Wir, die unterzeichnenden ehemaligen Professorinnen und Professoren am Hochschulstandort Höxter, wünschen zunächst allen Leserinnen und Lesern sowie allen Hochschulangehörigen ein gesundes, friedvolles, kreatives und zupackendes neues Jahr mit einem zuversichtlichen Blick auf das Kommende. Trotz aller Probleme in der Welt sowie der Herausforderungen am Hochschulstandort Höxter schauen wir positiv in die Zukunft. „An der Wilhelmshöhe 44” ist eine angesehene Adresse für qualitätsvolle Hochschullehre und -forschung sowie effektiven regionalen Transfer in die Gesellschaft. Wir kennen das besondere Potential und sehen gute Entwicklungschancen!
Wir haben die Hochschule in Höxter noch als verknüpft mit der Universität Gesamthochschule Paderborn erlebt. Selbst in der Zeit des Gesetzes zur Umwandlung der Gesamthochschulen in NRW (2002) hatte sich die Universität entschieden für den Erhalt und die Förderung der Hochschule in Höxter eingesetzt. Als wir seinerzeit erfahren haben, respektive einige von uns direkt erlebt haben, dass Höxter der Fachhochschule Lippe (heute Technische Hochschule Ostwestfalen Lippe – THOWL) angegliedert werden sollte, hatten nicht nur viele von uns Bedenken, ob von Lemgo respektive Detmold wirklich ein nachhaltiges Interesse bestehen würde, den Hochschulstandort in Höxter weiterhin zu entwickeln. Bis zu unserer jeweiligen Pensionierung haben wir unbeirrt fachbereichs- und selbst standortübergreifend daran gearbeitet, die Wilhelmshöhe als gefragte Umwelt- und Studienadresse weit über die Region hinaus bekannt zu machen. Höxter genießt einen mindestens bundesweit guten Ruf in der Umweltverwaltung deutschsprachiger Länder, der Planungspraxis und unter den umweltbezogenen Ausbildungsstätten. Der „kleine” Campus im ländlichen Raum war und ist kein Nachteil.
Bereits 2005 wurde der damalige Landtagsabgeordnete des Kreises Höxter, Herr Antonius Rüsenberg, aus Sorge vor einer allmählichen Erosion des Standortes Höxter in Düsseldorf besucht und über die erkennbaren Rückschritte informiert. Mit dem daraufhin in Höxter vereinbarten Informationstermin noch vor den Landtagswahlen fand ein intensiver Austausch zwischen dem Standort Höxter, den lokalen und regionalen Vertretern aus dem politischen Raum und dem Vorsitzenden des Wissenschaftsausschusses im Landtag hier vor Ort statt. Angekündigt war bei diesem Treffen schon das in Vorbereitung befindliche neue Hochschulgesetz (bei Verabschiedung auch als Hochschulfreiheitsgesetz benannt). Bereits erfolgte Einschränkungen am Standort Höxter wurden zunächst teilweise zurückgenommen.
Umstrukturierungsdiskussionen (oft auch -gerüchte) begleiteten in Wellenbewegung die Lehr-, Forschungs- und Transferaufgaben. Mit der Einstellung der Landschaftsarchitekturausbildung in Essen, infolge der Auflösung der ehemaligen Universität Gesamthochschule, wuchsen das Kollegium, die Studienangebote und zunächst auch die Studierendenzahlen in Höxter. Mit der Umsetzung des „Bologna-Prozesses” kamen weitere Herausforderungen hinzu. In primärer Verantwortung für die Studierenden waren wir gut beraten, dabei den umweltfachlichen, inhaltlichen Kurs zu halten, um für die drängenden gesellschaftlichen Aufgaben der Daseinsvorsorge, der zukunftsfähigen Landschafts- und Freiraumentwicklung, des Umwelt- und Naturschutzes Lösungen zu entwickeln.
Im Oktober 2024 erlebte die Region eine mehrtägige Feier zum 160-jährigen Bestehen der Hochschullehre in Höxter. Es wurde eine Hochschule gefeiert, die auf eine langjährige Tradition und ein den jeweiligen gesellschaftlichen Umweltherausforderungen angepasstes Studienangebot zurückblicken kann und zugleich zukunftsrelevante Lehre und Forschung bietet, die einen weiteren Ausbau rechtfertigt. Die Notwendigkeit fachlich fundierter Umweltvorsorge und integrierender Umweltplanung in Landschaft und Stadt ist allseits bekannt; Höxter ist in Fachkreisen dafür eine anerkannte Größe.
