Zwischen dem malerischen Kloster Yuste, in dem Kaiser Karl V. seine letzten Lebensjahre verbrachte, und der Kleinstadt Cuacos de Yuste liegt eine deutsche Kriegsgräberstätte. Hier im Westen Spaniens sind 180 deutsche Soldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg bestattet. Für die ehrenamtliche Pflege und Instandsetzung des Friedhofes haben sich in diesem Jahr wieder zehn Soldaten aus dem Panzerpionierbataillon 1 in Holzminden gemeldet. Landrat Michael Schünemann als Vorsitzender des Kreisverbandes der Deutschen Kriegsgräberfürsorge hat den freiwilligen Einsatz gemeinsam mit dem stellvertretenden Kommandeur des Panzerpionierbataillons 1, Oberstleutnant Torsten Graack, Oberstleutnant a.D. Rainer Grygiel als Bundeswehrbeauftragtem des Volksbundes, Ottmar von Holtz, dem Vorsitzenden des Volksbund-Bezirksverbandes Hannover, und Henrik Berthold, Geschäftsführer des Volksbund-Bezirksverbandes Hannover, im Kreishaus gewürdigt.
Auch wenn weder im Ersten noch im Zweiten Weltkrieg auf spanischem Territorium Kampfhandlungen stattfanden, existierten doch vor den 1980er Jahren in 68 spanischen Gemeinden deutsche Kriegsgräber. Die Mehrzahl der hier Bestatteten gehörte der Luftwaffe und der Kriegsmarine an, wobei es sich nicht um Tote aus der Legion Condor handelt. Die Überreste der 26 Soldaten aus dem Ersten und 154 aus dem Zweiten Weltkrieg wurden 1983 auf dem Friedhof Cuacos de Yuste ca. 150 Kilometer westlich von Madrid zusammengeführt.
„Wir erleben derzeit eine Welt, die immer mehr Risse durch immer mehr Konflikte und Kriege zu bekommen scheint – Konflikte, die auch in Deutschland längst angekommen sind. Dass sich Freiwillige in so einer Welt um einen Platz sorgen, an denen Menschen zu Versöhnung und Verständigung finden können, verdient allerhöchsten Respekt“, machte Landrat Schünemann während der Veranstaltung deutlich, „Sie tun das alles ehrenamtlich, stärken Zusammenhalt und erinnern an Frieden.“ Er dankte den Soldaten für ihren ehrenamtlichen Einsatz und dafür, dass sie einen Ort des Gedenkens, Erinnerns und Mahnens wieder begehbar gemacht haben. Für das außergewöhnliche Engagement bedankten sich auch Ottmar von Holtz und Henrik Berthold vom Volksbund-Bezirksverband Hannover. Kriegsgräberstätten als Träger von Erinnerungskultur seien Aushandlungsort sowohl von individueller als auch gesellschaftlicher Verantwortung, betonten beide.
Besonders anspruchsvoll waren bei der diesjährigen Instandsetzung die landschaftlichen und wetterbedingten Gegebenheiten. Die Kriegsgräberstätte hält sich stilistisch ganz an die örtlichen Bauweisen und liegt auf etwa 520 Höhenmetern. Die Instandsetzung der Natursteinmauer und dem Rückschnitt der Vegetation im hinteren Teil des Friedhofes sowie den Randbereichen waren daher nur eine der durchgeführten Arbeiten der zehn Ehrenamtlichen vor Ort.
Die weiteren Arbeiten stellte Stabsfeldwebel Stefan Lonn vor, der den Einsatz angeführt hatte. So wurde das Mosaik auf dem Parkplatz vor dem Eingang ausgebessert, das Dach des Eingangsgebäudes erneuert, die Grabzeichen gereinigt und die Holzbänke auf dem Friedhof ausgebessert, geschliffen und gestrichen. Auch für eine verbesserte Versickerung von Regenwasser sorgten die zehn Ehrenamtlichen auf dem Friedhof in Spanien: Sie verlegten in Handarbeit Regenrinnen, durch die das Regenwasser umgeleitet werden soll – das alles in spanischer Junihitze von bis zu 42 Grad.
Wie bei jedem Kriegsgräbereinsatz ging es aber auch darum, über die Grenzen hinweg neue Menschen kennenzulernen, Kontakte zu pflegen und sichtbar zu sein. Die Soldaten berichteten in der Feierstunde von vielen Gesprächen trotz Sprachbarriere auf dem von Besuchenden durchaus hoch frequentierten Friedhof. Denn da in nächster Nachbarschaft das Grab des Kaisers Karls V. als weitere Erinnerungsstätte liegt, wird auch der Kriegsgräberfriedhof viel besucht. Bei der gemeinsamen Andacht zum Schluss des Einsatzes gab es ebenfalls eine große Teilnahme: Etwa 30 Menschen aus der naheliegenden Ortschaft wohnten der Andacht der Bundeswehr auf dem Friedhof bei.
Auch dieses Mal konnten die Teilnehmenden einen Teil der für den Einsatz ausgelegten Kosten wieder an den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. zurückgeben. Die anwesenden Vertreter des Volksbundes nahmen die finanzielle Unterstützung dankend an und lobten die zehn Soldaten für ihre hervorragend geleistete Arbeit. Der Volksbund, der in ganz Europa Gräber pflegt, Angehörige betreut und Jugend- und Bildungsangebote erarbeitet, finanziert diese Aufgaben als gemeinnütziger Verein überwiegend durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Oberstleutnant Thorsten Graack kündigte daher bereits die jährliche Spendensammlung der Bundeswehr zum Volkstrauertag am 15.11.2026 an, um Freiwilligenaktionen wie diese weiterhin zu unterstützen.
Schließlich wurden bei der Veranstaltung auch zwei mit der Ehrennadel in Silber und der Anerkennungsmünze in Silber des Volksbundes geehrt, die die jährlichen Feierstunden zu Ehren der Kriegsgräberpflegeeinsätze im Kreishaus organisiert und möglich gemacht hatten. Einer der beiden war Dr. Hilko Linnemann, der als Kreisgeschäftsführer des Volksbundes seine letzte Feierstunde begleitete. Der zweite Geehrte Landrat Michael Schünemann nutzte den Termin, um seinem Nachfolger Bjarne Allruth die Arbeit des Volksbundes vorzustellen.