Ohne Migranten kein Wachstum | OWZ zum Sonntag

Veröffentlicht am 13.08.2026 14:29

Ohne Migranten kein Wachstum

Die Haupt- und Ehrenamtlichen des Brakeler Arbeitskreises Ökumenische Flüchtlingshilfe unterstützen Geflüchtete auf dem Weg in Arbeit und Ausbildung und stehen auch den Betrieben als Ansprechpartner zur Verfügung.

Hans-Georg Harrer, verantwortlich für die Öffentlichtkeitsarbeit: „Wir erhalten inzwischen immer mehr Anfragen von Handwerks- und Gewerbebetrieben, die händeringend Mitarbeitende suchen. Viele Unternehmen erkennen, dass sie ihren Personalbedarf ohne Zuwanderung kaum noch decken können.“

Die Hauptamtlichen Mitarbeiter unterstützen beim Erstellen der Bewerbungsunterlagen und sind die verbindende Stelle für die Betriebe, die Geflüchteten, die Agentur für Arbeit, die Ausländerbehörde und dem Jobcenter.

Der demografische Wandel verschärft diese Entwicklung zusätzlich. Viele erfahrene Beschäftigte gehen in den Ruhestand, während deutlich weniger junge Menschen nachrücken. Dass Zuwanderung längst ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist, belegt auch eine aktuelle Auswertung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW): Ausländische Beschäftigte tragen rund 706 Milliarden Euro zur deutschen Wertschöpfung bei. IW-Expertin Benita Zink bringt die Bedeutung auf den Punkt: „Wenn die Bundesländer es schaffen, ausländische Beschäftigte für ihren Arbeitsmarkt zu gewinnen, trägt das unmittelbar zum wirtschaftlichen Erfolg bei.“

„Gleichzeitig werben wir bei jungen Geflüchteten dafür, den Weg über eine Berufsausbildung zu gehen“, so Harrer. „Gerade das Handwerk und viele mittelständische Unternehmen suchen dringend qualifizierte Fachkräfte und bieten hervorragende Zukunftsperspektiven. Dennoch entscheiden sich viele zunächst für eine Arbeitsstelle. Sie möchten möglichst schnell finanziell auf eigenen Beinen stehen, ihre Familien unterstützen oder nach oft jahrelanger Flucht endlich ein selbstständiges Leben aufbauen. Hinzu kommt, dass manche zunächst ihre Deutschkenntnisse weiter verbessern oder sich erst an den deutschen Ausbildungsalltag gewöhnen müssen. Das ist gut nachvollziehbar.“

Erfreulich ist jedoch, dass immer mehr Betriebe bereit sind, junge Geflüchtete auf diesem Weg zu begleiten – etwa durch Praktika, Sprachförderung, Einstiegsqualifizierungen oder eine spätere Ausbildung. Nicht selten wird aus einer ersten Arbeitsstelle der Einstieg in eine berufliche Laufbahn. Davon profitieren beide Seiten: Die jungen Menschen erhalten eine langfristige Perspektive, und die Unternehmen gewinnen motivierte Fachkräfte, die sie angesichts des anhaltenden Arbeits- und Fachkräftemangels dringend benötigen.“

Zu beobachten ist, dass viele Betriebe in Brakel und Umgebung auch keine Auszubildenden mehr finden . So haben sich im vergangenen Jahr unter anderem eine Bäckerei und ein Garten- und Landschaftsbaubetrieb an die Flüchtlingshilfe gewandt und gefragt, ob sie geeignete junge Menschen für eine Ausbildung kennen. Das zeigt, wie groß der Bedarf inzwischen geworden ist.

Etliche junge Menschen haben bereits erfolgreich eine Ausbildung absolviert und arbeiten in der Krankenpflege, im Handwerk, in der Industrie und im Verkauf.

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