Bis auf den letzten Platz gefüllt war am Dienstagabend, 27. Januar, das Forum Jacob Pins in Höxter, als die Jacob Pins Gesellschaft und das Bündnis „Holzminden ist bunt“ anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust zu einer Gedenklesung für Margot Friedländer eingeladen hatten. Aufgrund des großen Andrangs mussten kurzfristig zusätzliche Stühle in den Veranstaltungsraum gebracht werden.
Die Lesung erinnerte an die im Jahr 2025 verstorbene Holocaust-Überlebende, Autorin und Zeitzeugin Margot Friedländer und machte eindrücklich deutlich, wie aktuell ihre zentrale Botschaft „Versucht, ein Mensch zu sein“ bis heute ist. Die vorgetragenen Texte spannten einen Bogen von ihrer Jugend im nationalsozialistischen Berlin über die Haft im Konzentrationslager Theresienstadt bis hin zu ihrem bewussten Neubeginn und ihrem jahrzehntelangen Engagement für Erinnerung, Dialog und Verständigung.
Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einem Grußwort von Bürgermeister Daniel Hartmann. In seiner Rede erinnerte er an das Schicksal des jüdischen Künstlers Jacob Pins, der aus Höxter vertrieben wurde, und stellte bewusst Bezüge zur Gegenwart her. Erinnerung, so Hartmann, dürfe sich nicht auf das Gedenken an Vergangenes beschränken, sondern müsse immer auch den Blick auf aktuelle Entwicklungen richten.
Wörtlich sagte er: „In Teilen der Vereinigten Staaten beispielsweise zeigen sich Parallelen zwischen den historischen paramilitärischen Gruppen des Faschismus, Mussolinis Schwarzhemden und Hitlers SA und heutigen Gewalteinheiten wie der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE.“
Hartmann betonte, dass historische Erfahrungen mahnten, staatliches Handeln kritisch zu hinterfragen und die Würde jedes Menschen konsequent zu verteidigen.
Die Lesebeiträge von Antje Knust, Petra Vaal und Christiane Harbort-Ring berührten die Zuhörerinnen und Zuhörer emotional. In eindringlichen Textpassagen wurden Angst, Verlust und Überlebenswillen ebenso erfahrbar wie Margot Friedländers unerschütterliche Haltung der Menschlichkeit. Der Saal verfolgte die Lesung in großer Stille, viele Gäste zeigten sich sichtlich bewegt.
Musikalisch begleitet wurde der Abend von Dr. Jean Goldenbaum, der mit Gitarrenstücken und Gesang zwischen den Textpassagen Akzente setzte. Seine Beiträge schufen Räume des Innehaltens und vertieften die emotionale Wirkung der Lesung.
Die Veranstalterinnen und Veranstalter zeigten sich sehr zufrieden mit der großen Resonanz. Die Gedenklesung habe deutlich gemacht, dass Margot Friedländers Stimme auch nach ihrem Tod weiterwirke – als Mahnung gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung und als eindringlicher Appell zu Haltung, Verantwortung und Mitmenschlichkeit in der Gegenwart.