Verleihung des Anja-Niedringhaus-Preises an Johanna-Maria Fritz | OWZ zum Sonntag

Veröffentlicht am 18.06.2026 14:55

Verleihung des Anja-Niedringhaus-Preises an Johanna-Maria Fritz

Johanna-Maria Fritz in der Ukraine. (Foto: Yevhen Alkhimov)
Johanna-Maria Fritz in der Ukraine. (Foto: Yevhen Alkhimov)
Johanna-Maria Fritz in der Ukraine. (Foto: Yevhen Alkhimov)
Johanna-Maria Fritz in der Ukraine. (Foto: Yevhen Alkhimov)
Johanna-Maria Fritz in der Ukraine. (Foto: Yevhen Alkhimov)

Das Forum Anja Niedringhaus lädt am Samstag, 27. Juni, um 13 Uhr zu einem besonderen Event ein: Erstmals wird der renommierte Anja-Niedringhaus-Preis für Mut im Fotojournalismus (Anja Niedringhaus Courage In Photojournalism Award) in Höxter verliehen. Die Preisträgerin des Jahres 2025 ist Johanna-Maria Fritz, Fotojournalistin bei der Ostkreuz Agentur. Ihre Schwerpunkte sind Krieg, Menschenrechte und soziale Themen, derzeit arbeitet sie vor allem in der umkämpften Ost-Ukraine. Mit Johanna-Maria Fritz erhielt erstmals eine deutsche Fotografin die Auszeichnung, die seit 2015 von der International Women’s Media Foundation (IWMF) verliehen wird.

Besonders freut sich der Verein darüber, auch die US-amerikanische Fotografin Heidi Levine im Forum in Höxter begrüßen zu dürfen. Sie war die erste Preisträgerin des Anja-Niedringhaus-Preises. Heidi Levine reist zur Preisverleihung aus Israel an, wo sie für „The Washington Post“ die Auswirkungen des Kriegs mit dem Iran dokumentiert.

Höxters Bürgermeister Daniel Hartmann wird zu Beginn der öffentlichen Preisverleihung, die von der Musikschule Höxter musikalisch begleitet wird, ein Grußwort sprechen.

Der Preis würdigt das Leben und Werk von Anja Niedringhaus (1965–2014). Die in Washington ansässige IWMF ehrt damit die mutige Arbeit von Frauen im Fotojournalismus. Die Auszeichnung wurde im Jahr 2014 nach dem gewaltsamen Tod von Anja Niedringhaus ins Leben gerufen und mit einer Spende von einer Million US-Dollar der Howard G. Buffett Foundation ausgestattet. Jedes Jahr wird eine Fotojournalistin geehrt, deren Arbeit – wie die von Anja Niedringhaus – Mut und Engagement widerspiegelt. Die Preisträgerin erhält ein Preisgeld von 20.000 US-Dollar. Howard G. Buffett, selbst ein leidenschaftlicher Fotograf, hatte im FAN im Jahr 2023 seine Bilder aus der Ukraine ausgestellt.

Bei der Feierstunde im Forum Anja Niedringhaus wird Johanna-Maria Fritz über ihre Arbeit in Krisen- und Kriegsgebieten sprechen und eine Auswahl ihrer Bilder zeigen. Vor Beginn des Ukraine-Kriegs berichtete sie unter anderem aus Afghanistan und über den Sturz des Assad-Regimes in Syrien.

Den Anja-Niedringhaus-Preis erhielt sie für Bilder aus dem Sudan: Ihr preisgekröntes Portfolio „Al Naw: Das letzte Krankenhaus“ gibt erschütternde Einblicke in eine der weltweit am meisten vernachlässigten humanitären Krisen. Johanna-Maria Fritz veröffentlicht regelmäßig in der „Zeit“, dem „Spiegel“, dem „Stern“ und internationalen Medien wie „Le Monde“. Ihre Arbeiten wurden weltweit in Museen, Galerien und auf Festivals ausgestellt. 2024 erhielt sie für ihre Fotos aus der Ukraine den World Press Photo Award.

Als Anja Niedringhaus 2014 in Afghanistan erschossen wurde, studierte Johanna-Maria Fritz noch an der Ostkreuzschule für Fotografie (OKS) – die beruflichen Wege der beiden mutigen Fotografinnen kreuzten sich somit nicht. „Es macht mich traurig, dass ich Anja Niedringhaus nie kennenlernen konnte“, sagt Johanna-Maria Fritz. „Gerade heute, nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre, hätte ich mich sehr gerne mit ihr ausgetauscht.“ Es gebe nicht viele deutschsprachige Frauen, die über einen so langen Zeitraum aus Kriegs- und Krisengebieten berichteten. „Oft hätte mich interessiert, wie Anja Niedringhaus mit bestimmten Situationen umgegangen ist, wie sie Entscheidungen getroffen hat und wie sie es geschafft hat, diesen Beruf über so viele Jahre auszuüben“, sagt Johanna-Maria Fritz. „Ich glaube, wir hätten viel miteinander zu besprechen gehabt.“

Für Heide Ute Niedringhaus, die Mutter von Anja Niedringhaus, ist es eine „besondere Ehre, dass die Verleihung des Anja-Niedringhaus-Preises für Mut im Fotojournalismus erstmals in Höxter stattfindet“. Sie verweist darauf, dass die erste Preisverleihung 2015 in Berlin erfolgte, die Feierstunden der darauffolgenden Jahre dann in Washington und New York. „Anja war ihrer Heimatstadt Höxter immer sehr verbunden, das Forum Anja Niedringhaus ist der perfekte Ort, um den zu ihrem Gedenken ins Leben gerufenen Preis zu verleihen.“

Die in Höxter geborene Anja Niedringhaus ist für Fotografinnen weltweit ein Vorbild. Das im Jahr 2023 eröffnete Forum Anja Niedringhaus bewahrt ihr Andenken und widmet sich als Kultur- und Begegnungsort den vielfältigen Facetten der Fotografie. Als erste deutsche Frau erhielt sie im Jahr 2005 den Pulitzer-Preis für aktuelle Fotoberichterstattung. Im selben Jahr würdigte die IWMF ihre Arbeit in der Männerdomäne Kriegsfotografie.

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