Umso mehr verwunderte eine Verfügung des Hochschulpräsidiums in Lemgo, die diese anerkannte Tradition jäh beenden würde. Entwicklungsperspektiven aus Lemgo, die auf dem vorhandenen Potential der beiden Fachbereiche aufbauen, sind uns bisher nicht bekannt. Wir haben nicht wahrgenommen, dass angesichts der bekannten Herausforderungen eine inhaltliche Entwicklungsdebatte am „Nachhaltigkeits-Campus” von der Leitungsebene nachhaltig eingefordert worden wäre. Eine sich abzeichnende Fragmentierung inhaltlich zusammengehöriger Fachgebiete und Fachbereiche beziehungsweise Studienrichtungen passt jedenfalls nicht zu den aktuellen, komplexen Umweltherausforderungen, wofür in Höxter immer wieder „auf kurzen Wegen” zukunftsfähige Lösungen entwickelt und in die Lehre integriert worden sind.
Schließlich drängen sich ganz praktische Fragen auf. Wie können beispielsweise die für Forschung und Lehre gegebenen Vorteile des Standorts Höxter (Laborausstattung, Lehrpark, Botanischer Garten, fußläufig erreichbare Landschaft für die Feldforschung etc.) kurzfristig und vor allem in adäquater Qualität an den Hochschulstandorten Detmold und Lemgo gewährleistet werden? Wir haben über viele Jahre und oft Jahrzehnte unseren Dienst als Hochschullehrer gerne ausgeführt.
Wir hatten uns seinerzeit auf entsprechende Ausschreibungen von Professorenstellen beworben und waren uns dabei sowohl der organisatorischen Einbindung in eine Gesamthochschule als auch der Situation einer „Hochschule im ländlichen Raum” bewusst, und wir haben gerade diesen Standort für unsere Lehr- und Forschungstätigkeit als vorteilhaft angesehen! Inhaltliche Argumente waren also entscheidender als z.B. die Bahn- oder Autobahnanbindung. Was übrigens die meisten uns berichtenden Absolventen ebenso taxierten.
Höxter bot schon damals sowohl ein erstklassiges Raumangebot mit gut ausgestatteten Laboren als auch eine ausbaufähig gute Ausstattung mit Personal in Verwaltung und Technik. Daher war es möglich, zahlreiche Projekte zu bearbeiten, bei denen sowohl Studierende als Hilfskräfte mitwirken, als auch Absolventinnen und Absolventen als Zeitangestellte bei der Hochschule arbeiten konnten.
Die Standortgüte kommt im Fachbereich „Landschaftsarchitektur und Umweltplanung” in einer seit ca. 1985 zunehmend starken Drittmittel-Einwerbung zum Ausdruck. Der Fachbereich „Technischer Umweltschutz” (später „Umweltingenieurwesen und Angewandte Informatik”), folgte nachdem der gleichnamige Studiengangs Anfang der 90er Jahre gestartet war. In der Folge wurden zwei Forschungsschwerpunkte eingerichtet, die zunehmende Erfolge bis heute erzielen. Dies ist umso bemerkenswerter, als deutlich weniger Forschungsgelder bzw. Drittmittel im Umweltbereich angeboten werden können. Beim Schutz von Boden, Wasser, Klima, Luft, biologischer Vielfalt und Landschaft stehen eben nicht künftige wirtschaftliche Wertschöpfungspotentiale in Aussicht.
Der junge Hochschulstandort nutzte seinerzeit zudem die Möglichkeit, einen ausgedehnten Landschafts-Lehrpark entwickeln zu können, der ja inzwischen längst als „Botanischer Garten Höxter” über die Region hinaus bekannt geworden ist. Für Studierende und Forschende bietet er einen exzellenten Fundus. Der „Botanische Garten Höxter” bedurfte einer über 40-jährigen Entwicklungszeit. – Ein derartiges „reifes” Angebot kann mit einem Standortwechsel nach Detmold nicht verlagert respektive geschaffen werden, selbst wenn eine vergleichbare Fläche vorhanden wäre. Der erforderliche Neuaufbau eines botanischen Garten erfordert bekanntermaßen mehrere Jahrzehnte, es ist jedoch im besten Sinne nachhaltig das Bestehende in Höxter weiter zu entwickeln!
