Interkulturelle Gebetsfeier zu 15 Jahren Erd-Charta-Stadt | OWZ zum Sonntag

Veröffentlicht am 17.07.2026 14:15

Interkulturelle Gebetsfeier zu 15 Jahren Erd-Charta-Stadt

Sie eröffneten die Gebetsfeier: die Bahá’í Warburg vertreten durch Lila Panahi und Stefan Mennemeier an der Harfe. (Foto: privat)
Sie eröffneten die Gebetsfeier: die Bahá’í Warburg vertreten durch Lila Panahi und Stefan Mennemeier an der Harfe. (Foto: privat)
Sie eröffneten die Gebetsfeier: die Bahá’í Warburg vertreten durch Lila Panahi und Stefan Mennemeier an der Harfe. (Foto: privat)
Sie eröffneten die Gebetsfeier: die Bahá’í Warburg vertreten durch Lila Panahi und Stefan Mennemeier an der Harfe. (Foto: privat)
Sie eröffneten die Gebetsfeier: die Bahá’í Warburg vertreten durch Lila Panahi und Stefan Mennemeier an der Harfe. (Foto: privat)

Auf den Tag genau, am 05.07.2021, vor fünfzehn Jahren, wurde die Hansestadt Warburg mit einstimmigem Ratsbeschluss zur Erd-Charta-Stadt. Dieser Entschluss wurde nun mit einer interkulturellen Gebetsfeier und Ansprachen gefeiert - und auf diese Weise gleichzeitig der Gedanke der Erd-Charta-Stadt mit Leben gefüllt. Noch bevor das erste Gebet gesprochen wurde, setzte die Bühnengestaltung unter dem Blätterdach der Kuhlemühle ein sichtbares Zeichen - dort platziert: eine Erdkugel und eine Würdekönigin. Sie vermittelten den Rahmengedanken, dass „alle Menschen denselben Planeten teilen und dass die Würde jedes Menschen unantastbar ist”, so leitete Valeria Geritzen, Organisatorin und Sprecherin der Erd-Charta-Initiative Warburg, mit dem Gedanken in die Feier, Teil des Ganzen zu sein.

Mit Auszügen aus der Urwaldhymne von Hanno Hartwig begann die Interkulturelle Gebetsfeier bewusst nicht bei den verschiedenen Religionen, sondern bei dem, was alle verbindet: der Erde als gemeinsamer Lebensraum und der Verantwortung der Menschen für alles Leben. In ihrer Begrüßung erinnerte Geritzen als Erd-Charta-Botschafterin daran, dass wir Menschen alle innerhalb der Grenzen dieses einen Planeten handeln. Die Zusammenkunft mit einer Gebetsfeier wolle deshalb kein gemeinsames religiöses Ritual schaffen, sondern einen gemeinsamen Raum der Begegnung – einen Ort, an dem unterschiedliche Glaubenstraditionen, Kulturen und Weltanschauungen einander zuhören und sich mit Respekt begegnen.

Bereits das musikalische Ankommen ließ diese besondere Stimmung entstehen. Gitarristin Constanze Martin (Musikschule Warburg) empfing die Gäste mit fein ausgewählten Instrumentalstücken – von der Romanze über Gospelhorn bis zu Johann Sebastian Bachs Jesu, meine Zuversicht und Sunday Morning. So entstand unter dem Blätterdach der Kuhlemühle eine ruhige, würdevolle und zugleich offene Atmosphäre. Gemeinsam sangen die Gäste, die Gebetsfeier gemeinsam eröffnend, Schillers „Freude, schöner Götterfunken”, dessen Botschaft „Alle Menschen werden Brüder” wie ein Leitmotiv über der gesamten Feier stand. Die ausgeteilten Liedblätter machten alle Anwesenden selbst zu Mitwirkenden.

