Auf der Bundesstraße 252 zwischen Brakel und Nieheim an der Abfahrt Bellersen (L 825) gilt künftig für den aus Richtung Brakel kommenden Verkehr eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 km/h statt bisher 100 km/h. Das hat die überörtliche Unfallkommission für den Kreis Höxter beschlossen. Straßen.NRW wird die entsprechende Beschilderung noch in dieser Woche aufstellen.
„Der Bereich der Abfahrt Bellersen ist eine sogenannte Unfallhäufungsstelle – also ein Streckenabschnitt, an dem sich Verkehrsunfälle in auffälliger Zahl ereignen“, erklärt der Vorsitzende der Unfallkommission und Leiter des Fachbereichs Öffentliche Sicherheit und Straßenverkehr beim Kreis Höxter, Martin Lange. „Seit 2009 wurden dort 47 Verkehrsunfälle registriert, bei denen acht Personen schwer und 17 Personen leicht verletzt wurden.“
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung der vergangenen beiden Jahre: Allein in den Jahren 2024 und 2025 entfielen fünf der acht Schwerverletzten sowie elf der 17 Leichtverletzten auf diesen Zeitraum. „Die Unfallkommission wertet dies als klares Signal für eine Zunahme sowohl der Unfallzahlen als auch der Unfallschwere“, so Lange.
Der Entscheidung ging eine sorgfältige Prüfung voraus. Im Sommer wurde an der Unfallstelle eine Geschwindigkeitsmessung durchgeführt, die ein vergleichsweise hohes Geschwindigkeitsniveau bestätigte. Bereits zuvor waren Rechtsabbiegepfeile an der Abfahrt angeordnet worden, um das Abbiegen zu erleichtern.
Der Kreis Höxter, die Kreispolizeibehörde Höxter und Straßen.NRW weisen darauf hin, dass es sich bei der Geschwindigkeitsbegrenzung um eine gezielte Maßnahme für diesen konkreten Unfallschwerpunkt handelt. „Jede Geschwindigkeitsbegrenzung muss sorgsam abgewogen werden, denn sie ist ein gewichtiger Eingriff in den Verkehrsablauf. Deshalb kann eine Geschwindigkeitsbegrenzung auch nur dort eingerichtet werden, wo sie wirklich notwendig ist, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen“, erläutert Landrat Michael Stickeln.
Konkret wurde die schweren Verkehrsunfälle zumeist durch Linksabbieger verursacht, die von Nieheim kommend nach Bellersen abbiegen wollten. „Unachtsamkeit und das falsche Einschätzen der Geschwindigkeit Entgegenkommender spielen hier offensichtlich eine wichtige Rolle. Ähnliche Unfälle sind kreisweit vermehrt an solchen Einmündungen oder Kreuzungen zu beobachten. Um hier die schweren Folgen zu mindern, wird nun die Geschwindigkeitsbegrenzung eingerichtet. Dies war auch schon an anderen Unfallhäufungsstellen erfolgreich“, erklärt Polizeihauptkommissar Markus Tewes, Leiter der Direktion Verkehr der Kreispolizeibehörde Höxter.
Auch bauliche Anpassungen können je nach Entwicklung des Unfallgeschehens an der Einmündung nicht ausgeschlossen werden, sind jedoch mit deutlich mehr Vorlauf verbunden. „Die Reduzierung auf Tempo 70 ist somit die Maßnahme, die kurzfristig umsetzbar ist und zugleich helfen soll, künftige Unfälle nach Möglichkeit zu verhindern“, sagt Fachbereichsleiter Martin Lange.
Zu den wichtigsten Aufgaben der Unfallkommissionen gehört es, durch zielgerichtete Maßnahmen Verkehrsunfälle zu reduzieren und die Folgen von Unfällen zu mindern. Der Unfallkommission für den Kreis Höxter gehören Vertreter der Straßenverkehrsbehörde der Kreisverwaltung, der Kreispolizeibehörde Höxter, des Landesbetriebs Straßenbau Nordrhein-Westfalen, der Bezirksregierung Detmold und der Städte an. Gemeinsam analysieren sie die Unfallauswertungen der Polizei aus fachlicher Perspektive. Der Fokus liegt auf Streckenabschnitten, auf denen es innerhalb bestimmter Zeiträume gehäuft zu Unfällen gekommen ist.
„Bei der vertieften Untersuchung der Unfallursachen betrachten wir insbesondere die Gleichartigkeit von Unfällen, die örtlichen Gegebenheiten und Faktoren, die das Unfallrisiko auf diesen Streckenabschnitten erhöhen könnten“, erklärt der Vorsitzende Martin Lange. Auf dieser Basis beschließt die Unfallkommission geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit. Anschließend überprüft die Unfallkommission die Wirksamkeit der umgesetzten Maßnahmen.