Rund zweieinhalb Jahre sind die Schulbeschlüsse des Kreistags mittlerweile alt. Sie sollen die Schullandschaft des Landkreises Holzminden einschneidend verändern und damit eine langfristige nachhaltige Perspektive für die Bildungslandschaft im Bereich der weiterführenden Schulen schaffen. Seitdem steht noch kein Modul auf dem anderen, aber es ist jede Menge passiert. Denn die Planungs-, Genehmigungs- und Ausschreibungsarbeiten erfordern deutlich mehr Zeit als die tatsächliche Bauzeit. Doch jetzt geht das rund 120 Millionen Euro kostende Großbauprojekt, bei dem insgesamt vier Schulen in Bodenwerder, Delligsen, Eschershausen und Holzminden neu bzw. teilneuerrichtet werden, in die nächste Phase. Als eine seiner letzten Amtshandlungen hat der scheidende Landrat Michael Schünemann im Kreishaus mit der Firma Kleusberg, die als Totalunternehmerin beauftragt ist, die jeweiligen Verträge unterschrieben. Im zweiten Quartal sollen dann die ersten Bauaktivitäten starten.
„Ich freue mich, dass wir mit der Realisierung des Gesamtpaketes einen entscheidenden Schritt weiterkommen“, erklärt Schünemann bei der Vertragsunterzeichnung. Ich glaube, dass die Menschen in unserem Landkreis schon sehnsüchtig darauf gewartet haben, einen auch sichtbaren Fortschritt in der Schulentwicklung wahrnehmen zu können. Dieses Warten hat nun bald ein Ende.“
Konkret soll es dann mit den Bauarbeiten für die Oberschule Delligsen (geplante Kosten: 24,28 Mio. Euro), die Förderschule Bodenwerder (22,3 Mio. Euro) und den Bau des Zweitgebäudes der OBS Holzminden (15,84 Mio. Euro) im zweiten Quartal 2027 losgehen, für die geplante Inbetriebnahme bleibt damit der im Kreistagsbeschluss von 2024 vorgesehene Schuljahrbeginn Ende August 2028 voraussichtlich bestehen. Beim größten aller geplanten Neubauten, der fünfzügigen Eschershäuser Oberschule (57,24 Mio. Euro) verschiebt sich der Baubeginn um drei Monate auf Sommer 2027. Der Grund dafür ist, dass noch nicht alle planungsrechtlichen Voraussetzungen vorliegen und auch die geologischen Untersuchungen und Erd- sowie Fundamentarbeiten mit erheblichem Aufwand verbunden sind. Auch die schiere Größe des Bauvorhabens mit einer Fläche von rund 13.000 qm spielt eine Rolle im umfangreichen Bauablauf. Daher verschiebt sich die voraussichtliche Fertigstellung um ein ganzes Jahr. „Leider ist der ursprünglich avisierte Termin, alle vier Bauvorhaben zum Schuljahr 2028/2029 abzuschließen, aufgrund der komplexen Voraussetzungen und dem Bauvolumen des Bauvorhabens in Eschershausen nicht möglich,“ stellt Kreisbaurat Fabian Fischer fest. „Wir haben deshalb die Politik und die Schulleitung in den letzten Tagen und Wochen darüber informiert, dass es zu dieser Verschiebung kommt.“
Dessen ungeachtet ist das Gesamtplanungskonzept nach dem Kreistagsbeschluss von Ende Februar 2024 so ausgelegt, dass nach der Vorentwurfsplanung und der fertiggestellten Leistungsbeschreibung durch die eigens eingerichtete Koordinierungsstelle Schulstruktur des Landkreises für alle Schulbauten ein sogenannter Totalunternehmer für den Modulbau beauftragt werden sollte, der alle weiteren Auftragsleistungen von den weiteren Planungen bis zur Bauausführung übernimmt. Das Ausschreibungsverfahren hatte dann die darin sehr erfahrene Firma Kleusberg gewonnen. „Wir sind davon überzeugt, dass wir einen kompetenten Partner für die Komplettausführung gefunden haben“, sind sich Landrat und Kreisbaurat sicher.
Die Firma Kleusberg ist deutschlandweit eines der größten auf System- und Modulbauweise spezialisiertes Unternehmen. Im Kreistagsbeschluss von 2024 wurde diese Bauweise festgelegt, um die Vorhaben möglichst schnell und kostengünstig voranzutreiben. Kleusberg wird an allen vier Standorten des Landkreises 600 Module mit einer Gesamtfläche von rund 25.000 qm verbauen. „Geschwindigkeit ist das, was Sie von uns erwarten und das ist genau das, was wir Ihnen bieten werden“, stellt Oliver Hartmann, Geschäftsführer für Modulares Bauen bei der Firma Kleusberg während der Vertragsunterzeichnung fest. Obwohl der Gesamtauftrag wegen der spezialisierten Bauweise an das südwestdeutsche Großunternehmen gegangen ist, heißt das nicht, dass nicht noch hier ansässige Fachbetriebe als Nachunternehmen zum Zuge kommen können. Vonseiten der Wissener Firma wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass man über die Website Kontakt aufnehmen solle, um sich für die verschiedenen Bautätigkeiten bewerben zu können.
Landrat Michael Schünemann dankte noch einmal ausdrücklich der dreiköpfigen Koordinierungsstelle Schulstruktur der Verwaltung, die als eigenständiger Bereich kurz nach dem Kreistagsbeschluss die koordinierende Begleitung des Projektes übernommen hatte. „Ohne die hervorragende fachliche bereichsübergreifende Kompetenz von Andrea Wessel, Stefan Schmidt und Thomas Liebe wäre eine solche Aufgabe wohl kaum so reibungslos vonstattengegangen. Ich hätte mir den Zeitplan der Realisierung schon ein paar Jahre früher gewünscht, aber es brauchte für die politische Entscheidungsfindung einfach Zeit.“