Gemeinsam gegen häusliche Gewalt | OWZ zum Sonntag

Veröffentlicht am 05.05.2026 10:40

Gemeinsam gegen häusliche Gewalt

V.l.: Carina Stegemann (Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Holzminden), Katja Klose (GF VfS),Silke Clerc, (BISS), Anita Hummel (Befem). (Foto: Landkreis Holzminden)
V.l.: Carina Stegemann (Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Holzminden), Katja Klose (GF VfS),Silke Clerc, (BISS), Anita Hummel (Befem). (Foto: Landkreis Holzminden)
V.l.: Carina Stegemann (Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Holzminden), Katja Klose (GF VfS),Silke Clerc, (BISS), Anita Hummel (Befem). (Foto: Landkreis Holzminden)
V.l.: Carina Stegemann (Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Holzminden), Katja Klose (GF VfS),Silke Clerc, (BISS), Anita Hummel (Befem). (Foto: Landkreis Holzminden)
V.l.: Carina Stegemann (Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Holzminden), Katja Klose (GF VfS),Silke Clerc, (BISS), Anita Hummel (Befem). (Foto: Landkreis Holzminden)

Die Gewalt im Landkreis Holzminden zeigt sich deutlich an den hohen Beratungszahlen, die im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind: Auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Holzminden fand deshalb am 20. April 2026 die Sitzung des „Runden Tisches Häusliche Gewalt“ statt. Ziel des interdisziplinären Netzwerkes ist es, Betroffene wirksam zu unterstützen, Prävention zu stärken und die Zusammenarbeit relevanter Akteur*innen kontinuierlich auszubauen.

„Häusliche Gewalt ist ein komplexes gesellschaftliches Problem, das wir nur gemeinsam mit hoher fachlicher Sensibilität bewältigen können“, betont Gleichstellungsbeauftragte Carina Stegemann „Die enge Vernetzung und der regelmäßige Austausch sind dabei unverzichtbar.“ Gemeinsam mit Silke Clerc, Fachkraft der BISS, und Anita Hummel, Fachkraft Befem sowie Katja Klose, Geschäftsführerin des VfS, koordiniert leitet sie den Runden Tisch.

Der Runde Tisch vereint seit 2002 Vertreter*innen verschiedener Institutionen, die beruflich mit dem Thema häusliche Gewalt in Berührung kommen. Dazu gehören unter anderem die Polizei, Beratungsstellen, Justiz, Ärzt*innen, Rechtsanwält*innen, das Jobcenter, die AMEOS Klinik sowie Fachkräfte aus diversen Bereichen des Landkreises Holzminden, bspw. das Jugendamt, das Migrationsbüro und der Sozialpsychiatrische Dienst. Darüber hinaus sind weitere Fachbereiche eingeladen, die sich aktiv engagieren möchten und Schnittstellen zum Thema aufweisen.

„Unser Ziel ist es, bestehende Kooperationen zu vertiefen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und Synergien konsequent zu nutzen“, so die Gleichstellungsbeauftragte weiter. „Ein gestärktes Netzwerk bedeutet nicht nur bessere Abstimmungsprozesse zwischen den Institutionen, sondern auch mehr Handlungssicherheit für die Fachkräfte und vor allem Schutz und Unterstützung für Betroffene.“

Im Mittelpunkt der diesjährigen Sitzung standen die Jahresberichte 2025 der Gewaltberatungsstellen und des Frauenhauses. Aktuelle Herausforderungen aus der Praxis sowie die Weiterentwicklung bestehender Kooperationsstrukturen waren ebenso wichtige Bestandteile der Sitzung. Die Berichte der Gewaltberatungsstellen machen deutlich, dass die Beratungszahlen hinsichtlich der Gewalt im Landkreis Holzminden steigen: Die Fachkräfte beraten und intervenieren trotz sehr knapper zeitlicher und personeller Ressourcen, das ganze Jahr durchweg zum Thema Gewalt.

Insgesamt sind 373 Fälle häuslicher Gewalt, davon 310 Frauen und 63 Männer, in 2025 bei der Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt, kurz BISS erfasst worden. Das Hauptalter der Betroffenen (zwischen 31 bis 40 Jahren) lässt darauf schließen, dass oftmals Kinder, die im Haushalt leben (267), involviert und mitbetroffen sind. An Kindern geht das Erlebte nicht spurenlos vorbei, sie hören und spüren diese innerfamiliären Anspannungen und können diese alleine nicht bearbeiten. Betroffene sind zudem meist finanziell abhängig von der bestehenden Partnerschaft. Beides Faktoren, die eine Trennung erheblich erschweren.

Doch auch eine Trennung vom gewaltbereiten Part der Beziehung macht wenig Hoffnung auf ein Ende der Gewalt. Die Statistik zeigt, dass bei 42 Prozent der gemeldeten Fälle, häusliche Gewalt auch nach einer Trennung oder erst durch die Trennung weiter bestehen bleibt. Daraus wird geschlussfolgert, dass ein mitunter bestehendes Kontaktverbot oft nicht ausreicht, um die Betroffenen langfristig zu schützen. Besonders bei gemeinsamen Kindern wird vielfach über die Umgangskontakte weiterhin Gewalt gegen das betroffene Elternteil ausgeübt.

Auch die Beratungsstelle für Frauen und Mädchen bei Mobbing, Stalking, Bedrohung und Gewalt, kurz Befem, hat eine solche Tendenz zu verzeichnen. 454 Beratungen haben dort 2025 stattgefunden.

„Ein sehr umfangreiches und stetig wachsendes Thema in der Beratungsstelle“, so Anita Hummel, „ist die Gewalt nach einer Trennung vom Lebenspartner bzw. Ehemann. Besonders bei gemeinsamen Kindern entstehen nach der Trennung durch gemeinsame Umgangskontakte weiterhin Situationen, in denen die Frau von ihrem Ex-Lebenspartner wiederholt Gewalt erlebt. Laut einer Studie von Schröttle und Müller geht hervor, dass 42 Prozent der Frauen, die bereits in der Beziehung Gewalt erlebten, auch nach der Trennung durch Umgangskontakte angegriffen wurden und 27 Prozent der Frauen von ihrem Ex-Partner bedroht wurden.“

Der Runde Tisch blickt auf eine langjährige Entwicklung zurück und hat sich als tragfähige Struktur im Landkreis etabliert. Auch künftig sollen gemeinsam konkrete Maßnahmen erarbeitet werden, um häuslicher Gewalt im Landkreis Holzminden entschieden entgegenzutreten. Die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und aufzuklären soll dabei oberste Priorität haben. Informationen zu den Hilfs- und Unterstützungsangeboten im Landkreis Holzminden ist im Flyer „Ohne Gewalt leben“ zu finden, der auf der Website des Landkreises zu finden ist. Weitere Informationen finden Interessierte auf der Webseite www.landkreis-holzminden.de unter dem Reiter Gleichstellungsbüro.

Betroffene von häuslicher Gewalt oder Angehörige dieser erhalten Hilfe bei den folgenden Stellen: Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ Tel. 116 016; BISS Tel. 0 55 31 94 92 98; Befem Tel. 0 55 31 121 67 47; Polizei Tel. 0 55 31 9580 oder Notruf 110; Frauenhaus Tel. 0 15 11 1127 8291; online Platzsuche unter www.frauenhaus-suche.de.

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