Im Rahmen einer Vorlesung für Senior*innen stellten Studierende der Fakultät Soziale Arbeit der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Holzminden die Ergebnisse ihrer Projekte aus dem Modul Gemeinwesenarbeit unter Leitung von Prof. Dr. Angelina Göb vor. Der lockere Auftakt bei Kaffee und Kuchen in der Mensa gab einen Ausblick darauf, was die Studierenden im Verlauf des letzten Jahres anhand von Umfragen und Interviews festgestellt haben: Holzminden kann mehr solcher (temporären) Begegnungsorte für Kontakt und Kommunikation gebrauchen.
Unter dem Titel „Gemeinsam für Holzminden“ präsentierten 20 Studierende ihre Erhebungsergebnisse Gästen aus der Drehscheibe, dem Seniorenrat der Stadt Holzminden und Fachkräften aus der Region. Zuvor hatten sie sich im Seminar Gemeinwesenarbeit in zwei Semestern mit der Frage nach dem Zusammenleben in Holzminden auseinandergesetzt, Bedarfe ermittelt und Handlungsempfehlungen abgeleitet.
Auf eine Online-Umfrage unter Jugendlichen und Erwachsenen sowie Expert*innen-Gesprächen mit hiesigen Akteur*innen im Wintersemester 2025/26 folgten im Sommersemester 2026 die Foto-Mitmachaktion „Mein Holzminden, meine Stadt“ und Interviews mit Besucher*innen des Familien- und Kulturzentrums Drehscheibe. Die Erhebungen seien zwar nicht repräsentativ, ergäben jedoch einen guten Einblick in das Zusammenleben und den Zusammenhalt vor Ort, stellten die Studierenden fest.
Das Ergebnis: Die an den Erhebungen teilnehmenden Personen wünschen sich mehr Begegnung – im Alltag und an dafür vorgesehen Orten, nicht nur in einzelnen Gruppen, sondern zwischen unterschiedlichen Gruppen. „Es geht um das wechselseitige Verstehen und Verständnis“, erklärte Nieram Kamber, Student der Sozialen Arbeit. „Das bedeutet: Kontakt zwischen allen Bewohner*innen der Stadt und des Umlandes auf- und ausbauen, auch um Vorurteile abzubauen.“ Zentral sei, ein Miteinander zu schaffen und Interesse an Neuem und Fremdem zu wecken. So gelänge ein funktionierendes Gemeinwesen.
„Wichtig dafür sind Orte, die das Miteinander erlebbar machen“, führte Studentin Mira Steinhoff aus. „Das können temporäre Zusammenkünfte bei Festen oder bekannte soziale Infrastrukturen wie das Schwimmbad, das Jugend- und Familienzentrum, aber auch ein Café oder der Supermarkt sein.“ Alltagsbegegnungen seien keinesfalls banal, sondern zeigten den Umgang miteinander. So sei auch der Gruß auf der Straße oder der Smalltalk an der roten Ampel wichtig für das Zusammenleben, genauso wie die Erreichbarkeit von Einrichtungen und Ortschaften außerhalb über den Bus- und Bahnverkehr. „Dieser Zugang stellt die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sicher und ermöglicht ein gelungenes Miteinander“, fasste Studentin Pia Heinemeyer zusammen.
Gemeinwesenarbeit aktiviert und motiviert dazu, gesellschaftliche Teilhabe nicht nur zu erleben, sondern auch zu leben – durch Mitgestaltung, damit sich alle in Holzminden wohlfühlen können, so das Fazit. Die Erhebung und die daraus abgeleiteten Ergebnisse sind dafür ein erster Schritt