Neue Horizonte - Schüleraustausch Estland | OWZ zum Sonntag

Veröffentlicht am 29.01.2026 13:31

Neue Horizonte - Schüleraustausch Estland

Mit Freunden die Welt entdecken. (Foto: Robin Günzel)
Mit Freunden die Welt entdecken. (Foto: Robin Günzel)
Mit Freunden die Welt entdecken. (Foto: Robin Günzel)
Mit Freunden die Welt entdecken. (Foto: Robin Günzel)
Mit Freunden die Welt entdecken. (Foto: Robin Günzel)

Im Rahmen eines Austauschprogramms erlebte der 17-jährige Robin Günzel spannende Monate in Estland. Vor kurzem berichtete er in der Stadtbücherei Bad Driburg über seine Eindrücke. Rund 30 interessierte Gäste, darunter Familie und Freunde, folgten seinem Vortrag.

Bücherei-Leiterin Silke Kampmann-Pitz begrüßte die Anwesenden. Sie freute sich, dass Robin über seinen Aufenthalt in Estland spricht. Viele junge Leute zieht es zum Schüleraustausch in die klassischen Länder wie die USA oder Australien. Mit Estland hat Robin ein interessantes europäisches Land gefunden.

Wolfgang Hentschel als ein Vertreter von „Pulse of Europe“ leitete den Nachmittag ein. 2016 wurde diese überparteiliche Bürgerinitiative gegründet, die sich seitdem für ein geeintes und demokratisches Europa einsetzt.

Danach stellte sich Robin Günzel kurz vor: „Ich bin Schüler der Gesamtschule Bad Driburg und lerne zurzeit in der 11. Klasse.“ Zu seinem Vortrag hatte er eine umfangreiche Präsentation erarbeitet. Damit gestaltete er seinen Bericht anschaulich, lebendig und gut nachvollziehbar. Stolz trug er dabei ein T-Shirt mit der Aufschrift „Experiment“, dem Namen seiner Austauschorganisation.

Estland ist das nördlichste der drei baltischen Staaten. Das Land ist seit 2004 Mitglied der Europäischen Union. Robin zeigte sich besonders beeindruckt vom hohen Stand der Digitalisierung und dem Nationalstolz der Esten.

Er berichtete über den Ablauf seines Austauschjahres. Dazu gehörten die Bewerbung, ein Vorbereitungsseminar und der Start im August 2024. Der Unterricht dort fand überwiegend auf Estnisch statt. Die Sprache sei nicht einfach, erklärte Robin. Es gebe kein grammatisches Geschlecht, dafür aber 14 grammatische Fälle und einige andere Buchstaben.

Zu Beginn seines Jahres nahm Robin an einem dreitägigen Ankunftscamp teil. Dort lernte er die anderen Austauschschüler kennen, die u.a. aus Taiwan, Italien, Japan und Australien kamen. Das Schuljahr beginnt traditionell am 1. September. Am ersten und letzten Schultag erhalten die Lehrer Blumen von ihren Schülern; sie werden sehr geachtet und geehrt.

Im Gegensatz zu Deutschland war das Klima herausfordernd. Im Winter lagen die Temperaturen zwischen minus 15 und minus 24 Grad.

Die Gastfamilie wohnte in Kadrina, einem Ort mit rund 4000 Einwohnern. Hier ging er auch zur Schule. Das Leben in der Gastfamilie brachte viel Erfahrung und Freude. „Wir sprachen estnisch und ich lernte viel über das Leben im fremden Land. Mit meiner Gastfamilie stehe ich auch noch heute im Austausch“, berichtete er.

Der Unterricht erfolgte überwiegend frontal – im Unterschied zum deutschen Schulsystem. Dennoch war der Unterricht abwechslungsreich, so durch sportliche Angebote wie Basketball, Fußball oder Skifahren. Langlauf ist im Winter sehr beliebt.

Einige Zuhörer staunten, als Robin vom estnischen Notensystem erzählte. Es unterscheidet sich vom deutschen, denn die beste Note ist die Fünf, die schlechteste Note die Eins. Es gibt zwölf Klassenstufen. Nach der 9. Klasse ist ein Schulabschluss möglich.

Robin berichtete anschaulich von zahlreichen Ausflügen. Diese führten ihn u.a. in die Hauptstadt Tallinn. „Meine Lieblingsstadt ist Haapsalu. Ich erinnere mich an ein kurzes aber eindrucksvolles Feuerwerk zum Jahreswechsel.“ Rummu ist ein ehemaliger Kalksteinbruch, in dem sich nach der Schließung eines Gefängnisses ein See bildete, der heute für sein kristallklares Wasser und die überfluteten Gefängnisruinen bekannt ist. Ein weiteres Highlight war das Mukri-Hochmoor, das auf Holzstegen durchquert wird. Narva, die Grenzstadt zwischen Estland und Russland, hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Hier verläuft die Außengrenze der EU. Höhepunkte waren die Ausflüge nach Helsinki, Riga und Stockholm, die die Austauschorganisation veranstaltete.

Für eine Überraschung sorgte eine Besucherin der Veranstaltung, als sie Robin etwas auf Estnisch fragte. „Ich komme aus Viljandi in Estland und bin seit 2003 in Deutschland - der Liebe wegen“, erzählte Raina. Heute wohnt sie in Nieheim und freute sich sehr, dass der Vortag viele Erinnerungen an ihre Heimat weckte.

Zum Abschluss berichtete Robin, was sich für ihn durch das Austauschjahr verändert hat. Seine Sicht auf die Welt habe sich erweitert. Er denke nun anders über seinen Berufswunsch nach. Außerdem habe er große Freude am Reisen entdeckt. „Ich bin vor kurzem nach Japan geflogen, um Freunde aus meiner Austauschzeit wiederzutreffen.“

Robin zeigte anschaulich, wie Jugendliche neue Horizonte erobern und Freundschaften auf der ganzen Welt knüpfen.

Imeline aeg Eestis – eine wunderbare Zeit in Estland.

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