Warburg zeigt sich auf vielfältige Weise: Veranstaltungsreihe zu queeren Themen | OWZ zum Sonntag

Veröffentlicht am 29.09.2026 10:09

Warburg zeigt sich auf vielfältige Weise: Veranstaltungsreihe zu queeren Themen

Der Oktober und der November stehen in Warburg im Zeichen vielfältiger Lebensweisen, wie bereits viele Flyer in der Hansestadt zeigen. Unter dem Motto „Let's talk about sex, gender and everything else“ findet vom 13. bis 16. Oktober eine Aktionswoche zu queeren Themen statt. Die meisten Veranstaltungen sind im KuBuS des Jugenddorfes Petrus Damian, Silberbrede 25. Dafür öffnet sich die renovierte Kapelle auf dem Gelände als Ort für Kultur, Begegnung und Soziales.

„Grundlegend war die Idee, im Jugenddorf Warburg einen queeren Treff für Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren aus dem ganzen Stadtgebiet einzurichten“, so Dean Tepper, Sexualpädagoge im Jugenddorf. „Die nächsten Anlaufstellen für Jugendliche in diesem Alter, die sich mit Fragen ihrer Identität auseinandersetzen und dabei vielleicht an ihre Grenzen kommen, liegen in Kassel oder Paderborn, für viele schlicht zu weit!“ Der Treff öffnet am 16. Oktober und wird durch den Förderfonds „Demokratie und Zusammenhalt“ des Caritasverbandes für das Erzbistum Paderborn e. V. gefördert. Um ihn bekannt zu machen, richtet das Jugenddorf Petrus Damian gemeinsam mit dem Aktionsprogramm Demokratie Leben! der Hansestadt Warburg zum Auftakt eine Aktionswoche aus.

„Als Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe ist es uns wichtig, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu begleiten, ihnen sichere Räume zu bieten und sie in ihrer Identitätsfindung zu unterstützen“, so Jessica Scholle, Einrichtungsleiterin des Jugenddorfes.

Dienstag, 13. Oktober, 19 Uhr: Informationsabend. In lockerer Atmosphäre werden Fragen rund um Identität, Queersein, Geschlechtlichkeit u. v. m. beantwortet. Jana Hansjürgen von der blick*-Landesfachstelle LSBTIAQ* Strukturen im ländlichen Raum stellt die Ausstellung „Feldwege zum Coming-out“ vor, die künftig im Jugenddorf ausgeliehen werden kann. Gäste berichten auf der Bühne aus ihrem queeren Leben auf dem Land, darunter der Make-up-Artist und Drag-Performer Oskar Köbis aus Erfurt.

Mittwoch, 14. Oktober, 19 Uhr: Film. Das Cineplex Warburg (Oberer Hilgenstock 30) zeigt den Dokumentarfilm „Die Ehe der Herren Schultze“. Er erzählt vom Leben von Kurt Schultze und seinem Mann Toon, die seit fast 50 Jahren als Paar in Düsseldorf leben. Als Deutschland 2017 die Rehabilitierung der nach 1945 juristisch verfolgten schwulen Männer beschließt, löst das bei Kurt ein Déjà-vu aus: Auch er wurde vor mehr als 60 Jahren als junger Student in Wien verurteilt und eingesperrt. Er beschließt, seiner lange verdrängten Geschichte auf den Grund zu gehen. Kurt Schultze ist Enkel von Hans Kohlschein aus der Warburger Künstlerdynastie. Im Anschluss stehen der Filmemacher Moritz Leick und voraussichtlich auch Kurt Schultze für ein Nachgespräch zur Verfügung. Karten (10 Euro, ermäßigt 5 Euro) gibt es nur über die Website des Cineplex: cineplex.de/warburg.

Donnerstag, 15. Oktober: Fortbildung und Informationsabend. „Oft ist es schwierig, Jugendliche direkt zu erreichen. Sie befinden sich in einem Findungsprozess, und ein ‚Nach-außen-Gehen‘ bedeutet oft schon ein Coming-out, ein Sich-Bekennen. Deshalb möchten wir Menschen in sozialen Berufen schulen, aufmerksame Wegbegleiter sein zu können“, so Stephan Rumphorst, Theaterpädagoge im Jugenddorf und Mitorganisator der Woche. Im Workshop „Pädagogik ist vielfältig“ führt Yannick Rebmann von 16 bis 17.30 Uhr in die rassismussensible Pädagogik ein. Ziel ist es, eine rassismus- und diskriminierungskritische Haltung zu entwickeln und solche Strukturen in der pädagogischen Arbeit zu erkennen. Die Teilnahme ist auf 20 Personen begrenzt.

Von 19 bis 21 Uhr folgt der Informationsabend „Life is colourful“. Menschen in sozialen und medizinischen Berufen erhalten Ideen, wie sie Jugendliche und Erwachsene im Findungsprozess unterstützen können. Auf dem Podium sitzen Kathrin Bach, die als Psychotherapeutin trans* Kinder und Jugendliche begleitet, und Viola Hellmuth, die in Paderborn die queere Jugendgruppe Ohana leitet, sowie junge queere Menschen, die aus ihrem Alltag berichten.

Freitag, 16. Oktober, 15 bis 20 Uhr: Queerer Treff. Zum ersten Mal öffnet der Treff für queere Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren. Sie können Gleichgesinnte finden, sich austauschen und Karaoke singen. Ab dann findet der Treff jeden Freitag statt.

Samstag, 21. November, 15 Uhr, und Sonntag, 22. November, 19 Uhr: Theater. Die Studio Bühne Essen gastiert im KuBuS mit dem Theatersolo „Bunte Fische überall“ (mit Ann-Kathrin Hundt) nach dem Jugendroman von Kathrin Schrocke, für Jugendliche und Erwachsene ab 12 Jahren. Bernadette, genannt Barnie, steckt mitten in der Pubertät. Mit ihren zwei schwulen Vätern läuft es eigentlich ganz gut. Dann kommt die Schulaufgabe mit der Babypuppe, die sie gemeinsam mit ihrem Schwarm Sergej versorgen muss, und der entpuppt sich als homophob. Karten kosten 10 Euro, ermäßigt 8 Euro.

Der Roman gilt in vielen Bundesländern als Schullektüre. Deshalb können Warburger Schulklassen am Montag, 23. November, um 9 und 12 Uhr zwei Aufführungen inklusive Nachbereitung kostenfrei buchen.

Anmeldung und Kosten: Alle Angebote außer dem Kinofilm und den Theatervorstellungen am Wochenende sind kostenfrei. Eine Anmeldung unter s.rumphorst@jugenddorf-warburg.de hilft bei der Planung und sichert einen Platz, eine spontane Teilnahme ist ebenfalls möglich. Für den Film gilt die Anmeldung nur über das Cineplex. Weitere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen sind auch unter www.jugenddorfwarburg.de einsehbar.

Gefördert wird das Vorhaben durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie Leben!, in Kooperation mit der Hansestadt Warburg und dem Verein für Völkerverständigung Warburg e. V. Ausrichter ist das Jugenddorf Petrus Damian; nur der Film läuft im Cineplex. Weitere Informationen unter jugenddorf-warburg.de.

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