Neue Lebensräume für seltene Amphibien | OWZ zum Sonntag

Veröffentlicht am 15.09.2026 09:42

Neue Lebensräume für seltene Amphibien

Über den Baustart des Projekts „Lebendige Auen im Kreis Höxter“ freuen sich: (v. l.) Landrat Michael Stickeln, Frank Grawe (Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V.), Diego Krämer (Kreis Höxter), Christian Langner (Bezirksregierung Detmold), Dr. Peter Maciej (Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V.), Dr. Kathrin Weiß (Fachbereichsleitung Umwelt, Bauen und Geoinformationen), Dr. Tanja Haus-Maciej (Kreis Höxter), Richard Diedrich (RD Tiefbau und Abbruch GmbH & Co. KG), Arne Füsers (Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V.). (Foto: Kreis Höxter)
Über den Baustart des Projekts „Lebendige Auen im Kreis Höxter“ freuen sich: (v. l.) Landrat Michael Stickeln, Frank Grawe (Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V.), Diego Krämer (Kreis Höxter), Christian Langner (Bezirksregierung Detmold), Dr. Peter Maciej (Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V.), Dr. Kathrin Weiß (Fachbereichsleitung Umwelt, Bauen und Geoinformationen), Dr. Tanja Haus-Maciej (Kreis Höxter), Richard Diedrich (RD Tiefbau und Abbruch GmbH & Co. KG), Arne Füsers (Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V.). (Foto: Kreis Höxter)
Über den Baustart des Projekts „Lebendige Auen im Kreis Höxter“ freuen sich: (v. l.) Landrat Michael Stickeln, Frank Grawe (Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V.), Diego Krämer (Kreis Höxter), Christian Langner (Bezirksregierung Detmold), Dr. Peter Maciej (Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V.), Dr. Kathrin Weiß (Fachbereichsleitung Umwelt, Bauen und Geoinformationen), Dr. Tanja Haus-Maciej (Kreis Höxter), Richard Diedrich (RD Tiefbau und Abbruch GmbH & Co. KG), Arne Füsers (Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V.). (Foto: Kreis Höxter)
Über den Baustart des Projekts „Lebendige Auen im Kreis Höxter“ freuen sich: (v. l.) Landrat Michael Stickeln, Frank Grawe (Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V.), Diego Krämer (Kreis Höxter), Christian Langner (Bezirksregierung Detmold), Dr. Peter Maciej (Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V.), Dr. Kathrin Weiß (Fachbereichsleitung Umwelt, Bauen und Geoinformationen), Dr. Tanja Haus-Maciej (Kreis Höxter), Richard Diedrich (RD Tiefbau und Abbruch GmbH & Co. KG), Arne Füsers (Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V.). (Foto: Kreis Höxter)
Über den Baustart des Projekts „Lebendige Auen im Kreis Höxter“ freuen sich: (v. l.) Landrat Michael Stickeln, Frank Grawe (Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V.), Diego Krämer (Kreis Höxter), Christian Langner (Bezirksregierung Detmold), Dr. Peter Maciej (Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V.), Dr. Kathrin Weiß (Fachbereichsleitung Umwelt, Bauen und Geoinformationen), Dr. Tanja Haus-Maciej (Kreis Höxter), Richard Diedrich (RD Tiefbau und Abbruch GmbH & Co. KG), Arne Füsers (Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V.). (Foto: Kreis Höxter)

Mit dem offiziellen Baustart an der Nethe zwischen Godelheim und Amelunxen beginnt die Umsetzung des Projektes „Lebendige Auen im Kreis Höxter“ jetzt sichtbar vor Ort. Der Kreis Höxter und die Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V. stellen damit wertvolle Auen- und Feuchtlebensräume im gesamten Kreisgebiet wieder her, vernetzen sie miteinander und sichern sie langfristig. Das Projekt wird im Rahmen des EFRE-Programms „Grüne Infrastruktur“ mit Fördermitteln des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union finanziert. Für die Umsetzung stehen knapp fünf Millionen Euro zur Verfügung. Die entsprechenden Förderbescheide waren im Februar 2026 durch Umweltminister Oliver Krischer überreicht worden.

„Mit dem Projekt ‚Lebendige Auen‘ investieren wir nicht nur in den Schutz seltener Tier- und Pflanzenarten, sondern gleichzeitig in die Zukunft unserer heimischen Landschaft“, betonte Landrat Stickeln. „Wir schaffen neue Lebensräume, stärken den Biotopverbund und leisten zugleich einen wichtigen Beitrag dazu, Wasser länger in der Fläche zu halten. Das ist angesichts des Klimawandels und zunehmender Wetterextreme von großer Bedeutung. Dieses Projekt verbindet auf großartige Weise Ökologie mit Naherholungs- und Tourismuseffekten.“

Fünf neue Kleingewässer entstehen

An der Nethe sind bereits im vergangenen Winter erste vorbereitende Maßnahmen umgesetzt worden. Dafür wurden die Uferbereiche gezielt aufgelichtet und strukturell aufgewertet, um bessere Bedingungen für die Entwicklung vielfältiger Lebensräume zu schaffen. Jetzt folgen die Erdarbeiten: Insgesamt werden fünf neue Kleingewässer, sogenannte Himmelsteiche, angelegt. Die flachen Gewässer sollen insbesondere Amphibien als Fortpflanzungslebensraum dienen. Vier bereits vorhandene Gewässer werden durch Entschlammung ökologisch aufgewertet. Ziel ist es, einen möglichst vielfältigen und strukturreichen Lebensraum zu entwickeln. Dabei soll insbesondere ein ausgewogenes Verhältnis zwischen ausreichend besonnten Bereichen und geeigneten Rückzugsräumen entstehen.

