Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Gemeinsam den Sonntag be-gehen“ fand vor kurzem die zweite Wanderung des Pastoralen Raumes Bad Driburg statt. Die Mittsommer-Nachtwanderung von Bad Driburg nach Reelsen wurde von Gemeindereferentin Mechthild Bange organisiert.
Anni Köhler stand als Fahrdienst bereit und ermöglichte so jedem die Teilnahme. Eingeladen waren Menschen aller Generationen und Konfessionen.
Noch am Tag zeigte sich das Wetter unbeständig mit Regen und Wind. Doch pünktlich zum Beginn beruhigte sich die Wetterlage: Es blieb trocken, der Wind legte sich und so herrschten beste Bedingungen für eine stimmungsvolle Wanderung. „Keiner ist allein“ – dieser Gedanke sollte den Abend prägen.
Treffpunkt war die Kirche „Zum verklärten Christus“. Nach einer herzlichen Begrüßung durch Mechthild Bange erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst interessante Einblicke in die Geschichte der Kirche. Petra Flemming-Schmidt, Mitglied des Kirchenvorstandes, berichtete darüber, dass die Siedlung im Jahr 1938 lediglich aus 20 Häusern mit etwa 100 Bewohnern bestand. Um 1947 wuchs die Bevölkerung deutlich an, sodass ein Kirchenneubau erforderlich wurde. 1968 wurde die Kirche fertiggestellt. Beeindruckend sind die 109 Fenster, die wie eine Perlenschnur den Kirchenraum umschließen.
Die zwölf Apostel bildeten dieses Mal den inhaltlichen Rahmen dieser Mittsommer-Wanderung. Küster Kremeyer entzündete entsprechend dazu zwölf Kerzen. Gemeinsam wurde gebetet und gesungen, begleitet von Melanie Humborg auf der Gitarre.
Johannes Krücke aus dem Organisationsteam verteilte anschließend an die Teilnehmer Informationen zu einigen Aposteln. Während der Wanderung bestand die Aufgabe darin, den passenden „Partner“ mit den ergänzenden Informationen zu finden. Die Auflösung erfolgte am Ende der Wanderung.
Die erste Station führte zur Marienkapelle am Hoppenberg – einem besonderen Ort der Ruhe und Besinnung. Die entzündeten Kerzen hüllten die kleine Kapelle in warmes Licht und eine andächtige Stimmung. Bereits 1932 stand an dieser Stelle eine kleine Holzkapelle. Johannes Kley, der Konrektor Studienheims St. Clemens, stiftete im Jahr 1952 den Bau einer steinernen Kapelle. Möglich wurde dies durch einen überraschenden Gewinn von 68.000 DM im Fußball-Toto. Daher trägt die Kapelle bis heute im Volksmund den liebevollen Namen „Santa Maria del Toto“. Josef Weskamp kümmert sich seit vielen Jahren mit Herzblut um die Marienkapelle. Dank seines Einsatzes präsentiert sich die Kapelle bis heute als ein einladender Ort der Besinnung und des Gebets.
Mechtild Bange erinnerte daran: „Während der schweren Kriegsjahre war die Kapelle für viele ehemalige Schüler des Clementinums ein wichtiger Trost. In Feldpostbriefen findet sich der bewegende Satz: ‚… sollten wir einmal aus diesem Kriege herauskommen, treffen wir uns bei der Mutter im Driburger Tal!‘ Doch rund 200 Klementiner kehrten nicht mehr aus dem Krieg zurück.“
Eine Teilnehmerin ergänzte weitere interessante Informationen: „In der Kapelle befindet sich auch ein Bildnis des Seligen Eduard Müller. Er legte am Clementinum sein Abitur ab und wurde 1943 wegen seines Widerstands gegen den Nationalsozialismus unter dem Vorwurf des Hochverrats hingerichtet. Im Jahr 2011 erfolgte seine Seligsprechung in Lübeck.“
Gemeinsam wurde das Lied „Gib uns deinen Frieden“ gesungen und für den Frieden in der Welt gebetet.
Weiter auf dem Sachsenring bot sich den Teilnehmenden ein traumhafter Blick auf das im Abendlicht liegende Bad Driburg. Über den Rad- und Wanderweg führte der Weg schließlich weiter nach Reelsen. Gegen 22 Uhr erreichte die inzwischen rund 20 Personen umfassende Gruppe die Kirche St. Martinus in Reelsen, wo sie bereits von Gemeindemitgliedern erwartet wurde. Dr. Uwe Schicktanz begrüßte die Teilnehmenden herzlich. Auch hier gab es viel zu entdecken. Besonders die eindrucksvollen Deckenmalereien fanden Beachtung. Mit Gitarrenbegleitung wurde das Lied „Menschen auf dem Weg durch die dunkle Nacht“ gesungen. In den Fürbitten und Gebeten wurde besonders an ein kleines krankes Mädchen aus Reelsen gedacht. Den Abschluss bildete das Segenslied „Möge die Straße uns zusammenführen“.
Ein herzlicher Dank gilt allen, die zum Gelingen dieser Mittsommer-Nachtwanderung beigetragen haben. Ob bei der Planung und Organisation, der musikalischen Gestaltung, den Impulsen und Informationen an den Stationen, der Vorbereitung der Kirchen, der Bewirtung in Reelsen, dem Fahrdienst oder den vielen helfenden Händen im Hintergrund – ihr Engagement, ihre Zeit und ihre Gastfreundschaft haben diese gemeinsame Veranstaltung erst möglich gemacht. Dank dieses Einsatzes wurde die Wanderung zu einem bereichernden Erlebnis voller Begegnungen, Gespräche, Gemeinschaft und Glauben.
Bereits jetzt sind alle Interessierten zur nächsten Veranstaltung der Reihe „Gemeinsam den Sonntag be-gehen“ eingeladen. Am 2. August 2026 führt die Wanderung von Reelsen nach Pömbsen. Dort wird ein Picknickgottesdienst gefeiert.
Beim gemütlichen Ausklang mit Getränken und kleinen Snacks wurden die Apostel-Puzzleteile gemeinsam zusammengesetzt und die Aufgaben gelöst. Es blieb Zeit für viele Gespräche. Auch Agnes Schäfers, die 16 Jahre lang Küsterin der Kirche St. Martinus war, erzählte den Gästen manches Interessante über das Gotteshaus und seine Geschichte.
Dank des Fahrdienstes wurden alle wieder sicher nach Bad Driburg zurückgebracht. Als sich die Gruppe gegen Mitternacht verabschiedete, hatte der Sonntag bereits begonnen – und eine besondere gemeinsame Wanderung ihren gelungenen Abschluss gefunden.