Es war der emotionale Höhepunkt einer intensiven Woche auf der Matte: Bei der Abendgala des 55. Internationalen Bundesseminars des Deutschen Ju-Jutsu Verbandes (DJJV), in Bad Blankenburg im Thüringer Wald wurde Willi Tacke (47) aus Bodenwerder vor mehr als 350 Gästen eine besondere Ehre zuteil. Für seine Verdienste im niedersächsischen und im deutschen Verband verlieh ihm der Deutsche Ju-Jutsu Verband (DJJV) den 6. Dan – und damit den Großmeistergrad.
Überreicht wurde der Gürtel von DJJV-Präsident Roland Köhler, selbst Träger des 10. Dan und des Bundesverdienstkreuzes. Die beiden verbindet eine lange gemeinsame Wegstrecke: Seit Tackes erstem Tag im Bundesvorstand arbeiten Präsident und Marketingdirektor eng zusammen.
„Was ich an Willi schätze: Er meldet sich in Vorstandssitzungen immer nur dann, wenn es wirklich etwas zu sagen gibt – und seine Beiträge sind stets konstruktiv“, sagt Köhler.
Neben der Matte hat Willi Tacke davon reichlich vorzuweisen. Seit zwölf Jahren und damit in der bereits dritten Legislaturperiode verantwortet er als Direktor Marketing im Bundesvorstand des DJJV die strategische Kommunikation und das Marketing des größten Fachverbandes für moderne Selbstverteidigung in Deutschland. Die größte Herausforderung dieser Amtszeit liegt erst wenige Wochen zurück: Am 24. Juli war Ju-Jutsu erstmals Teil der „Finals“ in Hannover. In der Swiss Life Hall kämpften vier Regionalteams um den deutschen Meistertitel – die ARD übertrug live im Hauptprogramm, parallel zur Tour de France. Für die Sportart war es die Premiere im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, und zwar zu einer Sendezeit, um die andere Verbände jahrelang ringen.
Doch Tacke ist nicht nur im Bundesvorstand aktiv, sondern zugleich amtierender Präsident des Niedersächsischen Ju-Jutsu-Verbandes (NJJV). Auch dieses Amt hat er sich von unten erarbeitet: Zwölf Jahre lang war er als Bezirksvorsitzender für die Region Hameln und Hannover verantwortlich, bevor er an die Spitze des Landesverbandes gewählt wurde.
Seine Wurzeln liegen dabei fest im Weserbergland. Kampfsport betreibt Tacke seit seinem zehnten Lebensjahr, mit 14 Jahren rückte er erstmals in den Vorstand des Budo-Clubs Bodenwerder auf, dessen 1. Vorsitzender er inzwischen seit 25 Jahren ist. Der Verein an der Weser war Ausgangspunkt einer Ehrenamtsbiografie, die ihn bis in die Bundesspitze geführt hat. Beim Ju-Jutsu allein ist es dabei nicht geblieben: Auch im Taekwondo trägt Tacke den 6. Dan, im Judo den 2. Dan und in allen drei Sportarten zusätzlich die Trainerlizenzen des Deutschen Olympischen Sportbundes.
„Ich bin mit zehn Jahren in eine Halle in Bodenwerder gegangen und nie wieder richtig herausgekommen“, sagt Tacke. „Dieser Gürtel gehört nicht mir allein. Er gehört allen, die mich auf diesem Weg begleitet haben: Meinem Heimatverein, den Ehrenamtlichen in Niedersachsen und dem Team im Bundesverband. Ohne die Menschen um mich herum stünde ich nicht auf dieser Bühne.“
Zeit zum Ausruhen bleibt ihm nicht. Die nächste Aufgabe steht Anfang Oktober an: Vom 2. bis 4. Oktober richtet der DJJV in Bad Blankenburg das 20. Internationale Polizei-Bundesseminar aus. Dort trainieren Polizei- und Justizbehörden ihre Zugriffs- und Eigensicherungstechniken. Ein Bereich, in dem Ju-Jutsu weit über den Sport hinaus praktische Bedeutung hat.
Der Deutsche Ju-Jutsu Verband (DJJV) ist der größte Fachverband für moderne Selbstverteidigung in Deutschland. Ju-Jutsu ist als Selbstverteidigungssystem in Deutschland entwickelt worden und wird sowohl im Breiten- und Wettkampfsport als auch in der Aus- und Fortbildung von Polizei- und Justizbehörden eingesetzt.
Die Gürtelgrade: Nach den farbigen Schülergraden folgen die Meistergrade. Der 1. bis 5. Dan wird durch den schwarzen Gürtel dargestellt. Ab dem 6. Dan – dem Großmeistergrad – ist die Gürtelfarbe rot-weiß.
Das Bundesseminar des DJJV fand vom 9. bis 15. August 2026 zum 55. Mal in der Landessportschule Bad Blankenburg (Thüringen) statt und ist die größte Lehrgangsveranstaltung des Verbandes.