Von den ersten Maßnahmen profitiert bereits die Natur. Die Unterwasservegetation in der Nethe konnte sich nach der Teilauflichtung entlang der Ufersäume bereits gut entwickeln. In den aufgelichteten Bereichen werden zudem gezielt Hochstaudenfluren eingesät. Sie sollen unerwünschten Gehölzaufwuchs zurückdrängen und gleichzeitig die heimische Artenvielfalt fördern. Die krautreiche Vegetation bietet darüber hinaus auch dem Biber eine zusätzliche Nahrungsquelle.

Trittsteinbiotope für seltene Amphibien

Das Gesamtprojekt „Lebendige Auen im Kreis Höxter“ soll den Biotopverbund entlang der Auen stärken. Wiederhergestellte oder neu angelegte Gewässer und angrenzende Lebensräume bilden dabei wichtige Trittsteinbiotope, über die sich Tier- und Pflanzenarten wieder ausbreiten können.

Besonders im Fokus stehen einige der seltensten heimischen Amphibienarten: Kammmolch, Laubfrosch, Kreuzkröte und Geburtshelferkröte. Durch die Schaffung geeigneter Fortpflanzungs- und Rückzugsräume sollen bestehende Populationen gesichert und bisher voneinander isolierte Vorkommen – etwa von Laubfrosch und Geburtshelferkröte – wieder miteinander verbunden werden.

Mehr Lebensraum – und zugleich mehr Retention bei Hochwasser

Die Maßnahmen haben zudem eine wichtige Funktion für den Wasserrückhalt in der Fläche. Durch die Anlage und Wiederherstellung von Gewässern innerhalb der Aue entstehen weitere Retentionsräume. Bei Hochwasser können diese Bereiche zusätzlich Wasser aufnehmen und dazu beitragen, dass es langsamer wieder in die Umgebung abgegeben wird.

Damit verbindet das Projekt Naturschutz und Klimaanpassung auf besondere Weise: Die Aue wird ökologisch aufgewertet und gleichzeitig in ihrer natürlichen Funktion als Speicher- und Rückhalteraum gestärkt.

Mehr als 50 Gewässer rund um Steinheim

Die Arbeiten an der Nethe sind nur der Auftakt für weitere umfangreiche Maßnahmen. Im Winterhalbjahr 2026/2027 liegt ein Schwerpunkt im Raum Steinheim zwischen Vinsebeck, Ottenhausen und Eichholz. Dank der Unterstützung der Stadt Steinheim und zahlreicher privater Grundstückseigentümer können dort mehr als 50 Gewässer an insgesamt 18 Standorten neu angelegt oder ökologisch optimiert werden.

Viele dieser Flächen sind derzeit aufgrund starken Vegetationsaufwuchses kaum noch begehbar, bestehende Gewässer nahezu vollständig verlandet. Zusätzlich entstehen neue Sommer- und Winterlebensräume, etwa durch die Anlage von Stein- und Reisighaufen sowie die Aufwertung von Grünland.

Kooperation mit Eigentümern ist entscheidend

Ein wichtiger Erfolgsfaktor des kreisweiten Projektes ist die Zusammenarbeit mit den Kommunen und privaten Grundstückseigentümern. Ohne ihre Bereitschaft, Flächen für die Maßnahmen zur Verfügung zu stellen, wäre die Umsetzung in dieser Größenordnung nicht möglich.

„Wir legen großen Wert darauf, die Maßnahmen so zu planen, dass landwirtschaftlich genutzte Flächen möglichst nicht dauerhaft beeinträchtigt werden“, erklärt Frank Grawe von der Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V. „Diese enge Abstimmung mit den Eigentümern und Bewirtschaftern ist eine wichtige Voraussetzung für die Akzeptanz und damit auch für den langfristigen Erfolg des Projektes.“

Weitere Maßnahmen im Kreisgebiet folgen

Weitere Projektmaßnahmen sind im räumlichen Zusammenhang mit dem Naturschutz- und FFH-Gebiet „Satzer Moor“ sowie zwischen Pömbsen, Holzhausen und Erwitzen im Winterhalbjahr 2026/2027 vorgesehen. Die Standorte und Zeitpunkte der Umsetzung werden jeweils auf der Internetseite des Kreises Höxter unter www.kreis-hoexter.de bekanntgegeben. Über die Fortschritte des Projektes informieren außerdem der WhatsApp-Kanal „Lebendige Auen im Kreis Höxter“, dem Interessierte folgen können: https://whatsapp.com/channel/0029VbDNa4xBPzjchNqZD415.

Mit dem Baustart an der Nethe bei Godelheim wird sichtbar, was das Projekt im gesamten Kreisgebiet erreichen möchte: mehr naturnahe Gewässer, miteinander verbundene Lebensräume und eine lebendige Auenlandschaft, in der seltene Arten langfristig eine Zukunft haben.

north