Schon mal eine Biene gestreichelt? Ja, das geht tatsächlich – bei den Imkern im Archäologiepark Höxter. „Wir haben extra ganz besonders friedliche Völkchen ausgewählt“, erklärt Hubert Otto. Mit ihm oder seinen Kollegen schauen Besucher in die Bienenkästen und schlecken Honig direkt aus der Wabe – ob bei Kindergeburtstagen, mit der ganzen Schulklasse oder bei einem Wachs-Workshop für Erwachsene. So hautnah ran an den Bienenstock kommt man sonst nirgendwo.
„Spätestens, wenn ich den Kindern eine Wabe voll mit 1.500 Bienen in die Hand drücke, sind die mucksmäuschenstill“, sagt der 70-jährige Höxteraner. Wenn Schulklassen, Kita-Gruppen oder Geburtstagsgäste kommen, werden sie mit der entsprechenden Schutzausrüstung ausgestattet, ehe sie den stachelbewehrten Tierchen nähern. „Lernen am lebenden Objekt“ nennt das Hubert Otto. Er lässt die Kids im Bienenschleier schätzen, wie viel Honig wohl in so einer einzigen Wabe steckt. „Und die sind dann total erstaunt, dass daraus zwei Kilo gewonnen werden können.“
Es summt und surrt also weiter im Archäologiepark Höxter: Der zur Landesgartenschau entstandene Imkergarten ist bis heute Heimat einiger Bienenvölker und ein spannender Natur-Lernort. Bei Otto und seinen Mitstreitenden verstehen Kinder und Erwachsene, wie ein straff durchorganisierter Bienenstaat funktioniert – zum Beispiel, was genau der Job von Drohnen, Arbeiterinnen und Königinnen ist. „Wir sehen Eier, Maden und mit Glück auch die Königin.“ Die Imker bieten Kurse im Bunten Klassenzimmer an zum Leben der Biene. Sie führen aber auch gerne Gruppen von Erwachsenen durch den blühenden Garten mit dem charakteristischen Waben-förmigen Pflaster. Anlegt haben sie ihn selbst mit „gigantisch viel“ Eigenleistung zur Landesgartenschau 2023.
„Material und Maschinen wurden uns damals von Bau-Firma Nolte gestellt, dafür waren wir natürlich sehr dankbar“, erinnert sich Hubert Otto. Die Zeit vor und während der Landesgartenschau war extrem arbeitsintensiv für den Kreisimkerverein. „Hier war eigentlich nur eine gepflügte Fläche, die früher Teil des alten Sägewerks war. Wir haben daraus diesen besonderen Bienen-Garten gemacht, den wir bis heute ehrenamtlich pflegen und unterhalten.“ Praktischerweise gab es unter den Imkern mit Martin Bieber und Martina Kleinbömer sogar zwei ausgebildete Landschaftsplaner mit dem nötigen Knowhow.
Ein halbes Jahr lang standen die Imker 2023 fast täglich den Gartenschau-Gästen Rede und Antwort. Ihr Garten war ein echter Besucher-Magnet: „Ich habe mich im Nachhinein geärgert, dass wir den geplanten Personenzähler am Eingang doch nicht eingebaut haben. Aber die Resonanz war toll. Wir haben damals allein 28.000 Probierlöffel verbraucht.“ Im Gedächtnis blieb der Tag während der Landesgartenschau, als ein Bienenvolk sich unverhofft teilte und die eine Hälfte ausschwärmte. „Die Bienentraube im Baum - das war natürlich die Attraktion.“ Eingefangen wurde das Volk in einem Strohkorb, der fortan als Anschauungsobjekt diente.
Bis heute bieten die Imker im Höxteraner Archäologiepark ein faszinierendes Naturerlebnis rund um die fleißigen Nektar- und Pollen-Sammlerinnen. Die machen täglich richtig Kilometer: „Es gibt nicht umsonst den Spruch: Dreimal um die Erde für ein Glas Honig.“ Man kann mit den Imkern im Archäologiepark Höxter neuerdings auch einen außergewöhnlichen Kindergeburtstag rund um die Honigbiene feiern. „Auf Wunsch rollen oder gießen wir Kerzen, werden mit Wachs kreativ oder stellen Frischhaltetücher mit Bienenwachs her“, berichtet Hubert Otto. Ein ähnlich attraktives Programm bieten die Imker im Rahmen der Workshops des Huxariums auch für Erwachsene an (Termin: 28.06.2026, 13 Uhr, Kosten: 19 Euro zuzüglich Material, online buchbar).
Individuelle Termine bei den Imkern können über den Huxarium Gartenpark Höxter vereinbart werden. Alle Infos dazu sind auf der Homepage nachzulesen und können bei Gizem Cevik erfragt werden (g.cevik@hoexter.de, Tel.: 0 52 71/963 40 51).
Dank der Schaukästen und Tafeln ist der Bienengarten im Archäologiepark aber auch ohne Betreuung ein informativer Ort, der täglich zu den Öffnungszeiten besichtigt werden kann. Kinder unter 18 Jahren haben im Geschichtspark nahe des Welterbes Corvey übrigens immer freien Eintritt. Familien können nach dem Besuch bei den Bienen natürlich noch über den großen Spielplatz toben, im Archäologie-Sandkasten buddeln, Hörspiele zum Leben im Mittelalter hören oder virtuell auf dem Tablet durch Gebäude der versunkenen Stadt spazieren.