Gäste beschrieben den Beginn später als wohltuend und leicht andächtig – eine Stimmung, die den Charakter der gesamten Feier prägen sollte. Aus diesem gemeinsamen Fundament heraus entfalteten die verschiedenen Glaubensgemeinschaften ihre je eigene Perspektive auf Frieden, Zusammenhalt und Hoffnung. Für einen besonders berührenden musikalischen Auftakt sorgte die Sängerin Schalom aus Burundi, die derzeit in der Zentralen Unterbringungseinrichtung Borgentreich lebt. Mit ihrer Interpretation von „Hallelujah” schuf sie eine andächtige Atmosphäre und lud die Gäste zum Innehalten ein.

Die Bahá'í-Gemeinde Warburg folgte mit dem ersten Gebetsbeitrag und erinnerte daran, dass die Menschheit trotz aller Unterschiede eine einzige Familie ist. Begleitet von Harfenspiel verbanden Lila Alaie-Panahi und Stefan Mennemeier Worte und Musik zu einem eindrucksvollen Plädoyer für die Einheit in Vielfalt.

Ayşe Ergin von der muslimischen Gemeinde Warburg machte deutlich, dass „Allah” im Arabischen schlicht das Wort für Gott ist und auch von arabischen Christinnen und Christen verwendet wird. Sie erinnerte daran, dass Maria und Jesus auch im Koran einen bedeutenden Platz einnehmen, und zitierte Verse, die zur Einheit aufrufen und vor Spaltung warnen. Frieden, Mitmenschlichkeit und Verantwortung wurden als Werte sichtbar, die Religionen miteinander verbinden.

Einen weiteren religiösen Akzent setzte die syrisch-orthodoxe Gemeinde St. Jakob von Sarug Kloster in Warburg. In Form einer traditionellen Interpretation sagen sie zunächst das Ave Maria und Vaterunser auf Aramäisch, der Sprache Jesu. Subdiakon Gabriel Johansen griff später im Teil der Festreden den Leitgedanken der internationalen Erd-Charta auf und verband ihn mit der biblischen Schöpfungserzählung. Der Mensch, so erinnerte er, sei aus dem Staub der Erde geschaffen. Daraus erwachse die gleiche Würde aller Menschen – unabhängig von Herkunft, Sprache, Religion oder Kultur. „Unsere Verschiedenheit ist kein Hindernis – sie ist ein Reichtum”, sagte er und erinnerte daran, dass Begegnungen wie diese zeigen, dass das Verbindende größer sein kann als das Trennende.

Die Warburger Ökumene setzte den Gedanken des Mosaiks fort mit verbindenden Worten von Pfarrerin Patrizia Müller (Evangelische Kirchengemeinde Warburg), Pastor Gerhard Pieper (Katholische Neustadt-Kirchengemeinde Warburg) und Detlev Schmidt (Neuapostalische Kirchengemeinde Warburg). Gerhard Pieper betonte, es gehe darum, einander Segen zu sein und im Sinne der Erd-Charta, wir lebten in einer Region, die uns zur Heimat geworden ist, die uns nähre mit Weizen für das Brot und Gerste für den Gerstensaft.

„Wir sind einander auch Segen, wenn wir diesen Raum hier beleben, schützen, pflegen, ehren”, so Pieper. Vanessa Quiring setzte zum Beitrag der Ökumene mit ihrer ausdrucksstarken Stimme musikalische Akzente mit den Liedern „Lean on Me” und „Heal the World”, hier entstand eine besondere Tiefe. Einen besonderen Moment schuf mit dem schließenden Beitrag der pensionierte Diakon Diether Wegener. Mit seinem Beitrag lud er dazu ein, die Natur bewusst wahrzunehmen und gemeinsam die Schönheit der Stille zu erfahren. Für einen Augenblick traten Worte in den Hintergrund. Gerade diese gemeinsam erlebte Ruhe ließ viele Gäste die besondere Atmosphäre der Feier intensiv spüren.

Anschließend erklang mit „You Raise Me Up” eine weitere beeindruckende Interpretation von Vanessa Quiring. Technisch ermöglichte die Beiträge zu dieser ersten Interkulturellen Gebetsfeier in Warburg dankenswerterweise Thomas Rebenstock.

