema „Via recta brevissima – Der direkte Weg ist der kürzeste“ auf. Ärzte und weitere Fachkräfte kamen in Bad Driburg zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen und bewährte Behandlungskonzepte in der Endoprothetik auszutauschen. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf den Erfahrungen aus 20 Jahren AMIS in Brakel. Renommierte Referenten aus ganz Deutschland beleuchteten aktuelle Erkenntnisse und diskutierten die Weiterentwicklung möglichst schonender Operations- und Behandlungskonzepte.
Dabei wurde zugleich deutlich, dass moderne Endoprothetik weit mehr umfasst als den eigentlichen Eingriff. Eine sorgfältige Vorbereitung, standardisierte Behandlungsabläufe, eine individuell abgestimmte Schmerztherapie sowie eine früh einsetzende Mobilisation und Rehabilitation tragen wesentlich zum Behandlungserfolg bei. Dafür arbeiten Ärzte, Pflege, Anästhesie und Therapie eng zusammen.
„Die Brakeler Fortbildungstagung gehört seit Jahrzehnten zu unserer Klinik und steht für den fachlichen Austausch, der für medizinische Weiterentwicklung unverzichtbar ist“, sagt Dr. Jeremić. „Dass wir in diesem Jahr gleichzeitig auf 50 Jahre Orthopädie und 20 Jahre AMIS in Brakel zurückblicken können, zeigt, wie sehr Erfahrung und Innovation zusammengehören. Darauf wollen wir auch in Zukunft aufbauen – mit hoher medizinischer Qualität und mit dem Ziel, unseren Patienten möglichst schnell wieder Mobilität und Lebensqualität zu ermöglichen.“