Desgleichen stellt sich die Frage, wie eine zeitgerechte Verlagerung der naturwissenschaftlich und ingenieurtechnisch genutzten Labore gelingen soll. Für die anwendungsorientierte Ausbildung und die Kontinuität von Drittmittelprojekten sind solche Labore unbedingt erforderlich – und in Höxter sind sie vorhanden. Im Vergleich zu anderen Standorten haben wir die Laborausstattung in Höxter als hervorragend in Erinnerung und wissen von fortlaufenden Modernisierungen, um sie in der Lehre auch fachbereichsübergreifend nutzen zu können. Einige der Unterzeichner konnten sich 2025 von der auch aktuell sehr günstigen Situation persönlich überzeugen. Eine möglicherweise resultierende Trennung von Lehr- und Forschungsstandort ginge zu Lasten der Qualität beider Aufgabenbereiche.
Einige der Unterzeichnenden haben aus übergreifenden Kooperationen detaillierte Kenntnis der Räumlichkeiten (Hörsäle, Labore und Personalräume) am Hochschulstandort Detmold und stellen fest, dass eine überwiegende Verlagerung der Studiengänge aus Höxter mit ihren spezifischen didaktischen Anforderungen allein aufgrund der Örtlichkeiten nicht möglich ist. Wie zu vernehmen war, bestätigt der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW die gute bauliche Eignung der Räumlichkeiten an der Wilhelmshöhe zugunsten eines weiteren Hochschulbetriebs in Höxter sowie das bekannt großzügige Raumangebot in einem funktionalen Gebäudesystem.
Wie schon angedeutet, sind gerade für die umweltbezogenen Studiengänge neben den am Standort gebotenen Lehrmöglichkeiten insbesondere die in direkter Nachbarschaft liegenden Naturräume (Kalkmagerrasen, Rotbuchenwälder, Moore, Fluss- und Stromaue mit Bundeswasserstraße, Naturparke etc.), gut erreichbare technische Anlagen (Abwasserbehandlung, Abfalldeponien, Hochwasserschutz an der Weser, modellhafte Revitalisierung an nahegelegenen Fließgewässern usw.) sowie differenzierte Siedlungs- und Freiraumsituationen von großer Bedeutung im Ausbildungsbetrieb. Diese instruktiven Praxiselemente können direkt in den Lehrbetrieb einbezogen werden. Hochschulstandorte in größeren Städten haben diese Möglichkeiten nicht, denn sie liegen meist in Innenstadtnähe.
Wir verfolgen daher die Bemühungen des „Aktionskreises Lehre an der Hochschule in Höxter” seit seinem Entstehen mit großem Interesse, und wir haben es sehr begrüßt, dass es gelungen ist, sowohl die politischen Parteien der Region, Bürgermeister und Landräte als auch viele weitere staatliche und private Organisationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz für den Erhalt der „Marke Höxter” zu gewinnen.
Es verdient besondere Beachtung, dass der Aktionskreis auch ein Konzept zur Fortentwicklung von Lehre und Forschung an der Abteilung vorgelegt hat. Hierbei werden die Erfordernisse einer europaweiten Vernetzung der Hochschullehre und praxisbezogenen Forschung einschließlich des mediterranen Raums berücksichtigt, so dass beispielsweise auch eine durch den Klimawandel begründete fachliche Erweiterung geschaffen werden kann. Dieses Konzept bietet eine gute Grundlage für ein kooperativ weiter auszugestaltendes, zukunftsfähiges Studienangebot. Dabei sollte man sich auch daran erinnern, dass nicht nur der ehemalige Studiengang Landschaftsarchitektur mittlerweile in mehrere Studiengänge aufgeteilt worden ist. Die immer stärkere Aufsplitterung hat indes auch an anderen Hochschulen nicht zu mehr Studierenden geführt.
Wir regen daher an, über die bereits begonnene Bündelung der weniger nachgefragten Studiengänge hinaus, diese unter einer gesellschaftsrelevanten Überschrift neu zu fokussieren. An der Wilhelmshöhe 44 bestehen beste Voraussetzungen dafür dies weiterhin im direkten Verbund mit Forschung und Transfer am selben Standort umzusetzen. Höxter bleibt dann eine wohlklingende Adresse für Studierende der Landschaftsarchitektur und Umweltplanung sowie Umweltingenieurwesen und Angewandte Informatik.