Im anschließenden Festakt würdigte der Erste stellvertretende Bürgermeister Thomas Vonde das 15-jährige Jubiläum der Erd-Charta-Stadt Warburg. Gerade in einer Zeit weltweiter Krisen brauche es Orte, an denen Zusammenhalt, gegenseitiger Respekt und gemeinsame Verantwortung sichtbar würden. Die Erd-Charta sei dafür ein wichtiger Wertekompass für die Hansestadt Warburg. Thomas Vonde dankte den ehrenamtlich Aktiven, den Erd-Charta Gedanken in Warburg mit Leben zu füllen.

In ihrem Impuls erinnerte Valeria Geritzen an die Anfänge der Erd-Charta-Stadt Warburg und an den verstorbenen Christian Holtgreve, dessen persönliche Initiative als Ratsherr den einstimmigen Stadtratsbeschluss im Jahr 2011 möglich gemacht hatte. Fünfzehn Jahre später werde deutlich, dass die Erd-Charta weit mehr sei als ein politischer Beschluss. Sie lebe durch Menschen, die ihre Werte im Alltag mit Leben füllen.

Mit dem gemeinsamen Singen von „Die Gedanken sind frei” endeten die Feierlichkeiten. Anschließend blieben viele Gäste noch lange im Biergarten Kuhlemühle. Beim gemeinsamen Mittagessen von Falafel, Peking-Suppe, Cevapcici und Bratwürstchen entstanden Gespräche zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen, Kulturen und Generationen.

Als Zeichen der Gemeinschaft und der Region erhielten die Gäste frisch gebackenes Warburger Urtyp-Brot von Bäckermeister Daniel Henke sowie eine Peking-Suppe, die das Restaurant Tu kostenlos zur Verfügung stellte. Das eigens für das Jubiläum entwickelte Brot mit Treber aus dem Brauprozess griff den Gedanken der Gemeinschaft und der Kreislaufwirtschaft auf. Mitwirkende erhielten ein Brot als Dankeschön für ihren Beitrag zur Feier, eine Geste, die erfreut aufgenommen wurde, genauso wie die Balkanmusik am Nachmittag, die zum Mittanzen einlud und begeisterte.

Dass die Feier weit über diesen Tag hinaus nachwirkte, zeigten zahlreiche persönliche Rückmeldungen aus denen Auszüge. Erika und Werner Lüddecke, Mitglieder der Ökumenischen Initiative eine Welt in Wethen, bezeichneten die Veranstaltung als einen „überwältigenden Beitrag zum Thema der Erd-Charta”. Irmgard Heuel, die die Entstehung der Erd-Charta-Stadt Warburg von Beginn an aktiv begleitet und getragen hat, zeigte sich besonders davon bewegt, dass Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Religionen selbstverständlich gemeinsam öffentlich für Frieden und Verständigung eingetreten seien.

Die „feine, leicht fromme Atmosphäre” der Feier habe sie als wohltuend empfunden. Auch die Resonanz der Malteser Betreuung Borgentreich machte deutlich, welche Wirkung der Vormittag entfaltete. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Zentralen Unterbringungseinrichtung hätten sich sehr geehrt gefühlt, nicht nur Gäste, sondern aktiver Teil des Programms zu sein. Besonders die Atmosphäre von Freundschaft, Offenheit und Wohlwollen habe ihnen gut getan und werde noch lange in Erinnerung bleiben.

Die Feier machte an diesem Sonntagvormittag in der Kuhlemühle sichtbar, was die Erd-Charta seit 15 Jahren in Warburg prägt: Aus unterschiedlichen Stimmen, Religionen und Kulturen kann ein Mosaik des Miteinanders entstehen. Jede Glaubensgemeinschaft brachte ihre eigene Sprache, ihre eigenen Bilder und ihre eigene Spiritualität ein. Niemand musste seine Überzeugungen zurückstellen. Gerade diese Vielfalt macht den Erd-Charta Gedanken deutlich: Wir sind eine einzige menschliche Familie mit einem gemeinsamen Schicksal.

Frieden wächst dort, wo Menschen einander mit Würde begegnen, Verantwortung für die Gemeinschaft und die gemeinsame Erde übernehmen und Unterschiede als Bereicherung begreifen.

Kontakt zur Erd-Charta Initiative: Valeria.Geritzen@gmail.com / Mobil: 01632888380

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