Die Mehlschwalbe fliegt zum Sieg | OWZ zum Sonntag

Veröffentlicht am 15.10.2026 13:36

Die Mehlschwalbe fliegt zum Sieg

Mehlschwalben im Lehmnest. (Foto: NABU/ J. Piecha)
Mehlschwalben im Lehmnest. (Foto: NABU/ J. Piecha)
Mehlschwalben im Lehmnest. (Foto: NABU/ J. Piecha)
Mehlschwalben im Lehmnest. (Foto: NABU/ J. Piecha)
Mehlschwalben im Lehmnest. (Foto: NABU/ J. Piecha)

Sie kündigt jedes Frühjahr den Sommer an, doch ihre Zukunft ist gefährdet: Die Mehlschwalbe (Delichon urbicum) ist zum Vogel des Jahres 2027 gewählt worden: Mit 67.050 Stimmen (45,2 Prozent) setzte sich die Mehlschwalbe (Delichon urbicum) durch. Insgesamt beteiligten sich 148.506 Menschen an der öffentlichen Wahl zum Vogel des Jahres von NABU und LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz). Für den Trauerschnäpper entschieden sich 33.181 Wählende (22,3 Prozent), der Kolkrabe kam auf 22.587 (15,2 Prozent), die Wasseramsel auf 16.074 (10,8 Prozent). Auf dem letzten Platz landete der Kranich mit 9.614 Stimmen (6,5 Prozent).

Der NABU Niedersachsen nimmt die Wahl zum Anlass, auf die zunehmenden Gefahren für die Art aufmerksam zu machen. Fehlende Nistplätze, der Rückgang der Insekten und extreme Wetterlagen setzen den Beständen immer stärker zu.

Weniger Platz für Sommerboten

Deutschlandweit gibt es noch bis zu 770.000 Brutpaare, doch die Bestände gehen seit Jahren zurück. Auch in Niedersachsen zeigt sich eine besorgniserregende Entwicklung: Bei der jüngsten „Stunde der Gartenvögel“ wurden Mehlschwalben neun Prozent seltener gemeldet als im Vorjahr. Zwar können auch Witterung und unterschiedliche Rückkehrzeiten die Zählergebnisse beeinflussen, doch der langfristige Rückgang ist deutlich.

„Wenn Mehlschwalben seltener werden, verlieren wir nicht nur einen vertrauten Sommerboten. Ihr Rückgang zeigt auch, wie sehr sich unsere Städte und Dörfer verändert haben“ betont Elefteria Schilla, Leitung der NABU Regionalgeschäftsstelle Weserbergland.

Besonders problematisch ist der Verlust geeigneter Brutplätze. Mehlschwalben bauen ihre Nester aus kleinen Lehmkügelchen unter Dachvorsprüngen und an Hausfassaden. Doch durch Gebäudesanierungen, die Entfernung von Nestern und die zunehmende Versiegelung fehlen ihnen sowohl geeignete Nistplätze als auch das notwendige Baumaterial. Hinzu kommt der Rückgang von Fluginsekten, auf die die Tiere als Nahrung angewiesen sind.

Mit einfachen Maßnahmen helfen

Umso wichtiger ist es, die Mehlschwalbe gezielt zu unterstützen. Bestehende Nester müssen erhalten und bei Sanierungen berücksichtigt werden. Wo natürliche Brutplätze fehlen, können künstliche Nisthilfen angebracht werden. Kleine Lehmpfützen liefern Baumaterial, während naturnahe Gärten mit heimischen Blühpflanzen und der Verzicht auf Pestizide das Nahrungsangebot verbessern. Ein Kotbrett unter dem Nest kann zudem lästig erscheinende Verschmutzungen verhindern und Konflikte mit Hausbesitzenden vermeiden.

„Mit dem Schutz bestehender Nester und der Schaffung neuer Brutplätze kann jeder direkt vor der eigenen Haustür einen wichtigen Beitrag leisten. Ein solches Engagement zeichnen wir übrigens mit der Schwalbenplakette aus, die an der Hausfassade angebracht werden kann. Wenden Sie sich dazu einfach an ihre nächstgelegene NABU-Gruppe“, ergänzt Schilla.

Die Mehlschwalbe folgt auf das Rebhuhn, das in diesem Jahr den Titel trägt. Der „Vogel des Jahres“ wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1971 gekürt. Seit 2021 wird er durch eine öffentliche Wahl bestimmt.

Mehr Infos finden Interessierte unter www.vogeldesjahres.de.

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