70. Geburtstag der Wandelkrippe | OWZ zum Sonntag

Veröffentlicht am 07.01.2026 09:58

70. Geburtstag der Wandelkrippe

Maria, Josef und Jesuskind in der Wandelkrippe. (Foto: privat)
Maria, Josef und Jesuskind in der Wandelkrippe. (Foto: privat)
Maria, Josef und Jesuskind in der Wandelkrippe. (Foto: privat)
Maria, Josef und Jesuskind in der Wandelkrippe. (Foto: privat)
Maria, Josef und Jesuskind in der Wandelkrippe. (Foto: privat)

Die Weihnachtskrippe in der Pfarrkirche St. Vitus Willebadessen bietet auf einer rund 20 Quadratmeter großen Fläche Platz für vier Szenen, die sich gegenseitig ergänzen und die Krippe lebendig machen. Auf dieser Fläche wird die Weihnachtsgeschichte in acht Szenen vom 1. Advent bis Mariä Lichtmess, Anfang Februar, dargestellt; in jeder Woche wird einmal umgebaut. Mit dem aktuellen Weihnachtsfest feierte die Krippe ihren 70. Geburtstag.

Die Hauptfiguren der Krippe sind bis zu rund einem Meter groß; zahlreiche Tiere ergänzen die menschlichen Figuren. Natürlich gibt es Schafe, Ochs und Esel, aber auch Hund und Katze, Enten und Wildschweine sowie eine Eule und eine Maus tragen dazu bei, dass die Krippe eine ganz besondere Ausstrahlung hat. Man spürt, dass die Begeisterung von Menschen hinter dieser Krippe steckt. Der Staffelstab wurde in den 70 Jahren mehrfach weitergegeben. Derzeit besteht das Krippenteam unter der Leitung von Kornelia Brinkmann aus fünf Personen, die dafür sorgen, dass die Krippe immer lebendig bleibt, dass neue Ideen eingearbeitet werden und dass auch für alteingesessene Willebadessener die Weihnachtsgeschichte auf besondere Weise Geheimnis bleibt.

Damit steht die Willebadessener Krippe ganz und gar in der Tradition, die im 16. Jahrhundert vor allem von den Jesuiten stark gefördert wurde. Es war die Zeit der Gegenreformation. Durch figürliche Darstellungen sollte den Menschen das Leben Jesu nahegebracht werden. Diese figürlichen Darstellungen konzentrierten sich vor allem auf die Weihnachts- und die Ostergeschichte als zentrale Teile der christlichen Botschaft. Obwohl es eine Reihe von noch viel älteren Krippendarstellung gibt, berufen sich viele Krippenbauer auf den Heiligen Franziskus als ihren Urvater. Franziskus griff in seinen Weihnachtsgottesdiensten auf Krippenspiele mit lebenden Darstellern – und auch Tieren – zurück, um den Menschen die Botschaft von der Geburt Jesu nahe zu bringen. Ursprünglich eine katholische Tradition, verbreiteten sich Krippen nach und nach auch in protestantischen Gegenden. Auch die erzgebirgischen Weihnachtspyramiden verdanken ihre Figurenausstattung den Krippen. Krippen in Privathäusern wurden übrigens – schon allein bedingt durch die Herstellungskosten der Figuren – erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts üblich.

Es ist ein dynamisches Bild von Weihnachten, das die Krippe von St. Vitus vermittelt. Die Spannungen und Übergänge zwischen historisch angemessener Darstellung und Zeitlosigkeit, zwischen Konzentration auf das Wesentliche und Schaffung eines vollständigen Bildes, zwischen Bezug auf die überlieferte Erzählung und Zulassen von Assoziationen machen ihren besonderen Reiz aus. Hinzu kommt ein Spielen mit Details, das einerseits optische Glanzpunkte setzt und andererseits auf der Seite des Betrachters Assoziationen wachruft, die das eigene Leben mit dem Krippengeschehen verbinden. Und überdies tritt die Wandelkrippe durch ihre Ausdehnung über mehrere Schauplätze hinweg und die große Darstellungsdichte in einen besonderen Kontakt mit den Besuchern. Mit jedem Schritt, den ein Betrachter vor, zurück oder zur Seite geht, verändert sich der Blick auf die Krippe und es kommt eine ganz andere Aussage in Sicht.

Dass die Krippe auch an Werktagen immer wieder aufgesucht wird, von Familien mit Kindern, von Einzelnen und auch von Erwachsenengruppen versteht sich von selbst; selten ist man allein an der Krippe.

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