Die Frauenberatungsstelle der AWO im Kreis Höxter blickt auf ein bewegtes Jahr 2025 zurück – und zugleich auf ein bedeutendes Jubiläum: Seit zehn Jahren unterstützt die Einrichtung Frauen auf ihrem Weg aus Gewalt, Bedrohung und Abhängigkeit. Die Bilanz zeigt dabei deutlich: Der Bedarf an Hilfe und Beratung wächst weiterhin.
Seit ihrer Gründung im Jahr 2015 hat die Fachberatungsstelle mehr als 1350 Frauen begleitet und über 4380 Beratungsgespräche geführt. Allein im vergangenen Jahr suchten 183 Frauen Unterstützung – ein Anstieg von mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt fanden 2025 fast 600 Beratungen und Begleitungen statt.
„Unser Angebot ist heute genauso wichtig wie zu Beginn”, betonen die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle. Häusliche Gewalt, sexuelle Übergriffe, Stalking und digitale Gewalt gehörten weiterhin zu den häufigsten Themen der Beratung.
Besonders alarmierend: In den meisten Fällen stammte die Gewalt aus dem direkten persönlichen Umfeld der Betroffenen. Häufig seien (Ex-)Partner oder Ehemänner die Täter. Gleichzeitig werde deutlich, dass Gewalt Frauen aller Altersgruppen, Nationalitäten und sozialen Hintergründe betreffe.
Besonders betroffen waren Frauen mittleren Alters und mit deutscher Staatsangehörigkeit. Neben der akuten Beratung sieht die Frauenberatungsstelle vor allem in der Präventionsarbeit einen wichtigen Schlüssel im Kampf gegen Gewalt an Frauen. Veranstaltungen, Informationsangebote und öffentliche Aktionen sollen sensibilisieren und frühzeitig Hilfe ermöglichen. Doch genau dieser Bereich gerät zunehmend unter Druck. „Die steigenden Beratungszahlen führen dazu, dass kaum noch Zeit für Präventionsarbeit bleibt”, heißt es im Bericht. Trotz des hohen Bedarfs fehlen bislang zusätzliche finanzielle Mittel, um weitere Fachstunden ausreichend finanzieren zu können.
Ein wichtiger Fortschritt gelang dagegen in der Zusammenarbeit mit der Kreispolizeibehörde Höxter. Seit Ende 2024 informiert die Polizei – mit Zustimmung der Betroffenen – die Beratungsstelle direkt nach Einsätzen wegen häuslicher Gewalt. Dadurch können die Mitarbeiterinnen proaktiv Kontakt zu betroffenen Frauen aufnehmen und Unterstützung anbieten.
Die Frauenberatungsstelle bietet ihre Unterstützung an mehreren Standorten im Kreis Höxter an – darunter in Höxter, Bad Driburg, Steinheim und Peckelsheim. Auch an weiteren Orten können nach Absprache Termine stattfinden. Die Beratung ist kostenlos, anonym und auf Wunsch auch barrierefrei möglich.
Zum Angebot gehören Krisenintervention, Sicherheitsplanung, Begleitung zu Behörden, Unterstützung bei rechtlichen Fragen sowie telefonische und digitale Beratung. Auch Angehörige und Fachkräfte können sich beraten lassen.
Finanziert wird die Arbeit überwiegend durch Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen. Zusätzliche Unterstützung erhält die Beratungsstelle vom Kreis Höxter und dem ZONTA Club Höxter, und der AWO Kreisverband Höxter bringt als Träger Eigenmittel ein. Dennoch bleibe die finanzielle Situation angespannt bzw. lasse eine Ausweitung des Beratungsangebotes nicht zu.
Zum Abschluss ihres Jahresberichtes richtet die Einrichtung deshalb einen deutlichen Appell an Politik und Gesellschaft: Der Schutz von Frauen vor Gewalt dürfe nicht von kommunalen Haushaltslagen abhängen, sondern müsse langfristig und verlässlich gesichert werden.
Die Beraterinnen weisen zusätzlich auf Angebot des Frauen- und Kinderschutzhauses des Kreises Höxter hin, welches 24/7 unter der Nummer 0171 5430155 zu erreichen ist. Das kostenlose bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen” ist 24 Stunden am Tag unter der Nummer 116 016 oder online erreichbar und berät in 18 verschiedenen Sprachen. Mittlerweile gibt es ebenfalls ein bundesweites Hilfetelefon „Gewalt an Männern”. Dieses erreicht man unter 08001239900 oder ebenfalls online per Chatberatung.