Eine solche Entwicklungsperspektive wird indes durch die gewissermaßen fachunkundig verordnete Aufgliederung der Fachbereiche des Nachhaltigkeits-Campus unterlaufen, denn die aktuellen Herausforderungen der Biodiversitäts- und Klimakrise erfordern übergreifende Lehr-, Forschungs- und Transferkooperationen, die zwischen Fachgebieten am Standorten Höxter – gleichwohl ausbaufähig – erfolgreich praktiziert wurden und werden. Schon die Studienkonzepte der Gründerphase führten Professorinnen und Professoren des Bauwesens, der Architektur, der Planungswissenschaften sowie der Ökologie und Fächer der Landnutzungsdisziplinen der Agrar- und Forstwirtschaft zusammen. Wenngleich sich die Fachgebietspalette bis dato verändert hat, sichert der weiterhin gepflegte integrierende Ansatz eine problemadäquate Ausbildung. Die Auseinandersetzung mit den Grundlagen, Konzepten und Arbeitsweisen der vielen, in unserer Gesellschaft wirkenden Eingriffsdisziplinen, eröffnet innovative und kooperative Umweltlösungen.
Eine derart umfassende Ausbildung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten am Arbeitsmarkt deutlich bewährt, und hat eine auffallend gute Reputation von Höxter im deutschsprachigen Raum begründet. Wir erhielten und erhalten regelmäßig Rückmeldungen, die den Absolventinnen und Absolventen aus Höxter eine hohe praxistaugliche Kompetenz bei der Lösung komplexer Probleme attestieren. Gefördert wurde und wird dies durch die „fußläufige” Nachbarschaft der Fachgebiete „unter einem Dach”. Sowohl aus räumlicher als insbesondere auch aus fachlicher Sicht sehen wir keinerlei Notwendigkeit, die Entwicklung des Hochschulstandortes Höxter derart abrupt abzubrechen. Eine gewünschte Verringerung der Fachbereiche wäre hier auch durch eine Zusammenlegung der beiden Fachbereiche erreichbar, die inhaltlich sehr viele Schnittschnellen u.a. im Bereich der Umweltvorsoge, der Umweltwissenschaften und Umweltplanung haben.
Der Campus Höxter bietet beste Voraussetzungen, sich als „kompletter” Hochschulstandort weiterhin auszuzeichnen. Das Kreieren, wie zu hören ist, fachlich ganz anders gelagerter Nutzungsmöglichkeiten der Hochschul-Liegenschaft bietet keine Erfolgsgarantie und ist diffus, weil eine konkrete Ausgestaltung fehlt. Insofern ist dem „Aktionskreis Lehre in Höxter” zu danken, dass er durch Einholung von mehr als 40 „Letters of Intent” den guten Namen der Hochschule in Höxter durch Statements renommierter Persönlichkeiten der Umweltwissenschaften als auch entsprechender Institutionen aus Forschung und Praxis dokumentieren konnte. Vertreten sind Statements aus Österreich, der Schweiz und aus mehreren deutschen Bundesländern.
Verehrte Leserinnen und Leser, Mitbürgerinnen und Mitbürger, wir ersuchen Sie darum, sich weiterhin mit aller Kraft für den Erhalt des Hochschulstandorts Höxter einzusetzen, sich über die Pläne des Präsidiums in Lemgo ausführlich zu informieren, sich deren Folgen für die Stadtgesellschaft vorzustellen. Wir empfehlen eine dauerhafte Ablehnung der aktuellen Pläne aus Lemgo/Detmold! Helfen Sie wo möglich mit, die konkreten Vorschläge des Aktionskreises Lehre zu diskutieren und inhaltlich weiter zu konkretisieren, um das Studienangebot in Höxter zu sichern und den Hochschulstandort mit „neuer Überschrift” weiterzuentwickeln.
Wir laden Sie hiermit auch im Blick auf eine „neue Überschrift” herzlich ein, das Klaus Töpfer Umweltsymposium am 9. und 10. Februar 2026 in Höxter https://www.klaus-toepferumweltsymposium.org in weiten Kreisen bekannt zu machen und selbst teilzunehmen! Dieses Symposium steht unter der Schirmherrschaft der nordrhein-westfälischen Bildungsministerin Ina Brandes. Mit den Beiträgen zu diesem Symposium mit Vorträgen und Postern wird wiederum ein Zeichen für die über Jahrzehnte bewährte Lebendigkeit von Lehre und Forschung in Höxter gesetzt.
Hochachtungsvoll,
Ihr
Prof. Dr. Salaman Ajib, Prof. Dr. Joachim Fettig, Prof. Dr. Bernd Gerken, Prof. Dr. Wolfgang Harfst, Prof. Dr. Klaus Maßmeyer, Prof. Dr. Lutz Müller, Prof. Dr. Hans-Günter Ramke, Prof. Dr. Klaas Rathke, Prof. Dr. Ulrich Riedl, Prof. Dr. Udo Schmidt, Prof. Dr. Stefan Taeger