Es war ein kraftvolles Manifest für die Unantastbarkeit der Menschenwürde: Mit einer beeindruckenden Auftaktveranstaltung am Gymnasium St. Kaspar in Neuenheerse ist der Kreis Höxter in die Internationalen Wochen gegen Rassismus (IWgR) gestartet. Unter dem zentralen Motto „100% Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus“ haben alle Mitwirkenden gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums St. Kaspar starke Signale ausgesendet. Die Botschaften weckten die Vorfreude auf 50 weitere Veranstaltungen und Aktionen im Rahmen der IWgR bis Sonntag, 29. März.
Im Mittelpunkt standen drei Schülerinnen, die mit ihrer Art der Moderation das Publikum in ihren Bann zogen: Annie Johlen, Greta Stein und Mia Fritsche aus der Jahrgangsstufe 9. In ihren markanten rosafarbenen Outfits der IWgR-Aktion „#PinkGegenRassismus“ führten die drei Moderatorinnen nicht nur charmant durch das Programm, sondern bewiesen ganz viel Herz und Haltung.
„Wir freuen uns, die Aktionswochen im Kreis Höxter an unserer Schule eröffnen zu dürfen. Damit können wir den Blick auf das legen, was am Gymnasium St. Kaspar jeden Tag gelebt wird“, betonten die Schülerinnen stolz. Die Neuenheerser Schule, die bereits seit 2013 den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ trägt, bewies mit der Auftaktveranstaltung eindrucksvoll, dass diese Auszeichnung kein bloßes Schild an der Wand ist, sondern ein gelebtes Werte-Fundament.
Stellvertretender Landrat Werner Dürdoth, der zu Beginn der Auftaktveranstaltung die herzlichen Grüße des terminlich verhinderten Landrats Michael Stickeln überbrachte, sagte: „Extremisten versuchen, unsere Gesellschaft zu spalten. Wir brauchen Menschen, die hinsehen und dafür sorgen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Unsere jungen Menschen wachsen aktuell in einer sehr schnelllebigen Zeit auf, in der auf sie gerade durch soziale Medien eine Flut von Informationen einprasselt, die sehr oft leider auch die Menschenwürde verletzt.“ Unsere Gesellschaft müsse auf den Fundamenten unseres Grundgesetztes stehen, welche die Menschenwürde und Menschenrechte achten.
Der Botschafter der Aktionswochen, der heimische Landtagsabgeordnete Matthias Goeken, stellte heraus: „Das diesjährige Motto ‚100 Prozent Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus‘ macht deutlich, was der Kern unseres Zusammenlebens sein sollte. Der Begriff Menschenwürde steht für ein gutes Miteinander, für Respekt, Toleranz und Rücksichtnahme. Von grundlosem Hass getrieben, werden Menschen physisch und psychisch verletzt. Dieser Hass und dieses intolerante Verhalten dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben.“
Ein respektvolles Miteinander müsse vorgelebt werden, damit spätere Generationen dies verstünden und jeden Tag gegen Ungerechtigkeiten angehen könnten. Der Bad Driburger, der den Kreis Höxter seit 2017 im Landtag in Düsseldorf vertritt, lobte die Schülerinnen und Schüler des heimischen Gymnasiums, dass sie sich so deutlich und geschlossen positionieren.
In ihrer Rede mahnte Schulleiterin Christin Johlen zu einer neuen Sensibilität: „Rassismus beginnt selten mit großen Parolen. Er beginnt ganz leise – im Alltag. Manchmal sind es ganz kleine Situationen: Ein Kommentar, der jemand verletzt. Ein Lachen, bei dem nicht alle mitlachen können. Oder der Moment, in dem jemand merkt, dass er oder sie gerade nicht dazugehört. Gerade in solchen Momenten entscheidet sich, wie wir miteinander umgehen. Engagement gegen Rassismus entsteht nicht durch Verordnungen von oben – es entsteht dort, wo junge Menschen aktiv Verantwortung übernehmen.“
Ein wichtiger Teil dieses Engagements sei die AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ am Gymnasium St. Kaspar. „In dieser AG wird nicht nur über Werte gesprochen. Hier wird ganz praktisch überlegt, was wir im Schulalllag tun können. Wie gehen wir miteinander um? Wie reagieren wir, wenn jemand ausgegrenzt wird? Und wie sorgen wir dafür, dass sich alle willkommen fühlen? Genau solche Fragen bewegen die Schülerinnen und Schüler, die sich hier engagieren“, betonte Christin Johlen.
Bad Driburgs Bürgermeister Tobias Tölle stellte die Einsatzfreude der Neuenheerser Gymnasiasten heraus und hob hervor. „Wichtig ist, dass wir als Gesellschaft dem Rassismus entgegentreten und nicht auf verdrehte Gedanken aus vergangenen Tagen hören.“
Der Ehrengast und Historiker Norbert Ellermannm von der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933 bis 1945 schlug die Brücke zur Geschichte und antwortete auf eine entsprechende Frage der drei Moderatorinnen: „Das Böse beginnt im Kopf, und darum muss man es dort bekämpfen. Gerade an Orten mit dunkler Vergangenheit müssen wir heute für eine Atmosphäre der Würde sorgen.“
Die Schulband des Gymnasiums St. Kaspar wartete mit einem eigens komponierten und eindringlichen Rocksong auf. Unter dem Refrain “Nichts ist egal“ machten die jungen Musiker in „bester Linkin-Park-Manier“ deutlich, dass Schweigen oft eine Form der Zustimmung ist. Die Bläser AG des Neuenheerser Gymnasiums wiederum verlieh dem Vormittag zudem einen besonders feierlichen Rahmen.
Die Auftaktveranstaltung war der Startschuss für einen zweiwöchigen Aktionsmarathon. Seit dem 16. März bis zum 29. März finden im gesamten Kreisgebiet mehr als 50 Workshops, Lesungen, Sportaktionen und Ausstellungen statt, die vom Kommunalen Integrationszentrum (KI) des Kreises Höxter koordiniert werden. Zahlreiche Kooperationspartner haben sich an dem Mammutprogramm beteiligt.
„Das Engagement der Menschen in unserem Heimatkreis mit den zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus ist beeindruckend“, stellt Dominic Gehle, Leiter der Abteilung Bildung und Integration beim Kreis Höxter, heraus.
„Alle Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, an den kommenden Veranstaltungen teilzunehmen und gemeinsam Flagge zu zeigen“, freut sich Filiz Elüstü, Teamleiterin des Kommunalen Integrationszentrums, auf eine entsprechend große Resonanz.
Alle Termine der Internationalen Wochen gegen Rassismus gibt es online unter: https://integration.kreis-hoexter.de.