Wie stark ist die Weser im Kreis Holzminden belastet? | OWZ zum Sonntag

Veröffentlicht am 24.09.2026 10:32

Wie stark ist die Weser im Kreis Holzminden belastet?

Matthias Ahlbrecht nimmt eine Wasserprobe. (Foto: Harald Gülzow)
Matthias Ahlbrecht nimmt eine Wasserprobe. (Foto: Harald Gülzow)
Matthias Ahlbrecht nimmt eine Wasserprobe. (Foto: Harald Gülzow)
Matthias Ahlbrecht nimmt eine Wasserprobe. (Foto: Harald Gülzow)
Matthias Ahlbrecht nimmt eine Wasserprobe. (Foto: Harald Gülzow)

Vielen ist der VSR-Gewässerschutz im Kreis Holzminden von den Informationsständen bekannt, an denen jeder sein Brunnenwasser mitbringen und analysieren lassen kann. Hier erfahren die Brunnenbesitzer, ob ihr Brunnenwasser mit Nitraten belastet ist. Die Nitratbelastung im Grundwasser stellt allerdings nicht nur bei der Verwendung des Wassers ein Problem dar, sondern auch in der Weser und ihren Nebenflüssen. Die Nitrate werden weiter in die Nordsee transportiert. Der VSR-Gewässerschutz führte im Dezember 2025 eine Messfahrt an der Weser von Hann. Münden bis Bremen durch. Es zeigt sich, dass die Nitratbelastung dringend verringert werden muss um die Artenvielfalt zu fördern.

Im Kreis Holzminden war Matthias Ahlbrecht für den VSR-Gewässerschutz unterwegs. Er beprobte als erstes im Raum Lauenförde – Beverungen die Weser und ermittelte 16,8 Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat. Weiter ging es flussabwärts. Die Messung in Heinsen ergab dann 17,0 mg/l Nitrat im Weserwasser. „Ich stellte fest, dass die Weser in Bodenwerder mit 17,6 mg/l Nitrat etwas höher belastet ist“, erklärt Matthias Ahlbrecht.

Nach der Oberflächengewässerverordnung soll die Weser in Bremen die Stickstoffkonzentration von 2,8 mg/l nicht überschreiten. „Dies entspricht einem Nitratwert von 12,3 mg/l. Leider haben wir in Bremen am Weserwehr 16,3 mg/l gemessen. Um die Nitratkonzentration hier zu senken, sollten an allen Quell- und Nebenflüssen dieser Zielwert eingehalten werden“, erklärt Harald Gülzow, der schon seit 40 Jahren für den VSR-Gewässerschutz Messfahrten an den Flüssen durchführt. Der VSR-Gewässerschutz fordert, dass die Nitratbelastung in der Weser dringend verringert werden muss. Die Oberflächengewässerverordnung dient zum Schutz der Flüsse und Bäche. Die Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme in den Flussgebieten richten sich zum Schutz der Meeresgewässer an dem Ziel aus, dass die in die Nordsee mündenden Flüsse den Grenzwert nicht überschreiten. „Zu viel Nitrat im Wasser fördert das Algenwachstum. Nach dem Absterben zersetzen Bakterien die Algen. Dieser Prozess benötigt Sauerstoff. Tiere können dann nicht mehr in diesem Wasser leben. Sogenannte Todeszonen entstehen. Es kommt zum Verlust der Artenvielfalt in der Nordsee,“ betont Harald Gülzow. Mit den Messfahrten soll dazu beigetragen werden, dass sich die Nitrateinträge in die Nordsee verringern.

Der VSR-Gewässerschutz sieht eine der großen Ursachen der Belastung der Weser im zusickernden Grundwasser. „Zusammen mit den Drainagen von den Feldern machen diese diffusen Einträge 87 % der gesamten Nitrateinträge im Wesereinzugsgebiet aus,“ erklärt Harald Gülzow. Auch im Kreis Holzminden ist das Grundwasser zu stark mit Nitraten belastet. Durch die Hilfe von zahlreichen Brunnenbesitzern konnte die gemeinnützige Organisation einen Überblick über die Grundwasserbelastung gewinnen. „Der VSR-Gewässerschutz stellte bei den Brunnenwasser-Analysen im Kreis Holzminden von 2019 bis 2024 fest: 8,8 % der Brunnenwasserproben überschreiten erschreckenderweise den Grenzwert der Nitratrichtlinie von 50 mg/l Nitrat. Die Nitratbelastung im Grundwasser sinkt trotz vieler Auflagen zur Düngemenge und Düngezeitpunkt nicht so wie gehofft“, erklärt Harald Gülzow.

„Nur 13 % der Stickstoffeinträge im Wesereinzugsgebiet stammen aus Punktquellen. Das sind Belastungen aus industriellen Direkteinleitungen oder Abwasser von Kläranlagen, die direkt in ein Gewässer eingeleitet werden. erklärt Harald Gülzow. Gerade bei den Einträgen aus kommunalen Kläranlagen konnte in den letzten Jahrzehnten eine große Verringerung erreicht werden. „Im Kreis Holzminden liegt nach unseren Recherchen der Nitrateintrag der Hälfte der kommunalen Kläranlagen unter 12,5 mg/l“, erklärt Harald Gülzow.

Über den VSR-Gewässerschutz e.V.

Der VSR-Gewässerschutz wurde 1980 als Zusammenschluss verschiedener Bürgerinitiativen gegründet und engagiert sich für den Schutz des Grundwassers und der Gewässer, sowie der Verbesserung der Wasserqualität. Die gemeinnützige Organisation führt Untersuchungen von Grundwasser und Fließgewässern durch. Die Beprobung von Flüssen und Bächen kann der VSR-Gewässerschutz selbst durchführen. Bei den Wasserproben vom Grundwasser ist der Verein jedoch auf die Mithilfe von Brunnenbesitzern angewiesen.

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