Als der Film „Veränderung in Milden” 1974 in den deutschen Wohnzimmern über den Fernseher flimmerte, sahen die meisten Zuschauer in erster Linie einen sozialkritischen Film, der wirtschaftliche und strukturelle Umwälzungen in einer deutschen Kleinstadt thematisierte. Für die Holzmindener hingegen war er auch ein Spiegelbild ihrer eigenen Stadt, die zum Schauplatz für die Dreharbeiten wurde.
Der Heimat- und Geschichtsverein Holzminden holt den Film jetzt – mehr als 50 Jahre nach seiner Erstausstrahlung im Fernsehen – auf die große Leinwand: Am 15. März ab 10.30 Uhr zeigt der Verein den Film im Rahmen einer Matinee-Veranstaltung mit freundlicher Genehmigung des ZDF und bei freiem Eintritt im Holzmindener Roxy-Kino.
„Für uns stellt der Film ein Stück Heimatgeschichte dar”, so die Vorsitzende des Heimatvereins, Marlies Linnemann. Nicht nur konserviere der Film eindrucksvoll das Stadtbild Holzmindens der 70er Jahre. „Seinerzeit wirkten auch zahlreiche Holzmindener als Statisten mit.” Gedreht wurde nicht nur in der Buchhandlung Wiegand, beim Täglichen Anzeiger, in der Kreisverwaltung und in den Räumen des Stadtdirektors. Auch der Holzmindener Bahnhof kommt zum Zug und Markt und Weserbrücke geben eine stilvolle Kulisse ab. Neben Horst Sachtleben und Xenia Pörtner in den Hauptrollen hatte auch Marius Müller-Westernhagen einen seiner ersten Filmauftritte.
Regie führte der 1926 in Holzminden geborene Eberhard Itzenplitz. Er engagierte sich vor allem für zeitkritische Themen. So auch in „Veränderung in Milden”. Der Film, der nach einem Drehbuch von Otto Jägersberg entstand, thematisiert den Strukturwandel seiner Zeit und erzählt von den Schicksalen betroffener Menschen, die sich um ihre Zukunft sorgen. Da ist der Buchhändler Mathias, gespielt von Horst Sachtleben, der sich eher als Kulturvermittler versteht und für den Bücher mehr als bloße Handelsware sind. Da ist auch die Belegschaft des Täglichen Anzeiger, die sich um ihre Jobs sorgt, nachdem die Zeitung verkauft wurde. Und statt die lokalen Baugrößen mit überflüssigen Bauprojekten zu alimentieren, fordern die Menschen mehr Geld für ein besseres Theaterprogramm.
Im Foyer des Roxy wird auch eine Auswahl von Drehbuchseiten mit handschriftlichen Notizen und Skizzen von Eberhard Itzenplitz zu sehen sein, die vom Archiv der Akademie der Künste in Berlin zur Verfügung gestellt wurden. Zeitzeugen, die Fotos von den zwischen September und Oktober 1973 stattgefundenen Dreharbeiten besitzen, können sich unter milden-film@gmx.de bei den Veranstaltern melden. Es ist beabsichtigt, die Aufnahmen im Foyer des Roxy zu zeigen.
Tickets gibt es online auf www.kino-holzminden.de oder an der Kinokasse.