Wenn die Temperaturen steigen, leiden nicht nur Menschen unter der Hitze. Auch Haustiere und Nutztiere benötigen jetzt besonderen Schutz und eine angepasste Versorgung. Das Veterinäramt des Kreises Höxter appelliert deshalb an alle Tierhalterinnen und Tierhalter, ihre Tiere vor Überhitzung zu schützen und ihnen ausreichend Wasser bereitzustellen.
Für Hunde und Katzen gilt: Frisches Trinkwasser muss jederzeit verfügbar sein und täglich gewechselt werden. Statt großer Mahlzeiten sind bei Hitze mehrere kleinere Portionen besser verträglich. Ausgedehnte Spaziergänge oder sportliche Aktivitäten sollten möglichst in die kühlen Morgen- oder Abendstunden verlegt werden.
Eindringlich warnt das Veterinäramt davor, Tiere bei sommerlichen Temperaturen im Auto zurückzulassen – auch nicht für wenige Minuten. Bereits bei einer Außentemperatur von 30 Grad kann sich das Wageninnere innerhalb von rund 15 Minuten auf über 40 Grad aufheizen. „Für Tiere besteht dann akute Lebensgefahr durch einen Hitzschlag“, erklärt Dr. Jens Tschachtschal, Leiter des Veterinärdienstes des Kreises Höxter.
Hunde freuen sich über ein Bad im See oder eine Dusche mit lauwarmem Wasser. Eiskaltes Wasser sollte dagegen vermieden werden. Langhaarige Hunde können bei Bedarf getrimmt werden. Von einer vollständigen Schur rät das Veterinäramt ab, da das Fell auch als Sonnen- und Hitzeschutz dient. In jedem Fall sollten langhaarige Hunde und Katze regelmäßige gebürstet werden, um Verfilzungen zu vermeiden. An wenig behaarten Stellen wie Nase oder Ohren kann spezielle Sonnencreme vor Sonnenbrand schützen.
Kaninchen, Meerschweinchen und andere Kleintiere benötigen ebenfalls schattige und kühle Rückzugsmöglichkeiten – insbesondere in Freigehegen. Zugluft, etwa durch Ventilatoren, sollte vermieden werden. Trinkwasser muss ständig zur Verfügung stehen, Futterreste sind wegen der schnellen Verderblichkeit täglich zu entfernen. Auch bei langhaarigen Kleintieren ist regelmäßige Fellpflege wichtig. Zudem ist es wichtig, Kaninchen und Meerschweinchen im Sommer regelmäßig auf Madenbefall zu untersuchen.
Auch Weidetiere wie Rinder, Schafe, Pferde oder Schweine leiden unter großer Hitze. „Hilfreich ist hier ein wirksamer Witterungsschutz, beispielsweise durch Bäume, Büsche oder Weideunterstände“, sagt Dr. Tschachtschal. Während der Mittagshitze kann es sinnvoll sein, die Tiere in den Stall zu bringen. Entscheidend ist die Wasserversorgung, da der Flüssigkeitsbedarf bei hohen Temperaturen erheblich steigt. So kann eine Hochleistungskuh an heißen Tagen mehr als 130 Liter Wasser aufnehmen.
Die Arbeit mit Pferden sollte möglichst in die Morgen- oder Abendstunden verlegt werden. Da Pferde schwitzen, kann eine Dusche Abkühlung bringen. Damit Schafe die Hitze besser vertragen, benötigen sie jedes Jahr eine Schur, idealerweise im Mai oder Juni.
Tierhalter sind gesetzlich verpflichtet, Stallungen so auszustatten, dass Temperatur und Luftqualität für die Tiere unbedenklich bleiben. Dafür sorgen in modernen Schweine- und Geflügelställe Lüftungsanlagen und Kühlungssysteme. Rinder- und Schafställe kommen meist ohne technische Lüftung aus.
Mit den warmen Temperaturen steigt auch die Belastung durch Mücken, Bremsen, Fliegen und Zecken. „Sie können Tiere erheblich stressen und Krankheiten übertragen“, weist der Veterinäramtsleiter auf Risiken hin. Für Weidetiere stehen verschiedene Insektenschutzmittel zur Verfügung, deren Wirkung allerdings zeitlich begrenzt ist. In Ställen empfiehlt das Veterinäramt eine konsequente Fliegenbekämpfung – einschließlich der Behandlung von Brutstätten in der Gülle.